Solo-WeltumseglerinLaura Dekker - Die jüngste der Geschichte

David Ingelfinger

 · 11.08.2026

Im Alter von 16 Jahren und 123 Tagen beendete Laura Dekker am 21. Januar 2012 ihre Weltumsegelung in Sint Maarten.
Foto: Jean-Michel Andre/AFP via Getty Images
Mit gerade einmal 16 Jahren wurde Laura Dekker 2012 zur jüngsten Einhand-Weltumseglerin aller Zeiten. Allein auf sich gestellt, trotzte sie Behörden, Kritikern und den Gefahren des offenen Meeres. Die Geschichte einer Jugendlichen, die sich gegen alle Widerstände behauptete und mit ihrem Vorhaben weit über die Welt des Segelsports hinaus für Kontroversen sorgte.

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Die Niederländerin Laura Dekker segelte als jüngster Mensch in der Geschichte allein um die Welt. Zwischen August 2010 und Januar 2012 umrundete die 16-Jährige den Globus in Etappen. Ihr Weg führte sie über das Training mit dem Opti bis zum Fahrtensegeln auf dem Atlantik. Für besondere Medienaufmerksamkeit sorgte schon vor dem Start ihr Alter, ein Gericht verzögerte diesen um fast ein Jahr. Offiziell anerkannt wurde ihr Rekord nie. In dieser Reihe porträtieren wir die außergewöhnlichsten Solo-Weltumsegler und -Seglerinnen der Geschichte.

Vom Opti auf den Athlantik

Dekker kam 1995 während einer siebenjährigen Segelreise ihrer Eltern im neuseeländischen Whangārei zur Welt. Die ersten Jahre ihres Lebens verbrachte sie an Bord. Für Dekker war das Boot also von Anfang an ein prägender Teil in ihrem Leben. Zu ihrem sechsten Geburtstag bekam sie ihren ersten Opti, den sie schon nach kurzer Zeit allein segelte.

Später kam eine „Hurley 700“ dazu. Mit ihr war Dekker 2007 sechs Wochen lang alleine mit ihrem Hund auf dem Wattenmeer unterwegs. Im Mai 2009 folgte der Sprung aufs offene Meer. Mit 13 Jahren segelte sie vom niederländischen Maurik über Maassluis nach Lowestoft in England, einhand über die Nordsee und quer durch die stark frequentierten Fahrtstraßen des Ärmelkanals.

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Dekker: Streit vor Gericht

Als der Plan einer Solo-Weltumsegelung im August 2009 öffentlich wurde, schaltete sich das niederländische Amt für Kinderschutz ein. Ein Gericht schränkte das Sorgerecht der Eltern zunächst ein, um die Eignung Dekkers durch einen Kinderpsychologen prüfen zu lassen. Ende Oktober 2009 entschied das Familiengericht Utrecht abschließend, dass sie frühestens im Sommer 2010 starten dürfe. Ein so langer Törn könne ihre Gesundheit und geistige Entwicklung gefährden, hieß es in der Begründung.

Erst Ende Juli 2010 beendete das Familiengericht Middelburg die Vormundschaft mit sofortiger Wirkung. Über den Fall wurde weit über die Seglerszene hinaus gestritten, auch die YACHT berichtete über den Streit um ihren geplanten Törn.

Eine Ketsch für den Einhandbetrieb

Für die Reise kaufte ihr Vater eine „Jeanneau Gin Fizz“. Der französische Zweimaster war als Ketsch getakelt und ca. 12 Meter lang. Den Namen „Guppy“ nahm Dekker von ihren früheren Booten mit. Die Takelung passte gut zum Einhand- und Fahrtensegeln, denn die Yacht war speziell für die Langfahrt optimiert. Mit einem Iridium-System übertrug sie ihre Position, mit der ihre Familie in den Niederlanden den Kurs verfolgen konnte.

2.960 Seemeilen in 18 Tagen

Nach monatelangen Auseinandersetzungen mit den niederländischen Behörden durfte Laura Dekker im Sommer 2010 schließlich aufbrechen. Gemeinsam mit ihrem Vater segelte sie zunächst von den Niederlanden nach Portimão, um ihre Yacht “Guppy” auf einer längeren Testfahrt zu erproben. Anschließend ging es weiter nach Gibraltar. Dort startete die damals 14-Jährige am 21. August 2010 allein zu ihrer Weltumsegelung.

Ihre Route führte sie zunächst auf die Kanarischen Inseln und nach Kap Verde. Im Dezember überquerte sie an Bord der “Guppy” den Atlantik bis nach Sint Maarten. Nach mehreren Zwischenstopps in der Karibik und der Passage des Panamakanals folgte die längste Etappe ihrer Reise: Von den Galápagosinseln segelte sie rund 2.960 Seemeilen bis nach Hiva Oa im Marquesas-Archipel – eine Passage, die sie in 18 Tagen bewältigte. Das entspricht durchschnittlich etwa 164 Seemeilen pro Tag beziehungsweise knapp sieben Knoten Fahrt über Grund.

Im weiteren Verlauf ihrer Reise durch den Pazifik und den Indischen Ozean musste Dekker viele Herausforderungen bewältigen. Für die rund 770 Seemeilen von den Marquesas nach Tahiti benötigte sie etwa eine Woche. Wechselnde Winde, Riffe, Schiffsverkehr und wenig Schlaf machten diese Etappe besonders fordernd. Anschließend segelte sie weiter nach Tonga – rund 1.400 Seemeilen in zwölf Tagen – und setzte ihre Reise über Fidschi und Vanuatu fort.

Am 25. August 2011 lief Dekker in Darwin ein. Dort traf sie ihren Vater; gemeinsam überholten sie die “Guppy”. In Darwin feierte Laura Dekker außerdem ihren 16. Geburtstag.

47 Tage nonstop über den Indischen Ozean

Die herausforderndste Etappe sollte erst danach auf sie zukommen. Nach dem Aufenthalt in Darwin nahm Dekker Kurs westwärts über den Indischen Ozean. Vor ihr lag die längste Passage ihrer Reise: Rund 5.540 Seemeilen führten sie 47 Tage lang nonstop bis nach Durban in Südafrika. Ihre Positionen veröffentlichte sie in dieser Etappe mit rund zwei Wochen Verzögerung, aus Sorge vor Piraterie im Indischen Ozean. Dekker berichtete von Bedingungen zwischen absoluter Flaute und hartem, häufig drehendem Wind, dazu grobe See.

Über Port Elizabeth ging es weiter nach Süden. Am 26. 11. 2011 passierte sie Kap Agulhas, den südlichsten Punkt Afrikas und von ihrer Reise. Einen Tag später rundete sie bei rauem Wetter das Kap der Guten Hoffnung und erreichte Kapstadt, wo auch die Flotte des Volvo Ocean Race lag.

Die Schlussetappe führte über 5.600 Seemeilen ohne Hafenstopp zurück von Kappstadt in die Karibik. Am 21. 01. 2012 lief Dekker gegen 15 Uhr Ortszeit in die Simpson Bay auf Sint Maarten ein, im Alter von 16 Jahren und 123 Tagen. In die Niederlande zurückkehren wollte sie aber nie.

Ein Rekord, den niemand anerkannte

Dekker ist damit die jüngste Person, die allein um die Welt gesegelt ist, vor der Australierin Jessica Watson. Watson hatte ihre Umsegelung im Mai 2010 nonstop und in 210 Tagen beendet, war zum Abschluss aber älter. Einen offiziellen Titel bekam Dekker nicht. Das World Sailing Speed Record Council hatte die “Jüngsten-Kategorie” infolge der Debatte um den sogenannten Jugendwahn gestrichen, auch das Guinness-Buch der Rekorde erkannte die Fahrt nicht als Rekord an.

Ihr Vater hatte bereits Mitte 2011 erklärt, es gehe seiner Tochter nicht in erster Linie um den Rekord. Die Tour selbst sei das Ziel. Bis heute segelt sie um die Welt und gibt ihre Erfahrungen als Leiterin der „Laura Dekker World Sailing Foundation“ an die nächste Generation von jungen Seglern weiter.


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Weit entfernt von den Küsten im Rhein-Main-Gebiet aufgewachsen, fand David Ingelfinger erst im Alter von elf Jahren auf den niederländischen Gewässern zum Segelsport. Was als Familienurlaub ohne großartige Vorkenntnisse begann, mündete in einer steilen Lernkurve, aus der die dauerhafte Leidenschaft fürs Segeln entsprang. Seine praktischen Erfahrungen festigte er über die Jahre mit dem Erwerb des SKS und zahlreichen Meilen als Skipper auf Charteryachten im Ijsselmeer, der Nordsee sowie im Mittelmeer. Nach seinem Studium der Publizistik schlägt er nun die Brücke zwischen dem journalistischen Handwerk und der Praxis auf dem Wasser und bringt seine Begeisterung für den Sport als Volontär in die Redaktion der YACHT ein.

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