Die Bundeswehr in Kiel möchte wieder wachsen und verhandelt derzeit mit der Stadt Kiel über die Übernahme des ehemaligen MFG-5-Geländes. Davon betroffen ist auch das Gebiet des Plüschowhafens nördlich der Holtenauer Schleuse. Statt ankernder Segler, Vereine, Werftbetrieb und Sporthäfen sollen dort künftig Landungs- und Kampfboote stationiert werden.
Für die Betroffenen ist das ein harter Schlag. Den aktuellen Plänen zufolge sollen sie weichen. Das betrifft auch das Ehepaar Sothmann. Sie betreiben zusammen die Yacht-Werft Kiel an der Nordspitze des Plüschowhafens sowie die Bay Kiel, einen Ort für gemeinwohl- und und freizeitorientierte Aktivitäten und Veranstaltungen auf dem Gelände des ehemaligen British Yacht Club.
Bisher handelt es sich um eine Absichtserklärung, aber man kann befürchten, dass es genauso kommen wird, wie es darin steht. Andererseits ist es auch nur eine Absichtserklärung. Betroffene Bürger und Eigentümer wie wir sind jetzt zum Gespräch aufgefordert. Das heißt: Die Stadt hat den ersten Schritt gemacht, und nun sind die anderen Betroffenen aufgerufen, sich zu beteiligen.
Von daher werfen wir die Flinte noch nicht ins Korn.
Und zwar aus guten Gründen: Wir sind der Meinung, dass die Bundeswehr auf jeden Fall aufgebaut und gestärkt werden muss. Wir sind im Frieden aufgewachsen, und das hing sicherlich auch damit zusammen, dass die Bundeswehr stark war.
Wichtig ist nur, dass man die Zivilgesellschaft dabei mitnimmt. Und nicht nur das. Es sollte auch geschaut werden, was man an vorhandenen Strukturen zunichte macht und wie das im Verhältnis zum Flächenbedarf steht. Wird dieser kleine Zipfel in Friedrichsort am Ende des Plüschowhafens wirklich gebraucht? Auch Soldaten haben Freizeit und brauchen ein Angebot, das sie bei uns bekommen können.
Die Yacht-Werft Kiel betreiben wir im 27. Jahr. Mein Mann hat sie 1999 gegründet. Hinzu sind der Hafen und die Slipanlage gekommen. Damit wird das Geld verdient, mit dem wir unter anderem die Bay gGmbH, die extra für den Ort gegründete gemeinnützige Gesellschaft, mitfinanzieren. Diese wiederum nutzt das Geld, um die Gebäude – soweit nötig – instand zu halten, zum Beispiel um Brandschutzeinrichtungen nachzurüsten. Andererseits wird es für gemeinnützige Zwecke verwendet.
Da ist zum Beispiel das Kindersegeln in Form kostenloser Segel-AGs für Schulkinder nördlich des Kanals. Wir haben bereits sieben Optimisten, die noch aufgearbeitet werden, und einen Trainer. Wir haben Segel-AGs bereits jahrelang an unserem alten Standort an der Schwentine durchgeführt. Nun freuen wir uns, dass wir das hier wieder machen können.
Außerdem machen wir bei der Kieler Zukunftswoche Anfang Mai mit und bieten Workshops für Schulen zum Thema Meeresschutz an - unter der Überschrift “Bildung für nachhaltige Entwicklung”. Zudem weht bei uns die Blaue Flagge, eine Umweltauszeichnung für besonders nachhaltiges Hafenmanagement.
Zu dem Gelände gehört auch eine denkmalgeschützte Holzhalle, die in den Sommermonaten für kulturelle und andere Veranstaltungen zur Verfügung steht. Sie wird zum Beispiel vom Theater, den Musikfreunden Kiel oder anderen Veranstaltern gemietet. So waren die Verantwortlichen der Kieler Oper schon vor Ort und haben die Akustik erprobt.
Das Vergabeverfahren für das Gelände des ehemaligen Britisch Yachtclub hat im Sommer 2021 begonnen, und wir konnten die Verträge im Sommer 2025 unterschreiben. Das hat sehr lange gedauert, länger als jeder wollte und dachte. Seitdem sind wir dabei. Den Hafen haben wir bereits im letzten Sommer betrieben. Nach und nach haben wir dann die Genehmigungen für die vorhandenen Gebäude bekommen.
Erstmal machen wir weiter. Die Verträge zwischen der Bundeswehr und der Stadt sollen erst Ende des Jahres oder im ersten Quartal 2027 unterschrieben werden. Es gibt noch viele offene Punkte.
Allerdings werden auch wir recht bald in Gespräche mit Stadt und Bundeswehr einsteigen und über die Zukunft der Bay sprechen. Wir haben hier schließlich einen 30-jährigen Erbbaurechtsvertrag. Die Taucher, die auch auf dem Gelände sind, haben wiederum einen 30-jährigen Mietvertrag. Diese Verträge werden zunächst vom Bund übernommen. Aber es hat hier überhaupt keinen Zweck, auf Zeit zu spielen. Wir alle müssen uns um unsere Zukunft kümmern.
Das heißt für uns: Wir werden hier vor Ort erstmal ähnlich wie geplant weitermachen. Wir haben auch weiter die Hoffnung, bleiben zu können. Aber wir müssen damit rechnen, dass das nicht funktioniert und wir uns auf einen neuen Ort einstellen müssen. Dort muss das Konzept allerdings auch funktionieren und das heißt, wir müssen weiterhin mit Werft, Hafen und Slipanlage Geld verdienen können, um die Grundfinanzierung der gemeinnützigen GmbH sicherstellen zu können. Darüber werden wir mit Stadt und Bund sprechen und sicher eine gute Lösung finden.

Redakteur News & Panorama