America's CupErste Details des "BoatZero" von Alinghi im Netz

Max Gasser

 · 10.08.2022

America's Cup: erste Details des "BoatZero" von Alinghi im NetzFoto: Olaf Pignataro/Alinghi Red Bull Racing

Eine Regelreform soll für mehr Transparenz im America's Cup sorgen und trägt erste Früchte: Details der Trainingsyacht von Alinghi Red Bull Racing wurden öffentlich präsentiert

Der America's Cup geht bei seiner 37. Auflage vollkommen neue Wege und will mittels mehr Transparenz auch für eine bessere Zugänglichkeit für alle Fans sorgen. Die Reform trägt schon jetzt erste Früchte.

Nachdem bereits vor einigen Wochen Bilder vom Bau der AC40-Testboote publik wurden, gibt es jetzt sogar erste Details des AC75, des neuen "BoatZero", von Alinghi. Diese wurden auf den offiziellen Social-Media-Kanälen des America's Cup veröffentlicht und sind Teil des neuen "Recon-Programmes" zur Aufklärung.

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Zu sehen ist unter anderem die Form der Foils. Bisher ist das Team aus der Schweiz das einzige mit segelfertigem AC75.

Ob die neue Offenheit tatsächlich auf so viel Anklang stößt, ist jedoch noch ungewiss. Die Transparenz für Teams und Außenstehende gibt zwar einen interessanten Einblick, könnte jedoch auch die Spannung nehmen. Die zuvor prägende Geheimhaltung sorgte zudem für mehr individuelle Lösungen in der Entwicklung und sollte "Abgucken" vermeiden – oder etwa doch nicht?

Spionage im America's Cup künftig weniger bedeutsam

Meldung vom 26.07.2022

Das britische Team INEOS Britannia wird von mehreren Motorbooten verfolgtFoto: INEOS TEAM UK/C GREGORY
Das britische Team INEOS Britannia wird von mehreren Motorbooten verfolgt

Bei fast jeder Auflage des America's Cup wurde heimliche Spionage beobachtet und dokumentiert. Extra-Teams wurden mit dieser Aufgabe betraut. Mittlerweile hat das Ausspionieren der Kontrahenten jedoch ein vollkommen neues Ausmaß erreicht und stellt zudem einen erheblichen Kostenfaktor dar.

Man munkelt, dass neben den bekannten Verfolgungsbooten auch Drohnen, Tracker und sogar Tauchboote eingesetzt wurden, um an die entscheidenden Daten und Bilder zu gelangen.

"Zu verstehen und zu wissen, in welche Richtung sich die Gegner bewegen, ist entscheidend. Je mehr Informationen man hat, desto mehr Simulationen kann man intern durchführen und ein Gefühl dafür bekommen, wo man im Vergleich zu seinen Konkurrenten steht", erklärt Matteo Plazzi vom Team Luna Rossa Prada Pirelli.

  Luna Rossa Prada Pirelli und INEOS Britannia beim Prada Cup im vergangenen JahrFoto: INEOS Britannia
Luna Rossa Prada Pirelli und INEOS Britannia beim Prada Cup im vergangenen Jahr

Unfallrisiko beim vergangenen America's Cup zu hoch

Beim vergangenen 36. America's Cup in Auckland war die Situation auf dem Wasser zeitweise sogar gefährlich, da mehrere Spionageboote der Teams die einzelnen AC75-Boote auf ihrem Trainingsrevier verfolgten. Es kam zu Beinahe-Zusammenstößen, und alle Teams waren sich einig, dass es so nicht weitergehen kann.

Mit all dem soll jetzt Schluss sein, denn es gibt eine neue, fast schon revolutionäre Regel. Diese zielt darauf ab, die Ausgaben einzudämmen, die Frustration der Teams über die Bespitzelung zu verringern und den Zuschauern einen möglichst transparenten Blick auf die Entwicklungen und Techniken zu ermöglichen.

Dan Bernasconi, Chefdesigner des siegreichen Emirates Team New Zealand, wünschte sich schon seit einiger Zeit Änderungen in diesem Bereich. Jetzt setzt er diese gemeinsam mit den Herausforderern von INEOS Britannia in die Tat um: "Wir hatten das Gefühl, dass es der richtige Zeitpunkt ist, den Sport zu öffnen. Dieses Mal werden die Fans hautnah dabei sein, wenn die AC40-Foiler starten, bevor die AC75-Cupper 2024 an den Start gehen."

Das Publikum soll mit Bildern, Videos und Analysen, die auf www.americascup.com öffentlich zugänglich sind, mitten ins Geschehen gebracht werden. Neben der Steigerung der Attraktivität des Events für die Zuschauer bietet die neue Regelung vor allem einen wertvollen, kostensparenden Service für alle Teams.

Aktuell ebenfalls im Bau sind die kleineren AC40-Foiler, hier eine AnimationFoto: Facebook/America's Cup
Aktuell ebenfalls im Bau sind die kleineren AC40-Foiler, hier eine Animation

Jede Wende und jeder Kurswechsel bei jeder Trainingseinheit, sowohl lang als auch kurz, wird auf dem Wasser verfolgt werden. Die Daten und Bilder werden in eine Cloud hochgeladen und können von allen Teams eingesehen und analysiert werden. Außerdem sollen täglich Interviews mit den wichtigsten Steuerleuten, Crews und Konstrukteuren geführt werden. Entscheidend ist, dass diese Inhalte eben auch den Fans und Anhängern zur Verfügung gestellt werden. So kann jeder schon bald auf den 37. America's Cup in Barcelona hinfiebern.

"Der größte Vorteil dieses Programms ist die Begeisterung, die es bei den Fans auslösen wird", so Ben Cornish vom britischen Team. "Die Inhalte, die von den Teams aufgenommen werden, bleiben normalerweise intern, aber dieses Mal werden die Medien und die Öffentlichkeit in das Training und die Entwicklung der Teams einbezogen."

Das Verbesserungspotenzial der Boote sei längst noch nicht ausgeschöpft, bei jeder Episode kommen die besten Designer der Welt mit Einflüssen aus der Luft- und Raumfahrtindustrie und der Formel 1 zusammen. Alle Augen werden auf die gewonnenen Erkenntnisse gerichtet sein, wenn die Boote wieder segeln.

Der zugänglichste America's Cup für Fans auf der ganzen Welt
Ein Blick ins Cockpit der neuen AC40-Testboote vom Emirates Team New ZealandFoto: Facebook/America's Cup
Ein Blick ins Cockpit der neuen AC40-Testboote vom Emirates Team New Zealand

Lange wird es nicht mehr dauern, bis die Teams die gerade gebauten Trainings- und Testboote als wirksame Designmodule einsetzen, um Komponenten und Ideen zu testen, die derzeit auf den Entwürfen der weltbesten Schiffsarchitekten und Ingenieure stehen.

Cornish ist sich über die Vorzüge einer effektiven Aufklärung im Klaren: "Natürlich schaut man sich immer an, in welche Richtung andere Teams gehen." Beim America's Cup 2024, der eine Weiterentwicklung der vorherigen Ausgabe sein wird, könne man erwarten, dass die Teams in Bezug auf die Bootsleistung noch näher zusammenrücken und Details den Unterschied ausmachen werden.

Auch die Fans werden die spannende Entwicklung nun eng mitverfolgen, und die Spionage sollte damit voraussichtlich ein Ende finden oder zumindest etwas eingedämmt sein. Bernasconi ist sich sicher: "Dies wird der zugänglichste America's Cup für Fans auf der ganzen Welt sein."

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