Baby an BordDie Krippenboote von Bernd Tilgner

Nils Leiterholt

 · 24.12.2023

Baby an Bord: Die Krippenboote von Bernd TilgnerFoto: Bernd Tilgner
Die biblische Szene ist frei interpretiert, hätte sich nach Bernd Tilgners Auffassung aber genau so abspielen können: die Heilige Familie unter Segeln auf dem Seeweg nach Ägypten
Bernd Tilgner hat ab 1966 eine Lehre zum Schiffsmodell­bauer absolviert. Auch nach Eintritt in den Ruhestand fertigt der 70-jährige Rentner weiterhin Modellboote. Neu für sich entdeckt hat er das Thema Jesu Geburt und anschließende Flucht über See

War Jesus ein Segler?

Das könnte durchaus sein! Denn obwohl ein Krippenboot in der Bibel nicht erwähnt wird, glaube ich, dass Josef, Maria und Jesus bei der Flucht von Judäa nach Ägypten mit einem Boot unterwegs waren. Den Landweg durch die Wüste mit einem Neugeborenen schließe ich aus. Da Josef bekanntermaßen handwerklich geschickt war, glaube ich, dass sie eher mit dem Boot gefahren sind. Das bedeutet, dass Jesus schon als Säugling gesegelt ist.

Wie kamen Sie dazu, diese Vorstellung durch den Bau von Krippenbooten auszudrücken?

Nach einer Ausstellung meiner aus Treibholz gebauten Modellboote vor ein paar Jahren wurde ich von den beiden Organisatorinnen der jährlichen Krippenausstellung im Ort Doberlug-Kirchhain um ein Krippenboot gebeten. Da wusste ich noch überhaupt nicht, was das ist. Sie gaben mir den Text von dem bekannten Adventslied „Es kommt ein Schiff geladen“ und haben es mir erklärt. Ich habe dann ein Krippenboot aus einem dänischen Treibholz gebaut. Das hat den Leuten auch hier, weit weg von der Küste, gefallen. Deshalb habe ich damit weitergemacht, Krippenboote zu bauen.

Aus welchem Material bauen Sie die Boote?

Ich verwende Naturmaterialien, unterschiedlichste Arten Papier, Metall und Plastik. Ein Krippenboot habe ich sogar aus Bronze gießen lassen. Eben aus allem, was mir einfällt und ich bearbeiten kann.

Ist auch ein segelndes Krippenschiff geplant, oder ist das eine Ihr Hobby und das andere Ihre Kunst?

Ich habe tatsächlich große Modellsegelboote von zwei bis drei Metern aufwärts, die ich segele. In der Waschschüssel schwamm auch schon mal ein Krippenboot, aber draußen würden die ohne Kiel sofort umkippen. Sie sind eher Dekoration.

Und Sie sind aktuell auf Ausstellungstour ...

Ja! Ich habe schon mehr als 35 Krippenboote in unterschiedlichen Größen und aus den verschiedensten Materialien gebaut. Mit 20 davon war ich Ende November eine Woche in Stralsund, dann eine knappe Woche in der Seefahrerkirche von Prerow, und zum Abschluss war ich am dritten Adventswochenende in der Ludgeruskirche auf Norderney. Ich war dort die ganze Zeit vor Ort für Gespräche mit den Besuchern und um Fragen zu beantworten.

Wie läuft der Bau eines Krippenbootes ab?

Im Wesentlichen geht es los mit einer Idee zum Werkstoff. Dieses Jahr hatte ich zum Beispiel die Idee, ein Krippenboot aus Bernstein zu bauen. Also war ich in der Bernstein-Manufaktur in Ribnitz, da habe ich mir das Material angeguckt und ein Kilo Steine in Linsengröße erworben. Die habe ich dann auf Glasgewebe in Epoxidharz gedrückt, so entstand das Bernsteinkrippenboot.

Sie haben auch eins getöpfert ...

Das war im vergangenen Jahr, da hatte ich auf Rügen bei einer Töpferin zum „Kunst :Offen“-Wochenende ausgestellt. Dabei entstand die Idee, ein Boot zu töpfern. Ich habe also aus dem feuchten Ton die Teile ausgeschnitten, wir haben es zusammengesetzt, und die Töpferin hat dann glasiert und gebrannt. So entstand mein Krippenboot, vollständig mit Figuren aus Ton.

Tilgner mit seinem Bernstein-BootFoto: Bernd TilgnerTilgner mit seinem Bernstein-Boot

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