Liebe Leserinnen und Leser,
die ganze Welt guckt derzeit über den großen Teich nach Amerika, besser in die USA, nach Mexiko und Kanada. Die Fußball-WM zieht alles und jeden in ihren Bann.
Die ganze Welt? Nein! Eine kleine Stadt im Norden Deutschlands stemmt sich gegen die Allmacht von König Fußball. In Kiel findet seit heute wieder die Kieler Woche statt, die immerhin in dieser Form größte Regattaveranstaltung der Welt. Und das schon zum 132. Mal!
Während die Fußball-WM als perfekt durchgetaktetes Fernsehprodukt global vermarktet wird und gefühlt vor allem an den finanziellen Interessen einzelner Funktionäre ausgerichtet ist, funktioniert die Kieler Woche anders. Man muss nicht nur zuschauen, man kann hingehen. Und zwar, ohne horrende Eintrittsgelder zahlen zu müssen. Man sieht die Boote, hört die Kommentare, trifft die Aktiven, spürt den Wind. Das klingt altmodisch. In Wahrheit ist es ziemlich modern.
Im Verlauf der kommenden Tage wird die KiWo einmal mehr ein Millionenpublikum an die Förde locken. Ja, viele kommen nicht wegen der Regatten. Sie kommen wegen Bier, Bühne, Bratwurst und Familienprogramm. Aber vielleicht ist genau das ihre Stärke: Die Kieler Woche schmuggelt den Segelsport dorthin, wo er sonst viel zu selten landet – mitten in die Öffentlichkeit.
Und es gibt auch durchaus jedes Jahr einige hunderttausend Menschen, die teils von weit her anreisen, eigens um die Regatten mitzuverfolgen. Die live und vor Ort diese unnachahmliche Atmosphäre, das Prickeln, die Nervosität, das Adrenalin erleben wollen, wenn die Aktiven auf den Bahnen um Punkte und Pokale kämpfen.
Kiel ist gleichermaßen ein Ort für Seh- und Seeleute. Für Schaulustige, für Fachleute, für Wassersportler jeglicher Couleur. Nahe der Innenstadt die Kiellinie mit der nicht enden wollenden Partymeile. Ein bisschen weiter draußen, in Schilksee, das Olympiazentrum, in dem sich die Segelelite der internationalen und olympischen Klassen ein Stelldichein gibt.
Wer Segeln nur für eine schwer zugängliche Spezialdisziplin hält, sollte in diesen Tagen die Chance ergreifen und nach Schilksee fahren. Dort wird aus einem vermeintlichen Nischensport plötzlich ein Erlebnis, das man erklären, kommentieren, diskutieren und vor allem teilen kann. Geboten werden dem Publikum unter anderem Regattabegleitfahrten, Übertragungen vom Renngeschehen, Live-Kommentare sowie fundierte Analyse- und Gesprächsrunden im Anschluss an die Wettfahrten inklusiver einer illustren Schar prominenter Interviewgäste.
Die YACHT ist mittendrin im Geschehen. An unserem Stand im Regatta-Village ganz in der Nähe der Sailing-Arena-Bühne freuen wir uns auf ihren Besuch. Kommen Sie doch einfach mal vorbei! Ob zum Klönschnack, weil Sie Fragen an unsere Redaktion oder Anregungen für unsere Berichterstattung haben. Oder weil sie ein wenig stöbern wollen im Buch-, Seekarten- und Zeitschriftensortiment unseres Verlags.
König Fußball mag in diesen Wochen die Welt regieren. An der Förde aber zeigt ein kleines gallisches Dorf, dass es noch andere Reiche gibt: eines aus Wind, Wasser, Können und verdammt viel Leidenschaft. Sehen wir uns dort?
Pascal Schürmann
YACHT-Textchef
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