America’s CupDie Radfahrer sind zurück

Max Gasser

 · 20.10.2022

American Magic beim gestrigen Training: An der Körperhaltung lassen sich die Radfahrer im Team gut erkennen
Foto: Paul Todd/America's Cup
Radfahrer damals und heute: die Entwicklung beim America’s Cup

Das Reglement erlaubt für den kommenden America’s Cup erstmals Pedale anstelle von Grindern auf den foilenden Monohulls. 2021 waren sie noch verboten. 2017 erwies sich die Beinkraft als entscheidender Faktor für den Sieg der Kiwis, damals noch auf den AC50-Katamaranen. Zwei Teams arbeiten schon jetzt mit Radfahrern auf den Cup 2024 hin

Erst vor drei Tagen hatte das Team American Magic seine Partnerschaft mit dem Fahrradhersteller Sram verkündet. Gestern war es erstmals mit Pedalen auf dem Wasser zu sehen. Auch Ineos Britannia plant wohl, Radfahrer einzusetzen.

Das bringt mehrere Vorteile mit sich. Offensichtlich ist, dass die Beine mehr Kraft entwickeln können, als es aus den Armen heraus möglich ist. Damit kann dementsprechend für mehr Energie gesorgt werden. Mindestens ebenso wichtig ist aber, dass die Sportler so parallel auch mit ihren Händen und Armen arbeiten können. Das ermöglicht es dem Steuermann, sich lediglich auf seinen Job zu konzentrieren und sich nicht um Foils oder Ähnliches kümmern zu müssen.

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America’s Cup 2017: Radfahrer entscheidende Innovation

Beim 35. America’s Cup 2017 waren es die Neuseeländer, die mit Radfahrern überraschten und schlussendlich auch mit ihnen triumphierten. Wieder einmal waren es damit die Kiwis, die für eine kleine Sensation sorgten. Schon 2013 war es das Emirates Team New Zealand, das mit dem ersten foilenden Katamaran Geschichte schrieb. Die Fachwelt ist sich heute einig, dass die Neuseeländer ihre Innovation damals einfach nur zu früh in der Öffentlichkeit gezeigt hatten und die Konkurrenz rechtzeitig mit der technologischen Aufholjagd starten konnte. So gelang den amerikanischen Cup-Verteidigern damals ein spektakuläres Comeback.

2017 sollte es anders kommen. Die Neuseeländer blieben das einzige Team mit Radfahrern an Bord und setzten sich im Finale deutlich gegen die Amerikaner durch. Statt konventionellen Grindersäulen Pedale einzubauen, die es den Seglern erlaubten, die kräftigeren Beine zum Antreiben der Winschen und damit zum Trimmen der Segel einzusetzen, war ein großer Faktor für die Erfolgsgeschichte. Die Neuseeländer konnten so den Druck für die hydraulischen Systeme schneller aufbauen als ihre Gegner und waren damit unabhängiger bei Manöverentscheidungen. Ganz neu war die Idee jedoch schon damals nicht. In den sechziger Jahren wurden erste Experimente mit Pedalen für Grinder durchgeführt. Pelle Pettersons “Sverige”-Crew hat sie 1977 mit gemischtem Erfolg im America’s Cup erprobt.

Dieses Bild ging um die Welt: die erste veröffentlichte Sichtung des ersten foilenden Katamarans beim America’s CupFoto: Emirates Team New Zealand
Dieses Bild ging um die Welt: die erste veröffentlichte Sichtung des ersten foilenden Katamarans beim America’s Cup

Ineos Britannia plant Radfahrer fest ein

Beim vergangenen Cup wurde der Einsatz von Pedalen auf den erstmals foilenden Einrumpfern im Regelwerk untersagt. Wohl auch, weil es kein schönes Bild abgegeben hatte, Radfahrer auf einem fliegenden Segelboot zu sehen. Da die Crewanzahl bei gleicher Bootsgröße für den anstehenden America’s Cup 2024 in Barcelona von zwölf auf acht reduziert wurde, spielt die effektive Energiegewinnung jetzt eine noch größere Rolle.

Neben dem amerikanischen Team wollen auch die Briten daher Radfahrer einsetzen. Auf ihrer Crewliste sind vier von zehn Athleten als solche aufgeführt. Aktuell warten sie jedoch noch auf die Anlieferung ihres Testbootes, eines One Design AC40. Diese wurden vom Team New Zealand für alle Teams entwickelt und dürfen während der Vorbereitungen modifiziert werden. Wann und wie Ineos Britannia seine Radfahrer einsetzen wird, bleibt also noch abzuwarten.


  • Die Entstehung des ersten “fliegenden” Mehrrumpfers beim America’s Cup im Video:

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