Offshore-WindenergieDänemark will weiter aufrüsten

Max Gasser

 · 26.10.2022

Offshore-Windenergie: Dänemark will weiter aufrüstenFoto: Matthias Ibeler/Ørsted
Auch Deutschland arbeitet daran, Offshore-Windenergie auszubauen, hier der Windpark Borkum Riffgrund 2 in der Nordsee

Dänemark möchte im Bereich der Offshore-Windenergie weiter aufrüsten. Zwei Branchenriesen wollen sich zusammenschließen und streben die Verdopplung der derzeitigen Kapazität an. Noch ist die Umsetzung ungewiss, doch welche Konsequenzen wird der Ausbau für Segler haben?

Ørsted, der Weltmarktführer im Bereich der Offshore-Windenergie, und Copenhagen Infrastructure Partners (CIP) sind eine Partnerschaft eingegangen, um im Rahmen von vier Projekten rund 5,2 Gigawatt Offshore-Windleistung in Dänemark zu entwickeln. Mit den Offshore-Windkraftausschreibungen der Regierung könnte Dänemark sein Ziel für 2030, die Emissionen um 70 % zu senken, bereits erreichen. Dies soll zu einer größeren Energieunabhängigkeit und einer stärkeren CO₂-Reduzierung führen.

Geplant sind die Projekte Vikinge Banke (1,1 GW) und Jyske Banke Nord (1,1 GW) in der Nordsee sowie Bornholm Bassin Syd (1,5 GW) und Bornholm Bassin Øst (1,5 GW) in der Ostsee. Zusammengenommen würden diese mehr als eine Verdoppelung der derzeitigen dänischen Offshore-Windkapazitäten darstellen. Die Offshore-Windparks werden ohne jegliche Kosten für den dänischen Steuerzahler errichtet und tragen gleichzeitig erheblich zum Wachstum und zur Schaffung von Arbeitsplätzen im eigenen Land bei.

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Die geplanten Projekte auf der KarteFoto: Ørsted/CIP
Die geplanten Projekte auf der Karte

Gefahr für Segler?

In Dänemark dürfen Windparks grundsätzlich durchfahren werden. Lediglich in älteren Parks, in denen die Abstände zwischen den Windrädern enger sind als in neueren Parks, gilt explizit ein Ankerverbot. In neueren Parks ist das Ankern nur in eigens ausgewiesenen Sperrzonen zum Schutz dort verlaufender Seekabel verboten.

Generell gilt: vor Törnbeginn aktuelle Informationen einholen, die von den maritimen Behörden der jeweiligen Länder verbreitet werden. In Deutschland sind das die „Nachrichten für Seefahrer“ des BSH. Unterwegs den Revierfunk abhören. Und: Die Befahrensregeln gelten nur für bereits in Betrieb befindliche Anlagen. Dort, wo neue Parks gebaut werden, sind stets Sperrzonen eingerichtet, die umfahren werden müssen.

Nicht nur angesichts drohender Energieengpässe setzen viele europäische Länder auf den massiven Ausbau von Offshore-Windparks. Auch Deutschland möchte seine Kapazitäten seit geraumer Zeit ausweiten. Zu beachten sind hier vor allem die deutlich strengeren Regeln zur Befahrung. Worauf sich Nord- und Ostseesegler in gar nicht allzu ferner Zukunft einstellen müssen und wo mögliche Gefahren liegen, lest ihr hier:


Dänemark will Vorreiter im Offshore-Windenergie-Segment werden

Zwar sind in Dänemark, ähnlich wie in Deutschland, aktuell noch nicht annähernd so viele Anlagen in Betrieb, wie es in Großbritannien und den Niederlanden der Fall ist. Die Pläne sehen dafür allerdings umso mehr Kapazität für die Zukunft vor. Rasmus Errboe vom Offshore-Windenergieunternehmen Ørsted ist schon jetzt überzeugt: „Dänemark ist ein Pionier in der Offshore-Windindustrie und steht an der Spitze des grünen Wandels.“

Die Partnerschaft der beiden umweltengagierten Unternehmen steht unter dem Vorbehalt der behördlichen Genehmigung, die bis Ende 2022 erwartet wird. Sie umfasst die Entwicklung, den Bau und den Betrieb der Offshore-Windparks sowie die damit verbundenen Übertragungsanlagen. Bei Copenhagen Infrastructure Partners (CIP) handelt es sich um einen der weltweit größten spezialisierten Fondsmanager für nachhaltige Investitionen zur Entwicklung von Infrastrukturen im Bereich der erneuerbaren Energien.

„Es ist offensichtlich eine gute Idee, dass die erfahrensten dänischen Offshore-Windkraftentwickler ihre Kräfte bündeln, um sicherzustellen, dass die größte Offshore-Windkraftentwicklung in der dänischen Geschichte so effizient wie möglich und mit gebührendem Respekt für die Umwelt und die Artenvielfalt in den dänischen Gewässern durchgeführt wird“, so Torsten Lodberg Smed von CIP über die Zusammenarbeit.

Umsetzung noch ungewiss

Es wurden sechs Anträge auf Machbarkeitsstudien für die Errichtung von insgesamt zwölf neuen Offshore-Windparks in dänischen Gewässern gestellt. Da es sich lediglich um Anträge für Machbarkeitsstudien handelt, ist es keineswegs sicher, dass die beiden neuen Offshore-Windparks Wirklichkeit werden.

Die dänische Energieagentur schreibt dazu: „Dies bedeutet nicht, dass die Genehmigung für die Errichtung von Offshore-Windkraftanlagen an dem betreffenden Standort erteilt wird, sondern nur, dass die für das Projekt erforderlichen Studien durchgeführt werden können.“

Ob es tatsächlich zur Umsetzung der ambitionierten Pläne kommt, hängt von einer Reihe von Faktoren ab. Unter anderem werden mögliche Auswirkungen auf Umwelt, Natur, Sicherheit, Schifffahrt und Fischerei sowie Überlegungen zu anderen dänischen Plänen für Offshore-Windparks untersucht.


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