Die Stadt Kiel und der Bund verhandeln derzeit über das ehemalige Gelände des Marinefliegergeschwaders 5 (MFG-5) nördlich der Holtenauer Schleuse. Eine Absichtserklärung legt erste Eckpunkte fest - ein endgültiger Deal steht allerdings noch aus. Die bisherigen Einigungen zeigen jedoch, wohin die Reise gehen soll – und für betroffene Segler stehen die Zeichen denkbar schlecht.
Teil der Verhandlung ist nämlich der Plüschowhafen, ein geschütztes Becken am Westufer der Kieler Förde und westlich der Stickenhörnmole. Das Gebiet soll komplett an die Bundeswehr übergehen. Dort, wo heute Segelyachten ankern und die Schwentineflotte ein Zuhause gefunden hat, sollen künftig Landungs- und Kampfboote der Marine liegen, berichten die Kieler Nachrichten.
Für die Mitglieder der Schwentineflotte ist diese Entwicklung hart. Sie pachten ihren Anleger derzeit von der Stadt Kiel, der Vertrag läuft noch bis Ende 2033. Bald könnte die Bundeswehr als Vertragspartner einspringen – und die will keine zivile Nutzung des Plüschowbeckens, sagt Vera Fichtner, Vereinsvorsitzende der Schwentineflotte.
Wenn wir hier weg müssen, müssen wir vorausschauend mit allen Akteuren sprechen. Denn dieser Verein braucht einen Hafen.”
Doch wohin es gehen könnte, ist noch offen. Bisher hofften sie, bleiben zu können. Es wäre auch nicht das erste Mal in militärischer Nachbarschaft. Früher befand sich an der Nordseite der Bucht der British Yacht-Club, gegenüber das MFG-5-Gelände. Zwar durften sie dort nicht anlegen, erzählt Fichtner, aber es habe ein freies Toleranzwegerecht gegeben. “Eine Koexistenz, die gut funktioniert hat.”
Bitter ist zudem: Nach eigenen Angaben investierte der Verein zuletzt massiv in die Steganlage. Rund 280.000 Euro steckten die Mitglieder in neue Pfähle. “Wir sind gerade an einem Punkt angekommen, dass Ruhe eingekehrt ist”, sagt Enno Doobe. Er ist seit über 20 Jahren dabei und hat die bewegte Geschichte der Schwentineflotte miterlebt.
Früher waren wir praktisch pleite, heute sind wir ein gesunder Betrieb, der investiert.”
Dass sie nun gehen sollen, sei Wahnsinn. “Hier leben mehr als 25 Leute. Ein Wohnort wie überall, Anlaufpunkt für die weltweite Seefahrt. Und jetzt sagt die Bundeswehr, hier wird alles weggewischt. Eine verrückte Welt, und wir werden Opfer.” Es sei schade um all die Träume, die hier - auf und um das ehemalige MFG-5 Gelände - entstanden seien. Doch nun müsse man konstruktiv damit umgehen, so Doobe.
Neben der Schwentineflotte sind voraussichtlich auch der Kieler Yacht-Service, der Deutsche Unterwasserclub Kiel, die Firma Unterwasserkrause, die Segelgemeinschaft der Marineflieger Kiel und die Kieler Meeresfarm betroffen. Zudem verlieren Segler der Region einen beliebten Ankerplatz.
Laut Kieler Nachrichten gibt es derzeit keine Ausweichmöglichkeiten für betroffene Vereine und Unternehmen. Über das Jahr 2027 hinaus laufende Verträge sollen an den Bund übergehen, weitere Gespräche dann bilateral fortgeführt werden.
Immerhin: Der Yachthafen Stickenhörn, der östlich des Plüschowhafens liegt und durch einen Damm, die Stickenhörnmole, davon getrennt ist, bleibt im Besitz der Stadt und damit für Segler weiter zugänglich.
Auch südlich der Holtenauer Schleuse sehen die Planungen vor, dass der Marinestützpunkt in Kiel-Wik, früher Tirpitzhafen genannt, erweitert werden soll. So sollen der bisher öffentlich zugängliche Aussichtspunkt und das unmittelbar an der Schleuse gelegene Café und Wohnmobilstellplatz – ein Hotspot für Schiffsspotter – wegfallen.
Die Stadt erhält im Gegenzug Ausgleichsflächen an anderen Orten. Für Segler ändert sich südlich der Schleuse vorerst nichts. Der Sporthafen Wik südlich der Gorch-Fock-Mole soll weiter bestehen bleiben.
Auslöser für die Erweiterung ist nach Angaben der Bundeswehr die veränderte Bedrohungslage. Die Standorte Holtenau und Wik gelten aufgrund ihrer Lage als besonders geeignet für diese Pläne.

Redakteur News & Panorama