Das Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales meldet für die laufende Saison drei Infektionen mit Nicht-Cholera-Vibrionen, darunter einen tödlichen Verlauf. Laut NDR sind bereits zwei Menschen gestorben. Bei den Betroffenen wird eine Exposition gegenüber Meer- oder Brackwasser in Mecklenburg-Vorpommern vermutet. Alle drei Personen waren älter als 75 Jahre und gehörten damit zu einer bekannten Risikogruppe. Für Wassersportler ist vor allem wichtig: Offene oder schlecht verheilte Wunden sollten nicht mit Ostsee- oder Boddenwasser in Kontakt kommen.
Bereits in der Badesaison 2025 hatte das Landesamt für Gesundheit und Soziales in Mecklenburg-Vorpommern die erste Vibrionen-Infektion der damaligen Saison bestätigt. Ein 68-jähriger Einheimischer hatte sich mit den Salzwasser-Bakterien infiziert und war trotz Behandlung in einem Krankenhaus verstorben. Wie der Mann mit den Vibrionen in Kontakt gekommen war, sei nicht abschließend geklärt gewesen. Der Verstorbene litt an Vorerkrankungen.
Die Fallzahlen bleiben im Vergleich zu anderen Gesundheitsrisiken niedrig, doch die bekannten schweren Verläufe zeigen, warum Risikogruppen vorsichtig sein sollten. Bereits im vergangenen Jahr hatte die YACHT über eine Untersuchung in Schleswig-Holstein berichtet, bei der Vibrionen in fast allen untersuchten Proben nachgewiesen wurden.
Allerdings stellen Vibrioneninfektionen für gesunde Menschen derzeit ein sehr geringes Risiko dar. Im Vergleich zu den häufigsten Todesursachen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, aber auch zu Verkehrsunfällen oder Suiziden ist die Gefahr durch Vibrionen verschwindend gering.
Die insgesamt geringe Gefahr steigt derzeit jedoch erfahrungsgemäß jetzt wieder, was mit der Vermehrung der Blaualgen zusammenhängt. Kommen diese verstärkt vor, ist kurze Zeit später auch mit mehr Vibrionen zu rechnen, da sich diese von absterbenden Blaualgen ernähren.
Das individuelle Risiko hängt stark von Gesundheitszustand, Hautverletzungen und Wassertemperatur ab. Warmes, flaches Meer- und Brackwasser begünstigt die Vermehrung der Bakterien. Die europäische Gesundheitsbehörde ECDC verweist zudem darauf, dass die Ostsee bei steigenden Wassertemperaturen zu den europäischen Gebieten gehört, in denen Umweltbedingungen für Vibrionen besonders günstig sein können.
Panik ist aber nicht angesagt, im Folgenden möchten wir dennoch über die Risiken aufklären:
An der Ostsee und in Boddengewässern finden Vibrionen in warmen Sommerphasen besonders günstige Bedingungen. Die Bakterien vermehren sich vor allem bei höheren Wassertemperaturen und mittlerem Salzgehalt. Bis zum Ende der Saison muss in der gesamten Ostsee und den Boddenbereichen mit einer Keimbelastung gerechnet werden. Die Bakterien vermehren sich besonders gut bei Wassertemperaturen über 20 Grad und in Gewässern mit mittlerem Salzgehalt. Beides trifft auf die Ostsee zu, deren Wassertemperatur in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen ist.
Vibrionen können auf verschiedenen Wegen in den menschlichen Körper gelangen. Der häufigste Weg ist über Verletzungen der Haut. Selbst ein blutig gekratzter Mückenstich kann als Eintrittspforte dienen. Wenn man mit einer Wunde baden geht, können die Bakterien eindringen und eine Infektion verursachen. Diese kann Haut, Muskeln und Gewebe zerstören und sehr rasch zu einer lebensbedrohlichen Blutvergiftung (Sepsis) führen. In schweren Fällen kann das zu einer Amputation der betroffenen Gliedmaßen führen. Im weiteren Verlauf ist ein Befall innerer Organe möglich, der mit der Bildung von Eiterherden im Körper einhergeht und schlimmstenfalls tödlich enden kann.
Vibrionen, die Magen-Darm-Erkrankungen auslösen, werden oral übertragen. Sie gelangen über den Mund in den Körper, meist durch verunreinigtes Trinkwasser und Lebensmittel. Auch der Verzehr von rohen oder unzureichend gegarten Meeresfrüchten (z.B. Austern, Muscheln) oder Fischen aus belasteten Gewässern kann zur Ansteckung führen.
Zu den typischen Risikogruppen zählen ältere sowie immungeschwächte Personen. Menschen mit Vorerkrankungen wie Diabetes mellitus, Lebererkrankungen (z.B. Leberzirrhose, chronischer Hepatitis), Krebserkrankungen sowie schweren Herzerkrankungen haben ein erhöhtes Risiko für eine Erkrankung und auch für einen schweren Krankheitsverlauf.
Ein auffälliges Symptom einer Infektion ist ein ungewöhnlich starker Schmerz, auch bei kleinen Verletzungen. Symptome einer Vibrionen-Infektion können außerdem Rötungen, Schwellungen und Blasenbildung auf der Haut sein, verbunden mit Fieber, Schüttelfrost, Erbrechen und Durchfall bis hin zum Schock. In solchen Fällen sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden. Bei frühzeitiger Erkennung lässt sich eine Vibrionen-Infektion in den meisten Fällen durch Antibiotika gut behandeln.
Über den Verzehr von kontaminierten Lebensmitteln kommt es nach etwa 16 Stunden zu starken Bauchschmerzen und schweren Brechdurchfällen. Unbehandelt kann es kurze Zeit später zu einer Blutvergiftung kommen, die im schlimmsten Fall einen septischen Schock und Multiorganversagen verursachen kann.
Zur Vorbeugung sollte man sich täglich vor Ort über die Wassertemperatur erkundigen, besondere Vorsicht ab 20 Grad. Vor dem Baden kann man sich auch über die Wasserqualität informieren. Auf der Internetseite des Bundesumweltamtes finden Sie Links zu den Badegewässern und aktuellen Wasserqualitäts-Daten der einzelnen Bundesländer.
Das Tragen von Badeschuhen kann Verletzungen vermeiden, schon kleinste Schürfwunden, Hühneraugen oder Blasen an den Füßen bieten eine Angriffsfläche.
Für Segler gilt das nicht nur beim Baden, sondern auch beim Slippen, Anlanden mit dem Dinghy, Barfußlaufen am Steg oder Arbeiten im flachen Hafenwasser. Wer kleine Schnitte, aufgekratzte Mückenstiche, Blasen oder schlecht verheilte Wunden hat, sollte diese wasserdicht abdecken oder den Kontakt mit Ostsee- und Boddenwasser vermeiden.
Nach dem Baden sollte man sich abduschen. Wer ganz sicher gehen möchte, kann nach einem Aufenthalt in potentiell von Vibrionen betroffenen Gewässern eine Desinfektionslösung verwenden. Personen mit Hautverletzungen oder chronischen Erkrankungen sollten sich generell von Gewässern, in denen Vibrionen nachgewiesen wurden, fernhalten.
Kleinere Wunden sollten sorgfältig versorgt und beobachtet werden. Kratzer, Schnitte oder Schürfwunden sollten gründlich gereinigt, desinfiziert und mit einem Pflaster abgedeckt werden. Bei einer normalen Wundheilung sollten Schmerzen, Rötung und Schwellung zurückgehen. Die Wunde sollte spätestens nach einigen Tagen trocken sein.
Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Ostseeforschung Warnemünde arbeiten inzwischen an einer genaueren Vorhersage von Vibrionen-Risiken. Nach Angaben des Instituts lässt sich das Auftreten von Vibrio vulnificus mithilfe von KI-Modellen teils mehrere Wochen im Voraus eingrenzen. Seit April 2026 wird an Mecklenburg-Vorpommerns Küsten zudem ein KI-gestütztes Drohnen-Messprogramm getestet, das lokale Risikoeinschätzungen ermöglichen soll.
Drohnen erfassen dabei unter anderem Wassertemperatur, Strömungsverhältnisse, Salzgehalt und Blaualgenblüten im Bereich des Badewasserstreifens. Ziel ist ein lokaler Vibrionen-Umweltindex mit Ampelsystem. Für Segler ersetzt das noch keine eigene Vorsicht, zeigt aber, dass Warnungen künftig deutlich präziser werden könnten.

Chefredakteur Digital
Diskutieren Sie mit – fair, sachlich und respektvoll. Es gilt unsere Netiquette.