KlimawandelArved Fuchs über die beschleunigten Klimaveränderungen

Jan Zier

 · 01.11.2022

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Berufsabenteurer und Klimaschützer Arved Fuchs segelte jüngst mit der „Dagmar Aaen“ von Island zurück nach Flensburg, verfolgt von einem Orkan. Es war die vierte Etappe seiner „Ocean Change“-Expedition. Dabei gewann er neue Erkenntnisse über den Klimawandel

YACHT: Herr Fuchs, Sie mussten Ihre diesjährige Reise aus gesundheitlichen Gründen für mehrere Wochen unterbrechen. Sind Sie wieder vollständig genesen?

Arved Fuchs: Ja! Sonst hätte ich diese Tour auch gar nicht machen können. Ich habe die „Dagmar Aaen“ jetzt selbst zurück nach Flensburg gesegelt, das war kein Problem. Krank werden kann schließlich jeder mal. Vor allem aber: Meine Motivation hat nicht gelitten!

Wie verlief Ihr Herbsttörn von Island nach Deutschland?

Problemlos. Wir sind rechtzeitig vor einem schweren Orkan losgefahren und zunächst zu den Färöern gesegelt, dann über die Shetlands weiter bis nach Stavanger. Dort wurden wir vier Tage eingeweht. Danach ging es zurück nach Flensburg.

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Die See vor Stavanger ging sechs Meter hoch, es stürmte mit 10 Beaufort. Wie war das?

Wir haben rechtzeitig den Hafen erreicht, waren also zu dem Zeitpunkt, als es richtig schlimm wurde, nicht mehr draußen. Die Crew hat alles super überstanden, auch wenn einige mit Seekrankheit zu kämpfen hatten. Die Bordgemeinschaft funktionierte super.

Welche Erkenntnisse haben Sie auf dieser Etappe Ihrer „Ocean Change“-Tour gewonnen?

Die Expedition startete ja im Sommer letzten Jahres in Kooperation mit dem Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel, der Uni Oldenburg und anderen wissenschaftlichen Instituten. Es ging darum, ozeanografische Daten zu erfassen. Die „Dagmar Aaen“ sieht zwar wie ein Traditionssegler aus, aber unter Deck ist sehr viel Hightech-Messtechnik verbaut. Eine der Erkenntnisse, die wir gewonnen haben: Die Temperatur des Ozeans lag um drei bis fünf Grad Celsius über dem, was zu erwarten gewesen wäre – bei einer Seewassertemperatur von fünf Grad. Die Wissenschaftler sprechen in diesem Zusammenhang von einer Heatwave, einer Hitzewelle. Das sind die Folgen des Klimawandels. Es hat enorme Auswirkungen auf Flora und Fauna.

Ändert sich das Klima also noch schneller, als selbst von der Wissenschaft ja schon länger prognostiziert?

Ich bin seit über 40 Jahren in der Arktis unterwegs. Mein subjektiver Eindruck ist: Ja, die Entwicklung schreitet schneller voran, als es die Modellrechnungen vorausgesagt haben. Ich stehe damit nicht allein, das deckt sich mit neuen Erkenntnissen norwegischer Wissenschaftler über die Schmelze des Grönländischen Inlandeises. Und: In Island gab es im Februar einen Jahrhundertorkan mit einer gemessenen Wellenhöhe von unglaublichen 40 Metern und über 70 Knoten Wind im Hafen von Reykjavík. Im September gab es schon wieder einen Jahrhundertorkan. Wie viele Jahrhundertstürme passen in ein Kalenderjahr? Nicht unbedingt die Frequenz, wohl aber die Intensität der Stürme nimmt zu. Denn im Meer ist mehr Wärme, also Energie, gespeichert. Wenn wir auf die Trockenheit und Waldbrände des letzten Sommers oder die Flutkatastrophe im Ahrtal gucken, dann ist es nicht so, dass das alles noch weit weg wäre. Das etabliert sich bei uns. Man kann das nicht mehr ignorieren.

Bekommt das Thema derzeit genug Aufmerksamkeit?

Nein, gerade rückt es leider in den Hintergrund. Wir dürfen den Klimawandel aber nicht aus den Augen verlieren, dem sind unsere sonstigen Nöte und Schwierigkeiten egal. Hätten wir schon vor 20 Jahren die Energiewende vollzogen, hätten wir heute nicht diese Kostenexplosion. Jetzt jedoch läuft uns die Zeit davon.

Was sind Ihre nächsten Pläne?

Das Schiff muss in die Werft, und wir holen jetzt erst mal tief Luft. Dann starten wir in die neue Planung. Das Projekt „Ocean Change“ geht auf jeden Fall weiter.


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