Am Anfang stand ein vermeintlich simpler Wunsch zweier Kinder: „Papa, wir brauchen eine Badeplattform!“ In diesem Fall heißt der Papa Sascha Hahnen, kommt aus Sulzberg in Österreich und besitzt eine Bavaria 26 am Bodensee. Seit ihrem Umbau ist die kleine Yacht im Württembergischen Yacht-Club in Friedrichshafen zur schwimmenden Attraktion geworden. Einen 7,60 Meter langen Kleinkreuzer mit ausgewachsener Badeplattform und abenteuerlichem Bugspriet sieht man nicht alle Tage.
Hahnen ist Tüftler, Bastler und Möglichmacher. Einer, der nicht lange fragt, ob etwas funktionieren kann, sondern der lieber gleich ausprobiert, wie es klappen könnte. Er scheint eine ausgeprägte Neigung zu pflegen, Segelyachten so lange zu optimieren, bis sie perfekt zu seinem anspruchsvollen Familien- und Seglerleben passen.
Und er ist Wiederholungstäter. Zusammen mit seiner tatkräftigen Familie hat Hahnen bereits eine Bavaria 50 namens „Abygail“ in Kroatien umfassend umgebaut: Schotten versetzt, Möbel neu eingepasst, Davits angebaut, Beschläge neu angeordnet, indirekte LED-Beleuchtung installiert und kilometerweise frische Kabel eingezogen.
Die „Bubu 3“ wurde danach zum nächsten großen Umbauprojekt. Eine Bavaria 26, Baujahr 1986, 7,60 Meter lang, 2,50 Meter breit. Ein Bodensee-Boot mit ehrlicher Herkunft, überschaubarer Größe und jener Kompaktheit, die Hahnen offenbar besonders reizt. Er mag das Knifflige, das scheinbar Unmögliche. Als seine Söhne Julius und Constantin 2019 den Wunsch nach einer Badeplattform äußern, wird für ihn daraus nicht nur eine familiäre Obliegenheit, sondern vielmehr eine hochwillkommene Herausforderung.
Ganz aus dem Nichts kam der Mut zum großen Schnitt dennoch nicht. Inspiriert wurde Sascha Hahnen auch durch eines der bekanntesten YACHT-Refitprojekte der vergangenen Jahre: die Dehlya 25, die die Redaktion 2016 in stark heruntergekommenem Zustand kaufte und über gut drei Jahre mit zahlreichen Branchenpartnern praktisch komplett neu aufgebaut hat. Bei Sascha Hahnen fiel das Projekt „Willy“ auf fruchtbaren Boden. „Wenn man aus einer alten Dehlya wieder ein modernes, durchdachtes Boot machen kann, warum nicht aus einer Bavaria 26 ein persönliches Bodensee-Konzept?“
So einfach, wie der Wunsch der Kinder klingen mochte, war die Sache aus konstruktiver Sicht dann aber nicht. Eine Badeplattform an einer 7,60 Meter langen Bavaria 26 ist kein Zubehörteil, das man sich mal eben ans Heck schraubt. Dafür ist der Rumpf zu kurz, das Heck zu schmal, der Hebel zu groß. Würde man dort einfach eine klassische Badeplattform anhängen, ginge der kleine Rumpf unter Belastung in die Knie. Hahnens Lösung ist deshalb keine angehängte Trittstufe, sondern im Wesentlichen ein schwimmendes Formteil. Eine Art zusätzliche Hecksektion, die den Rumpf um etwa einen halben Meter verlängert und zugleich als Badeplattform dient. Abgeklappt wird daraus eine großzügige Badebühne, hochgeholt schließt der Bürzel das Heck wieder sauber ab und es ist fast nichts mehr davon zu sehen. So wird aus der Bavaria 26 im Handumdrehen eine Bavaria 28.
Damit das Vorhaben funktionieren konnte, musste die Plattform natürlich möglichst leicht werden. Schließlich sollte sie nicht nur Auftrieb liefern, sondern sich auch leicht aufholen und abfieren lassen. Hahnen entschied sich deshalb für eine komplexe Konstruktion aus Kohlefaser, laminiert über einem Schaumkern. Das Bauteil trägt sich im Wasser selbst und entlastet damit das Heck. So können hinten auch zwei Personen auf dem Anhängsel stehen, ohne dass sich die Schwimmlage nennenswert verändert.
Und so ganz nebenbei bringt diese Lösung auch seglerisch Vorteile mit sich. Mit der neuen Heckpartie als einer Art Spoiler wächst die effektive Wasserlinie der „Bubu 3“ um rund einen halben Meter. Bei einem Boot dieser Größe ist das kein dekoratives Detail, sondern eine spürbare Veränderung der Proportionen. Mehr Länge im Wasser bedeutet potenziell mehr Ruhe, mehr Geradeauslauf und vielleicht auch etwas mehr Geschwindigkeitsspielraum. So gesehen ist aus dem Kinderwunsch nach einer Badeplattform nicht nur eine Komfortlösung geworden, sondern auch eine kleine hydrodynamische Optimierung des Serienrumpfs.
Nach dem Heck war der Bug dran. Anfänglich hatte Sascha Hahnen einen kleinen Bugspriet für den Gennaker angebaut. Das brachte zwar den gewünschten Vortrieb, aber nicht unbedingt jene Form von Kontrolle, die man sich als Steuermann wünscht. Unter Druck lief die kleine Bavaria nur allzu oft aus dem Ruder. „Dagegen musste ich natürlich etwas unternehmen“, sagt Hahnen.
Natürlich. Für ihn die Initialzündung für die nächste Konstruktion. Auch diese Lösung gab es nicht im Zubehörkatalog, sie entstand im Wesentlichen aus dem, was an Bord und in der Werkstatt verfügbar war: ein Spibaum, zusätzliche Befestigungen, Drahtverstagungen, Beschläge, Schäkel und reichlich Gehirnschmalz beim Nachdenken über Lasten, Winkel und Bedienbarkeit.
Und es ging auch um Hafengeometrie. Der Bugspriet ist nämlich genau so dimensioniert, dass die „Bubu 3“ gerade noch aus ihrem Liegeplatz im Yachthafen des Württembergischen Yacht-Clubs in Friedrichshafen kommt. Das bedeutet Millimeterarbeit für die Mannschaft beim Manöver. Für andere Häfen oder für den Transport ins Winterlager ließe sich die Konstruktion aber auch einziehen. Nicht auf Knopfdruck und nicht elegant per Leine aus dem Cockpit, sondern eher nach Hahnen-Art: ein paar Schäkel lösen, den Spibaum zurückstoßen, sichern. Etwas aufwendig zwar, aber machbar.
Geklappt hat es letztlich erst nach mehreren Anläufen. Sascha Hahnen hat nicht weniger als vier verschiedene Versionen des Bugspriets konstruiert und gebaut. Jede funktionierte wieder ein Stück besser, jede legte aber auch neue Kompromisse dar. Und jeder neue Versuch brachte ihn näher an das heran, was er eigentlich wollte. Auch die aktuelle Ausführung funktioniert technisch zwar gut, entspricht aber noch nicht ganz dem Ideal des Eigners. Eine Version fünf ist deshalb schon in Vorbereitung. Sascha Hahnen sieht immer ein Potenzial für Verbesserungen. Und neuen Herausforderungen blickt er mit spürbarer Vorfreude entgegen.
Eine dritte große Baustelle ergab sich unter Deck. Die Bavaria 26 besitzt im Salon eine Dinette. Der Tisch in der Mitte lässt sich absenken, die Sitzgruppe wird dadurch zu einer großen Liegefläche. Alles fein, wäre da nicht diese Maststütze. Die stand auch auf der „Bubu 3“ ziemlich genau dort, wo man sie beim Schlafen am wenigsten gebrauchen kann: mittendrin.
Sascha Hahnen wollte sie unbedingt loswerden. Also suchte er Rat bei Fachleuten. Die Kommentare fielen erwartbar unterschiedlich aus, von „schwierig“ bis „unmöglich“ war alles dabei. Am Ende blieb für Familie Hahnen nur eine Lösung: Das Laufdeck seitlich und der komplette Kajütaufbau mussten so verstärkt werden, dass die Strukturen die Lasten vom Mast auch ohne feste Stütze tragen. Die Decke musste also runter, zusätzliche Strukturen wurden einlaminiert, Schicht um Schicht Kohlefaser aufgetragen. Und nur um auf Nummer sicher zu gehen, baute der Eigner zusätzlich eine mobile Maststütze mit Hydraulikstößel ein, die man zum Segeln unter Druck setzen und zum Schlafen wieder entfernen kann. Nötig war die aber nie. Die Strukturen halten auch so.
Der Rundgang an Bord wird zur Entdeckungsreise. Hier ein selbst gebauter Beschlag, dort eine verstärkte Struktur. Fast überall findet sich ein Detail, das in seiner Art und Ausführung einzigartig ist und von hohem Einfallsreichtum zeugt. Viele Hundert Arbeitsstunden hat die Familie bisher in den Umbau gesteckt. Bereut hat sie es nie. „Es hat wirklich viel Spaß gemacht“, sagt der umtriebige Eigner.
Sascha Hahnen wird nicht müde werden, das Boot weiter zu optimieren. So gesehen ist die „Bubu 3“ kein abgeschlossenes Refitprojekt, sondern vielmehr ein lebendiges Zwischenergebnis. Fertig genug zum Segeln ist das Boot allemal, fertig gedacht wohl noch lange nicht.
Wie weit sollte man bei einem Refit gehen: nur verbessern oder das Boot komplett neu erfinden? Schreiben Sie Ihre Meinung in die Kommentare.

Redakteur Test & Technik
Diskutieren Sie mit – fair, sachlich und respektvoll. Es gilt unsere Netiquette.