​Grand Soleil Plus 80 LCDas neue Flaggschiff im Segeltest

Lars Bolle

 · 29.07.2026

Die Rumpflinien straken klassisch, der Kajütaufbau flacht nach achtern ab.
Foto: Cantiere del Pardo/Gianluca Napthalina Camporesi
Die Grand Soleil Plus 80 Long Cruise ist das neue Flaggschiff von Cantiere del Pardo: 26,20 Meter lang, 400 Quadratmeter Segelfläche, vollständig hydraulisch und elektrisch bedienbar. Die YACHT war beim ersten Segeltermin vor Porto Cervo an Bord. Was leistet das Boot auf dem Wasser? Wie fühlen sich 80 Fuß an?

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Die erste Grand Soleil Plus 80 Long Cruise ist das neue Flaggschiff von Cantiere del Pardo. 26,20 Meter Länge, 400 Quadratmeter Segelfläche, Hybridtechnik und ein Cockpit, das klar trennt, wo gearbeitet und wo gelebt wird.

Vor Porto Cervo steht noch alte Welle, der Wind ist moderat zwischen zehn und fünfzehn Knoten. Für die Grand Soleil Plus 80 LC sind das keine spektakulären Bedingungen. Aber gute Voraussetzungen für eine wichtige Beobachtung: wie viel Ruhe 22 Meter Wasserlinie in ein Boot bringen können.

Die Grand Soleil Plus 80 Long Cruise wurde beim Grand Soleil Cup Ende Mai 2026 zunächst privat für Eigner gezeigt, wobei auch die YACHT die Gelegenheit hatte, in den Gewässern der Costa Smeralda an Bord zu gehen. Das öffentliche internationale Debüt soll beim Cannes Yachting Festival im September 2026 folgen. „Bianca II", so der Name der ersten Einheit, zeigt, wie Cantiere del Pardo die Plus-Linie weiterentwickeln will: mehr Länge, stärkerer Eigner-Einfluss, konsequentere Charter- und Langfahrtlogik, aber weiterhin erkennbaren Segelanspruch.

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Rumpf und Rigg: elegant auf 26 Metern

Was zuerst auffällt, sind die schwarzen Segel. Hochwertige Kohlefasersegel von North Sails an einem Carbonrigg von Axxon mit daumendicker Rod-Verstagung, alles erste Wahl. Darunter liegt ein Rumpf, der trotz seiner Abmessungen ein stimmiges, elegantes Gesamtbild ergibt. Der Aufbau flacht nach achtern coupéartig ab, wird also mit jedem Meter zum Heck hin flacher. Das verleiht der Yacht trotz ihrer Größe eine gestreckte, sportliche Silhouette. Ein auffallendes Merkmal ist das breite Heck, fast so breit wie die Yacht an ihrer breitesten Stelle. Konstrukteur Matteo Polli verzichtet bei diesem Heck aber weitgehend auf ausgeprägte Chines oder Knicke, wie sie bei so ausladenden Achterpartien oft eingesetzt werden. Der Italiener, bekannt für seine Vorliebe zur Breite, schnürt die Spantform zur Wasserlinie hin vergleichsweise stark ein, zugunsten einer schmaleren Wasserlinie. Das Boot bietet achtern Volumen und Decksfläche, soll im Wasser aber nicht zu viel benetzte Fläche erzeugen.

Polli hat den Rumpf so ausgelegt, dass er sowohl voll beladen mit gefüllten Tanks als auch in leichter Konfiguration stabil bleibt. Bei einer Yacht, deren Eigner unterschiedliche Systemkonfigurationen wählen können, ist das keine triviale Anforderung. Den Schwerpunkt möglichst niedrig halten, die großen Systeme optimal platzieren: So beschreibt er seinen Ansatz für den 80-Fuß-Rumpf. Das Konzept stammt von Cantiere del Pardo selbst, die Rumpflinien von Polli, Exterieur, Interieur und Layout von Nauta. Massimo Gino, CEO und Co-Founder des Designstudios aus Mailand, bringt die Herausforderung auf den Punkt: „Eine 80-Fuß-Yacht soll Funktionen aufnehmen, die sonst bei 95- bis 100-Fuß-Yachten anzutreffen sind. Innenräume, Kabinengrößen und Ausrüstung müssen dafür sorgfältig optimiert werden. Dieses Verdichtungsprinzip zieht sich durch die gesamte Yacht."

„Bianca II" wurde vollständig im eigenen Haus gebaut, vom Laminieren bis zum Stapellauf in Fano. Für ein Boot dieser Größe bietet das enorme Vorteile. Struktur, Innenausbau, Hydraulik, Energieplattform und Kabelführung müssen von Beginn an zusammengedacht werden. Genau das, sagt Projektleiter Franco Corazza, ermögliche dieser Ansatz: strengere Qualitätskontrolle, bessere Integration von Konstruktion und Bordsystemen. Die Konstruktion basiert auf Sandwichbauweise mit epoxy-basiertem Vinylesterharz, Vakuuminfusion und Carbonverstärkungen in hoch belasteten Bereichen.

Das Cockpit als Open-Air-Salon

An Deck zeigt sich sofort, was das Boot konzeptionell ausmacht: Der Bedienbereich ist klar vom Lebensbereich getrennt. Alle Schoten, Strecker und das laufende Gut laufen nach achtern, auf große, hydraulisch betriebene Winschen. Zusätzlich gibt es Mast Winschen, falls dort fallen bedient werden sollen, etwa in Manövern mit großen Vorsegeln. Der Steuerstand mit seinen zwei Rädern ist frei gehalten, bietet viel Platz für den Steuermann und die Crew, die dort arbeitet. Davor öffnet sich ein Cockpit, das fast an einen großen Daysailer erinnert, nur eben in dieser Größe. Die Flächen dort sind enorm. Zwei Cockpittische an Backbord und Steuerbord, hydraulisch absenkbar und anhebbar, lassen sich im abgesenkten Zustand mit Polstern belegen, sodass riesige Sitz- und Sonnenliegeflächen entstehen. Keine Beschläge, keine Leinen, guter Blick nach vorn und ringsum. Das ist schon richtig luxuriöses Segeln: Man sitzt in dieser Größe trotzdem direkt an den Elementen und bekommt alles mit. Man kann sich frei die eigene Position wählen, und ergonomisch ist alles sehr gut ausgeführt. Das Cockpit wird so zu einem Open-Air-Salon, einem Beach Club auf dem Wasser.

Die Grand Soleil 80 hat keinen Traveller. Die Großschot läuft zentral unter Deck auf eine sogenannte Captive-Winsch: eine große, querliegende, hydraulisch betriebene Winschtrommel. An Deck ist nur eine einzige Schotpart sichtbar, die direkt am Großbaum befestigt ist, nicht weiter umgelenkt. Auf den Traveller wurde bewusst verzichtet. Da das Boot für den Charterbetrieb vorgesehen ist und damit auch unerfahrenere Crews an Bord sein können, birgt ein Traveller immer die Gefahr, dass in Manövern jemand im falschen Bereich steht und vom schnell fahrenden Travellerschlitten verletzt werden könnte. Der Twist im Großsegel wird allein über den hydraulisch bedienbaren Niederholer geregelt. Falls die Winsch oder die Hydraulik ausfallen sollte, gibt es am Großbaum Anschlagpunkte für eine Notschot, die dann jeweils zu einer Seite direkt auf die großen hydraulischen Winschen geführt werden kann. Diese wären dann auch per Winschkurbel bedienbar.

Die Yacht ist mit einem Semi-Park-Avenue-Großbaum ausgerüstet, der sich dreieckförmig nach oben öffnet und eine große Öffnung bildet, ähnlich einem fest installierten Lazybag. Das Großsegel fährt auf Rutschen und fällt in diesen Bereich hinein. Damit das Groß dort aber ordentlich und dauerhaft verstaut werden kann, muss jemand auf den Großbaum und nach achtern, um das Segel sauber in Falten zu legen. Vorn am Mast braucht es ebenfalls jemanden. Für eine Charterausführung ist das nicht ideal. Für den Regattaeinsatz, für den man das Boot ebenfalls chartern kann, ist diese Lösung klar die bessere Wahl: Das Großsegel kann effektiver gestaltet werden als bei einem Rollbaum. Eine Chartercrew, die damit unterwegs ist, wird sicherlich ein oder zwei Bootsleute dabeihaben, die diesen Job erledigen.

Segeln auf Knopfdruck: Rigg und Hydraulikphilosophie

Neben dem Carbonmast und V-Baum sowie dem Rod-Rigg und dem hydraulischen Baumniederholer sind die hydraulisch verstellbare Vorliekspannung, das geteilte hydraulische Textilachterstag und der feste Carbon-Bugspriet hervorzuheben. Die Segelgarderobe umfasst einen klassischen Nylon-Gennaker für Leichtwind, einen Rollgennaker auf Antitorsionskabel, ein Stagsegel sowie optional ein inneres Vorstag für eine Sturmfock. Selbst der Flaggenstock ist aus Carbon. Ein Detail, das Performance-Denken und Ausstattungsanspruch auf den Punkt bringt.

Das ganze Boot lässt sich als Push-Button-Boot bezeichnen. Das ist in bei dieser Bootsgröße zwar längst keine Seltenheit mehr, dennoch immer wieder beeindruckend. Es ist alles hydraulisch oder elektrisch betrieben, man muss wirklich nichts mit Körperkraft erledigen. An Bord ist während des Segelns keine Winschkurbel zu sehen. Auf Nachfrage sagt Pastorino, es gebe natürlich welche. „Sie liegen in einer Tasche." Das beschreibt die Bedienphilosophie an Bord präziser als jede technische Erläuterung. Ein Oberklasse-SUV mit Vollausstattung wäre der passende Vergleich: alles drin, was man sich denken kann, elektrisch/hydraulisch überall.

Auf einem Boot mit 400 Quadratmetern Segelfläche und 42,5 Tonnen Verdrängung ist das weniger Komfortspielerei als konsequentes Lastmanagement. Die großen Harken-1111er-Winschen laufen elektrisch, ein zentralisierter Hydraulikkreis versorgt Winschen, Mastsysteme, Teleskopkiel und Segeltrimm. Sogar das Niedergangsschott fährt elektrisch, außen und innen per Knopfdruck. Als der Tester daran zieht und ein leises Surren spürt, kommt innerhalb von Sekunden jemand von der Crew gelaufen, drückt einen Knopf, und das Schott hebt sich. So viel zum Push-Button-Boot. Kann man haben, muss man nicht. Konsequent ist es aber.

Fahreindruck: weich, direkt, beinahe magisch

Unter Segeln macht das Boot einen sehr ausgewogenen Eindruck, und es macht richtig Spaß, am Rad zu stehen. Viel Rückmeldung kommt über die Steuerung zwar nicht, aber das Boot liegt sehr leicht und sehr weich auf dem Ruder. Wenn man möchte, kann man konzentriert steuern, Radbewegungen werden unmittelbar und direkt umgesetzt. Durch die Doppelruderanlage wirkt die Steuerung ein bisschen indirekter, dafür aber sehr weich, sehr angenehm. Und das Erstaunliche: Trotz der Größe des Bootes stellt sich schnell dieses schwer beschreibbare, fast magische Gefühl ein. Wenn die Krängung sich auf etwa 20 Grad einpendelt, ohne weiter zuzunehmen, wenn das Boot seinen eigenen Kurs sucht zwischen zu hoch und zu weit abgefallen, wenn man nur noch ganz geringe Ruderbewegungen macht. Dann ist alles im Gleichgewicht, das Boot tritt in den Hintergrund, man möchte einfach nur noch weitersegeln, den Horizont erreichen.

Matteo Polli ist grundsätzlich kein Fan von Doppelrudern, auch in Bezug auf Hafenmanöver. „Ein einzelnes Blatt ist immer voll im Wasser, liegt im Propellerstrom bei Vorausfahrt und erlaubt damit präzisere Manöver, auch aus dem Stand", sagt er. „Auch bei Rückwärtsfahrt ist ein einzelnes Blatt besser kontrollierbar." Bei dieser Yacht hat er dennoch auf Doppelruder zurückgegriffen, weil das Boot einen hydraulisch anhebbaren Kiel hat. Ein einzelnes Blatt müsste bei dieser Bootsgröße so tief reichen, dass es bei eingefahrenem Kiel kollisionsgefährdet wäre. Denn es würde tiefer gehen als der eingeholte Kiel. Eine Alternative wäre ein flacheres, aber breiteres Einzelblatt gewesen. Dann jedoch kann sich der Ruderdruck deutlich erhöhen.

Polli hat die beiden Blätter relativ weit innen und vergleichsweise senkrecht installiert. Je weiter außen Doppelruder sitzen, desto eher stehen sie bei geringer Fahrt oder im Stand teilweise über dem Wasser, oft schon mit dem oberen, effektivsten Drittel des Blatts. Rückwärtsmanöver werden dann zum Problem. Bei der Grand Soleil 80 sitzen die Ruder so weit innen, dass sie länger im Wasser bleiben, und so senkrecht, dass sie weniger wie Tragflächen wirken, also nicht nach oben oder unten arbeiten, sondern nur seitlich. Das Ergebnis ist im Grunde eine Art Zwitter aus extremer Doppelruderanlage und Einzelruderanlage. Ein guter Kompromiss.

Der Teleskopkiel ist dabei nicht in erster Linie ein Performancebauteil aus Regattaüberlegungen. Pastorino ist in dieser Frage direkt: „Meine Kunden wollen möglichst nah an Buchten und Strände." Der Kiel lässt sich hydraulisch zwischen 2,90 und 4,40 Metern verstellen; der Standardtiefgang liegt bei 3,95 Metern. Zusätzlich gibt es eine Flachkielversion mit 2,40 Metern, bei dieser müssen jedoch sehr wahrscheinlich Abstriche bei der Regatta-Performance hingenommen werden. Übrigens: Bei der Version mit Hydraulikkiel wird laut Polli das geforderte aufrichtende Moment auch bei voll aufgeholtem Kiel erreicht. Das Boot soll auch in diesem Zustand sicher segelbar sein, nur segelt es dann wohl nicht mehr so gut. Ausprobieren konnten wir diese Konfiguration nicht.

22 Meter Wasserlinie: Komfort aus physikalischen Gründen

Komfort wird bei großen Yachten schnell gleichgesetzt mit viel Raumangebot, Technik und Luxus. Ein nicht zu unterschätzender Komfortgewinn bei so großen Booten ist aber auch die Wasserlinienlänge. Vor Porto Cervo ist das gut zu spüren: alte Welle, relativ wenig Wind. Und die 80er läuft einfach durch. Das Boot ist wegen seiner Länge im Prinzip immer in zwei Wellen gleichzeitig unterwegs, speziell in den küstennahen Gewässern vor Sardinien, in denen die mittlere Wellenlänge bei den genannten Windbedingungen zwischen 15 und 30 Metern liegt. Kein Stampfen. Das Boot hat nur Lage und fährt quasi wie auf Schienen. Wo kleinere Yachten in jeder Welle einzeln arbeiten, überspannt die 80er die Bewegung einfach. Segelkomfort aus physikalischen Gründen, ein Komfortgewinn auch hinsichtlich Seekrankheit.

Das extrem breite Boot bietet zusätzlich ein eigenes Erlebnis. Wer auf der Kante sitzt und nach unten schaut, befindet sich mehrere Meter über der Wasserlinie. Ein ganz neues Gefühl. Gischt erreicht diese Position kaum, man sitzt trocken und hoch, während das Boot segelt. Man kann sich problemlos von einer Seite auf die andere bewegen, die Wege sind großzügig und frei. Aber wer in einer Wende nicht schnell genug die Seite wechselt, erlebt eine Kletterpartie: Das cleane, großflächige Decklayout bietet wenige Haltemöglichkeiten. Freeclimbing auf Teakdeck.


Demnächst in Teil 2: Was die Grand Soleil Plus 80 LC unter Deck bietet, wie der Hybridantrieb im Charterbetrieb funktioniert und was eine Woche an Bord kostet.


Grand Soleil Plus 80 LC: Kerndaten (Auswahl)
Länge über alles26,20 m
Rumpflänge23,99 m
Wasserlinienlänge22,00 m
Breite6,60 m
Standardtiefgang3,95 m
Teleskopkiel „Bianca II"2,90 bis 4,40 m
Verdrängung leer42,5 t
Kraftstoff2.000 l
Frischwasser1.300 l
MotorYanmar 4LV250, 250 PS
Segelflächeca. 400 m²
Konzept/DesignCantiere del Pardo
Naval ArchitectureMatteo Polli
Exterieur, Interieur, LayoutNauta
HybridplattformTorqeedo, 2 × 40 kWh; Langfahrt: 2 × 45 kW Generator

Hydraulik statt Winschkurbel, Knopfdruck statt Handarbeit: Ist das für euch noch Segeln? Schreibt eure Meinung in die Kommentare.

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Lars Bolle

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Chefredakteur Digital

Lars Bolle ist Chefredakteur Digital und Gründer von YACHT-Online. Viele Jahre war der Diplom-Sportwissenschaftler als Redakteur der YACHT in den Bereichen Sport und Seemannschaft tätig und hat die größten Segelsport-Veranstaltungen der Welt begleitet, vom America's Cup bis zu Olympischen Spielen. Seine persönliche Segel-Vita reicht vom Leistungssport in der Jolle (Deutscher Meister 1992 im Finn Dinghi) über historische und moderne Jollenkreuzer bis hin zu europaweiten Charter-Törns.

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