MeinungMeine Heizung, der Saisonstart und ich

YACHT

 · 26.04.2025

Meinung: Meine Heizung, der Saisonstart und ich
YACHT-Woche – Der Rückblick
yacht/bullseye-yacht-woche-fridtjof-2000x500_100c1e8d210dbcb3f721f66339a18e95

Liebe Leserinnen und Leser,

als ich am Donnerstag unseren Beitrag zum Thema Bordheizungen las, wurde mir wieder ganz kalt. Erinnerungen an Ostern kamen hoch.

Ostern! Das erste lange Wochenende 2025 auf dem Boot. Lange erwartet, drauf gefreut, geplant. Das Wetter? Egal! Das Boot ist dicht, verfügt über eine Heizung, wir haben uns lieb. Es gibt Spargel, die Bar ist aufgefüllt, die ersten (netten) Stegnachbarn sind da, schönen Tagen steht auch ohne Segeln nichts im Wege, wenn denn der Wetterbericht leider recht haben sollte. Und mit der geplanten Überführung des neuen Bootes unseres befreundeten Nebenliegers hab ich wenigstens einen kurzen Ausflug auf dem Programm.

Sie ahnen es, es kam anders. Donnerstag abends. Alles ist eingeräumt. Das lange Wochenende kann beginnen, mit dem feierlichen Druck auf den Heizungsschalter. Quasi wie bei der Eröffnung eines neuen Kraftwerks. Alles fein so weit, das Teil fährt hörbar hoch - und schaltet sich mit der Fehleranzeige „ERR“ im Steuerungsdisplay ab. Auch klar, dass eine (ohnehin völlig irrationale) Wiederholung des Vorganges keine Besserung bringt. Heizlüfter raus, der ist immerhin als backup dabei. Die Heizung hatte Monate zuvor schonmal die Grätsche gemacht, somit sollte auf die Arbeiten noch eine Werkstattgarantie laufen. Ein schwacher Trost, aber ein Trost. Dass ich nicht alleine mit dem Thema bin, hilft mir auch nicht weiter. Meinem Nachbarlieger hatte ich schon Auspuff-Montagepaste mitgebracht, weil dessen Heizung Abgas in den Innenraum lässt.

Meistgelesene Artikel

1

2

3

4

5

Also weiter bei uns an Bord: Am nächsten Tag das Teil ausbauen, ein Riesenspaß auf einem Großserienboot, wo die meisten Komponenten eingebaut werden, wenn das Deck noch nicht drauf und alles für die Werftarbeiter stundenschindend einfach zu erreichen ist. Nicht so im fertigen Zustand. Durch die Heckluke geht es in die Backskiste, mit beiden Beinen durch eine Klappe in der Achterkabine steckend lässt sich etwas Bewegungsspielraum erkämpfen. Weder meine Physiognomie noch mein Alter bescheren mir die Eigenschaften eines Schlangenmenschen, die ich nun haben muss.

Die Heizung sitzt auf einem Nylonbrett, das von seinem Träger getrennt werden muss, um an die Schellen und Schläuche für die Warmluftauslass, die Verbrennungsluft und den Abgasauslass sowie die Spritversorgung zu kommen. Das alte Leid bei solchen Arbeiten: Mit der Hand des Armes, mit dem ich mich abstützen muss, muss ich gleichzeitig Schrauben lösen, die ich nicht sehen kann. Klar, dass sich immer mehr Bits und Kleinteile klöternd unter irgendwelche Schläuche verabschieden und dort selbst mit dem Krallengreifer nicht zu erreichen sind.

Nach einer Stunde ist die Heizung ausgebaut. Mal sehen, wie es weitergeht. Schön, nun also segeln, das werftneue Boot aus Laboe holen, ich freu mich, auch für den frischgebackenen Eigner Frank, der vom Motor- aufs Segelboot zurückgewechselt ist. Es hört auf, langsam zu regnen, auf nach Sonderborg. Klar, dass das Boot nicht vollgetankt wurde und dass die Tankstelle geschlossen hat. Also ab durch die Flaute unter Segeln. Genug zu essen haben wir und eine Heizung gibt es auch.

Gibt es, aber sie springt nicht an. Fehlercode „ERR“. Also nix mit abwechselnd mal aufwärmen unter Deck. Wind kommt auf, die Richtung passt, wir sehen zwar nichts, aber schön ist es dennoch, wieder unterwegs zu sein. Ich friere wie die Sau. Nach sechs Stunden kommen wir an. Heizlüfter raus, Begrüßungskomitee an Bord, Gin/Tonic für alle. Nach einer kurzen Runde verkrümeln sich die Nachbarn auf ihre Boote, es wird ja auch langsam kalt.

„Scheisse!“ ertönt es von der 34-Fuß-Yacht gegenüber. Die Heizung, sie springt nicht an. Ach! Es ist kaum zu glauben. Im Umkreis von 4,5 Metern sind an zwei Tagen vier Heizungen von drei Booten ausgefallen. Eine gigantische Fehlerquote. Das muss Zufall sein, was auch sonst.

Warum ich das schreibe: Zum einen will ich so den Frust loswerden, zum anderen jedem zurufen: Freut Euch, wenn an Euren Booten alles funktioniert oder zumindest die vitalen Dinge in Ordnung gehen. Prüft alles rechtzeitig auf Herz und Nieren, haltet Wartungsintervalle ein, habt Ersatzteile an Bord. Und ärgert Euch vor allem nicht.

Fridtjof Gunkel

stellv. YACHT-Chefredakteur


Lese-Empfehlungen der Redaktion

yacht/Myproject-122_588dd1e2bf08c53ce7f0b81757956597

Wetterwissen

Starke Böen aus heiterem Himmel – Entstehung und Segel-Handling

yacht/hr310-2322-2000_bafe556aac67c98d99be38d7ca79bbd1

Böen übberraschen Segler aus heiterem Himmel – das Potenzial ist teilweise enorm. Wetter-Experte Dr. Michael Sachweh erklärt, wie und wo sie entstehen.


Wetter

Spektakuläre Wasserhose zieht über den Bodensee

yacht/538726274-1_5d7a63d50223d853a9c7130fb449bb10

Am Mittwochmittag hat sich über dem Bodensee bei Friedrichshafen eine gewaltige Wasserhose gebildet. Schiffe gerieten aber nicht in Not.


Eagle 46

Daysailer mit starken Segeleigenschaften ist echter Hingucker

yacht/100216828_d613b3eab3993e2d6f4b1eac9c6c5574

Mit ihren aufregenden klassischen Linien ist die Eagle 46 ein Blickfang. Die Grazie aus Holland kann mehr als nur schön sein. Sie ist eine Klasse für sich.


Vendée Globe

Malizia-Clip zum Stapellauf-Countdown – die Neue naht!

yacht/20260603-mlz4-borisvisit-ml-1_7066912291dcd1dcda6bcf327f470cf3

Im Countdown zum "Malizia 4"-Stapellauf: Am 6. Juli wird Boris Herrmanns Neue in ihr Element gekrant. Ein neuer Team-Clip zeigt den Endspurt in Lorient.


„Graceful“

​Bringt Putin seine Yacht in Sicherheit?

boot/275066212_81c7fbb4da2ab941bb85b3549daa19b6

Sie gilt als eine der geheimnisvollsten Superyachten der Welt – gebaut in Deutschland, genutzt vom mächtigsten Mann Russlands, und jetzt angeblich auf der Flucht vor ukrainischen Drohnen. Die eskortierte Passage der „Graceful" durch den Fehmarnbelt sorgt für viele Spekulationen.


Wettfahrten

So starten junge Crews und DIY-Segler ins Low-Budget-Racing

yacht/100221254_f034029fc80485a2b2579569262b9ba3

Zwei Beispiele, ein gemeinsamer Kern: Regattasegeln muss kein Hochglanzprojekt sein. Die „Sailing Generation“ und Runar Åsly zeigen, wie viel mit Eigenleistung, Teamgeist und überschaubarem Budget möglich ist.


Regatta-Projekt

Fastnet Race mit kleinem Budget

yacht/100221502_23315e8032253451a74717ab46da3e89

Fünf Segler, eine alte Farr-Yacht und ein klar umrissenes Ziel: das Fastnet Race. Wie ein Low-Budget-Projekt mit Gebrauchtsegeln, Eigenarbeit und viel Teamgeist tatsächlich bis zur Startlinie kam.


Besondere Leuchttürme

Þrídrangaviti - der Mount Everest der Leuchtfeuer

yacht/screenshot-2026-06-29-155837_4e93b3ecdb5c10b37997fae21daeed75

Besondere Leuchttürme: Kaum ein Leuchtfeuer ist schwerer zugänglich als Þrídrangaviti vor der Südküste Islands. Das klingt nach einer Herausforderung.


Gefahr

Zahlreiche Notfälle von der Ostsee bis zum Bodensee

yacht/026-06-28-gewitterboe-lasst-segelboot-kentern-seenotretter-retten-zwei-menschen-aus-der-ostsee_aa9b6816e5523155c5ffe508dd318691

Mehr 75 Menschen in Seenot: Die DGzRS ist am vergangenen Wochenende zu mehr als 30 Einsätzen ausgerückt. Welche Seenotfälle die Notrufe auslösten


Route du Rhum

Boris Herrmann startet solo ins legendäre Rhum-Rennen

yacht/b9a3072_9877b729a9218b02272b233ca67533d2

Die 13. Route du Rhum startet am 1. November vor Saint-Malo. Boris Herrmann ist zum dritten Mal dabei. Ins Rennen geht er mit seiner neuen "Malizia 4".



Newsletter: YACHT-Woche

Der Yacht Newsletter fasst die wichtigsten Themen der Woche zusammen, alle Top-Themen kompakt und direkt in deiner Mail-Box. Einfach anmelden:

Artikel teilen:
Kommentare

Diskutieren Sie mit – fair, sachlich und respektvoll. Es gilt unsere Netiquette.

Meistgelesen in der Rubrik Allgemeiner Service