Liebe Leserinnen und Leser,
frohes Neues! Wie lange sagt man das eigentlich? Fünf Tage in 2024, da sind die meisten guten Vorsätze schon fast wieder vergessen. Der Jahreswechsel lädt ja zur Rückschau ein und damit einher geht meistens ein Ausblick, was das neue Jahr bringen soll und wie sich das eigene Leben optimieren lässt. Für Segler sind diese Wünsche für die Zukunft oft auch mit Projekten am Boot verknüpft. Jetzt, da die Tage wieder länger und die Temperaturen irgendwann höher werden, starten auch die Vorbereitungen für die kommende Segelsaison. Drängende Aufgaben müssen sowieso bis zum Krantermin erledigt werden. Dann finden sich auf der Liste aber auch immer Dinge, die im Zweifel noch abgehakt werden können, wenn das Boot schwimmt, und eher nice to have sind. Dennoch, wenn sie vorher erledigt sind, kann das erste Wochenende im Wasser schon für einen kleinen Törn genutzt werden, statt die Winterlagerarbeiten bis auf den Wasserliegeplatz zu verlängern.
Mehr Zeit an Bord und auf dem Wasser steht bei mir auch immer ganz oben auf der Wunschliste für die neue Saison. Oft genug kommen im Sommer Einladungen zu runden Geburtstagen oder anderen Feierlichkeiten am Wochenende dazwischen, die man eigentlich gern wahrnimmt, wären sie nicht im Sommer und zudem auch noch bei bestem Segelwetter. Die Wochenenden und Urlaubstage gehen schneller vorbei als gedacht. Da will jeder Tag mit gutem Wetter ausgenutzt werden. Und sind die Vorbereitungen mit Reparatur, Wartung und Erneuerung gründlich gewesen, dann kann im besten Fall die Werkzeugkiste während der Saison in der Backskiste bleiben, und kein Reparaturstopp stört das Segelvergnügen.
Ich lehne mich bei diesen Zukunftswünschen etwas entspannt zurück, denn einen guten Vorsatz habe ich bereits im Herbst erfolgreich umgesetzt: Ich habe zum ersten Mal das Antifouling schon zu Beginn der Winterlagerzeit überarbeitet. Ich habe zwar etwas länger gebraucht als veranschlagt, zwei statt einen Tag. Das lag auch daran, dass ich die Arbeiten diesmal allein erledigt habe. Tina, meine Frau und Miteignerin, ist schwanger und sollte sich von giftigem Staub und Lösungsmitteldämpfen fernhalten.
Wir werden zum Start der neuen Saison Eltern und freuen uns riesig! Damit sind Vorsätze und Wünsche überflüssig, unser Leben wird sich verändern, auch ohne, dass wir uns das vornehmen müssen. Eine Entscheidung habe ich aber schon getroffen, ich werde im Sommer eine längere Elternzeit nehmen. Damit ist auch für mehr Zeit an Bord gesorgt. Vier Wochen Sommertörn am Stück waren in den vergangenen zehn Jahren das Maximum. Jetzt stehen plötzlich mehrere Monate zur Verfügung. So viel Zeit! Aber was tun mit der ganzen Freiheit? Weltumsegelung, Ostseerunde? Wir haben uns bewusst gegen eine feste Planung und seglerisch extrem ambitionierte Ziele entschieden. Mit Kind an Bord soll erst mal eine schöne Zeit auf dem Wasser im Vordergrund stehen. Egal ob schwedische Schären oder einfach nur vor Rügen ankern, Hauptsache auf dem Boot!
Als Redakteur im Bereich Test & Technik kommen mir natürlich einige Projekte in den Sinn, um das Leben mit Kind an Bord zu optimieren. Ein geschützter Platz unter der Sprayhood, der auch bei Lage gegen Absturz gesichert ist, ein Leesegel an der Salonbank, das die gleiche Funktion unter Deck erfüllen könnte. Letzteres wäre auch ohne Nachwuchs sehr nützlich. Dann ist natürlich zusätzlicher Stauraum nötig, etwa für einen Kinderwagen. Zudem habe ich mir sagen lassen, dass ein geruchsdichter Mülleimer vorteilhaft sein könnte. Unzählige weitere Lösungen für eventuell in dieser Saison auftretende Herausforderungen sind denkbar. Aber ohne vorher Erfahrung mit einem Baby an Bord zu haben, kann ich noch nicht genau einschätzen, was davon wir wirklich brauchen werden. Ein Kollege, der selbst viele Meilen mit Kindern an Bord gesegelt ist, hat mir empfohlen, einfach erst mal loszufahren.
Wir werden also ganz in Ruhe in die Segelsaison starten. Ohne festen Törnplan, mit viel Zeit, um vielleicht an Bord noch etwas zu optimieren. Aber bloß keinen Stress. Das Unterwasserschiff ist ja schon fertig.
YACHT-Redakteur
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