America’s CupKooperation mit Mercedes – ist das der neue Silberpfeil?

Max Gasser

 · 28.10.2022

America’s Cup: Kooperation mit Mercedes – ist das der neue Silberpfeil?Foto: C. Gregory/INEOS Britannia
Kantig und in Silberpfeil-Optik: das neue Testboot von Ineos Britannia

Ineos Britannia hat sein neues Testboot enthüllt. Die Entwicklung der Rennmaschine fand in Zusammenarbeit mit dem Formel-1-Team von Mercedes statt. Alle America’s-Cup-Teams haben jetzt wieder ein Boot

Das britische America’s-Cup-Team Ineos Britannia hat gestern sein erstes Testboot in der Wintertrainingsbasis in Palma enthüllt. Der Prototyp für den 37. America’s Cup 2024 in Barcelona trägt den Codenamen “T6” und wird eine wichtige Rolle in der Vorbereitung der Mannschaft spielen. Das 40-Fuß-Testboot wurde zusammen mit Mercedes-AMG F1 Applied Science, einer Abteilung des Formel-1 Teams von Mercedes, entwickelt.

In die Konstruktion und den Bau flossen damit Erfahrungen aus der Formel 1 und dem America’s Cup ein. Ben Ainslie, CEO und Skipper des Teams, sagte dazu: “Wir sind ein Team als Ineos Britannia, die Zusammenführung von AC und F1 ist eine große Investition von beiden Seiten. Wir sehen dies als eine langfristige Partnerschaft.” Man sei dankbar, Teil der Ineos-Sportgruppe zu sein, um das Fachwissen aus verschiedenen Sportarten, einschließlich des Radsports, nutzen zu können.

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Bis auf Bug und Foils sind fast keine abgerundeten Ecken oder Kanten zu findenFoto: C. Gregory/INEOS Britannia
Bis auf Bug und Foils sind fast keine abgerundeten Ecken oder Kanten zu finden

Silberpfeil oder Cybertruck?

Optisch hebt sich das Testboot stark von den Booten der anderen Teams ab. Die klaren, harten Kanten des Rumpfes geben ein komplett anderes Bild ab, als man es bisher gewohnt ist. Vom Design der britischen Yacht beim vergangenen America’s Cup ist ebenfalls nicht viel übrig geblieben. Am gesamten Boot findet man kaum Rundungen, am Heck laufen die kantigen Linien zu, das Unterwasserschiff ist hier komplett flach. Das Schiff ist mit zwei baugleichen Foils mit waagerechtem T ausgestattet. Farblich scheint es zumindest etwas an die Formel-1-Boliden von Mercedes, die Silberpfeile, angelehnt zu sein. Es könnte allerdings auch Verwechslungen mit Teslas Cybertruck geben.

Die 40-Fuß-Yacht wurde bei Carrington Boats in Hythe gebaut, dann nach Brackley zum Sitz des Mercedes-AMG F1 Teams, transportiert. Da wurde “T6” ausgestattet, und von dort aus läuft nun auch die weitere Entwicklung. Die Briten werden den ganzen Winter über von der neuen Basis der Mannschaft in Palma de Mallorca aus trainieren. Die Testdaten werden live an den Hauptsitz des Teams in Brackley übertragen, wo bereits an Forschung und Design des AC75-Rennboots gearbeitet wird, das beim 37. America’s Cup eingesetzt wird.

Die Foils sind symmetrisch und nicht mehr abgewinkeltFoto: C. Gregory/INEOS Britannia
Die Foils sind symmetrisch und nicht mehr abgewinkelt

Eigenständige Entwicklung für den America’s Cup

Doch “T6” zu entwerfen und zu bauen, ist nur ein Teil der Vorbereitung des britischen Teams. Das Emirates Team New Zealand hat ebenfalls ein kleineres Testboot entwickelt, ein Einheitsboot namens AC40. Ein solches wird jedem Team zur Verfügung gestellt und zudem für den America’s Cup der Frauen und der Jugend genutzt. Das zweite Boot der Serie ist bereits auf dem Weg zu Ineos Britannia und wird Anfang November erwartet.

Auch wenn der AC40 vom Team New Zealand ein tolles Boot sei und man auch mit diesem testen werde, wolle man gleichzeitig unabhängig bleiben und auf die eigenen Kräfte setzen, so Ainslie. “Wir wollten die volle Kontrolle über unsere eigene Testplattform haben und nicht von einem Dritten abhängig sein, der diese Plattform zur Verfügung stellt, damit wir die Kontrolle über unsere Teststrategie haben.” Gerade die Schnittstelle zur Formel 1 würde es dem Team ermöglichen, besser zu arbeiten als beim vergangenen Cup, wo man einige Fehler gemacht habe.


Die neue Luna Rossa fliegt

Foto: Luna Rossa/Carlo Borlenghi

Auch Luna Rossa hat ein eigenes Testboot konzipiert und dieses erst kürzlich vorgestellt. Nach Schlepptests war das Team nun auch unter Segeln auf dem Wasser. Trotz des sehr schwachen Windes von nur sieben Knoten konnte das Boot eine ganze Weile auf den Foils bleiben.

Jimmy Spithill, der zusammen mit dem Olympioniken und Weltsegler des Jahres Ruggero Tita am Steuer saß, zeigte sich sehr zufrieden: “Es war ein großartiger Tag, und wenn man bedenkt, dass es der erste unter Segeln war, hat sich das Boot sehr gut verhalten.”

Alles zum Testboot von Luna Rossa:


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