I.C.E. Camp 2022Jugendliche setzen sich für Schutz des Meeres ein

Jim Horeyseck

 · 20.07.2022

I.C.E. Camp 2022: Jugendliche setzen sich für Schutz des Meeres einFoto: in.media.vitae foundation

Zehn Tage lang haben junge Umweltschützer an Bord des Segelloggers "Ryvar" auf Mitinitiative von Arved Fuchs den Zustand der Ostsee erforscht

Nach zweijähriger pandemiebedingter Pause hieß es in diesem Jahr wieder "Leinen los!" für das Ice Climate Education Camp. Neun segel- und umweltinteressierte Teilnehmer im Alter von 14 bis 18 Jahren hatten sich in einem ursprünglich von Arved Fuchs organisierten Wettbewerb für den zehntägigen Törn auf der Ostsee qualifiziert. Mit dem 1916 gebauten Segellogger "Ryvar" ging es von Flensburg aus in die Dänische Südsee, rund um Fünen und weiter bis zur Insel Samsø.

Das teils von Wissenschaftlern des Thünen Institutes für Ostseefischerei begleitete Programm umfasste Untersuchungen, Experimente und Vorträge im Zusammenhang mit Veränderungen der Ostsee und deren zukünftiger Bedeutung. Ein Thema war die infolge der Klimaveränderung fortschreitende Erwärmung des Meerwassers und ihrer bereits jetzt spürbaren Auswirkungen. Die Teilnehmer setzten sich mit möglichen Gegenmaßnahmen auseinander, wie zum Beispiel einer klimaschonenden Energiegewinnung mittels regenerativer anstelle fossiler Brennstoffe oder auch der Nutzung von Windenergie.

  Projektarbeit in der Messe des alten SegelloggersFoto: in.media.vitae foundation
Projektarbeit in der Messe des alten Segelloggers

Exkursionen an Land ergänzten und vertieften die an Bord gewonnenen Erkenntnisse. Eine Führung auf der Insel Samsø verdeutlichte, wie eine Insel mit Hilfe von Windernergie energieautark werden kann und überschüssigen Strom weitergibt.

Im Gegensatz dazu das Bild, das der Strand von Ballen auf Samsø den Teilnehmern vermittelte: An dem zirka 100 Meter langen Uferabschnitt fand sich eine Vielzahl angeschwemmten Mülls von unzähligen Plastikflaschen bis hin zu Zigarettenfiltern. Proben wurden eingesammelt, kategorisiert und dokumentiert.

Zum Thema Meerwasserverschmutzung forschten die Jugendlichen mit Hilfe eines Manta-Trawls, einer Holzrahmenkonstruktion mit Netz. Wasserproben wurden entnommen und auf Fremdstoffe untersucht. Kein ganz einfaches Unterfangen, denn die schmale Konstruktion des Manta-Trawls liegt nur bei einer Geschwindigkeit von ca. 2,5 Knoten stabil und waagerecht auf der Wasseroberfläche. Die Geschwindigkeit des alten Segelloggers musste entsprechend angepasst werden. Für die Teilnehmer hieß das, viel Arbeit an den Segeln.

  Partikelproben werden an unterschiedlichen Stellen auf der Ostsee entnommenFoto: in.media.vitae foundation
Partikelproben werden an unterschiedlichen Stellen auf der Ostsee entnommen

Die herausgefilterten Partikel wurden an Bord mikroskopisch untersucht, ausgewertet und dokumentiert. Befunde mit Mikroplastik und anderen künstlichen Stoffen waren zum Leidwesen der Teilnehmer durchweg vorhanden, wenn auch je nach Ort in unterschiedlicher Konzentration. So wurden etwa im Einzugsbereich der Eckernförder Bucht vermehrt Fäden aus synthetischen Fasern gefunden, die wahrscheinlich von ausgedienten Fischernetzen und Tauwerk stammen. Ihre Ergebnisse übermittelten die Jugendlichen an die Organisatoren des Projektes "weniger ist meer", die sich um eine gesamtheitliche Betrachtung des Umweltverschmutzungsproblems bemühen.

  Die Auswertung der Partikelproben förderte überall Mikroplastik-Vorkommen zutageFoto: in.media.vitae foundation
Die Auswertung der Partikelproben förderte überall Mikroplastik-Vorkommen zutage

Auch das Segeln auf dem Traditionssegler "Ryvar" kam nicht zu kurz: Die Camp-Teilnehmer waren bei jedem Manöver gefordert, angeleitet von der zweiköpfigen Schiffscrew. Darüber hinaus erhielten die Jugendlichen eine Einführung in nautische Grundlagen wie die Navigation mit Karte und Kompass. Die Einfachheit der an Bord zur Verfügung stehenden Mittel im Gegensatz zur heutigen digitalen Welt verblüffte und begeisterte die Teilnehmer gleichermaßen. Das war auch Arved Fuchs wichtig, der sich live aus Island von Bord seines Haikutters „Dagmar Aaen“ zuschaltete, auf dem er seine nächste Etappe der seit 2015 laufenden Expeditionsreihe "Oceanchange" vorbereitete.

Fuchs berichtete unter anderem von der Idee und Entstehung des I.C.E. Camps bis hin zu seiner jetzigen Expeditionsreihe. Eine offene Frage- und Diskussionsrunde rund um die Themen Umweltschutz, Expeditionen und Segeln schloss die Konferenz ab.

  Die Teilnehmer des segelnden JugendcampsFoto: in.media.vitae foundation
Die Teilnehmer des segelnden Jugendcamps

Nach der Rückkehr werden die Jugendlichen an ihren jeweiligen Heimatschulen über ihre Erfahrungen und Erkenntnisse berichten und nicht zuletzt auch ihre gewonnene Begeisterung fürs Segeln an die Mitschüler weitergeben.

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