Rodolfi holte damit zum zweiten Mal die Line Honours bei einer ARC. Das erste Mal gelang ihm dies 2010, also vor immerhin schon 13 Jahren! Und das ist nicht die einzige Besonderheit.
Zwar segelt die “Berenice Cube” unter britischer Flagge, sie ist aber in italienischem Besitz. Und da vor wenigen Tagen bereits die ebenfalls italienische “Nessun Dorma” unter Skipper Andrea Neri die Line Honours bei der Schwesterveranstaltung, der ARC plus, geholt hatte, gelang den Italienern in diesem Jahr sozusagen das ARC-Doppel! Das hat es zuvor noch nicht gegeben.
Und es gibt in diesem Jahr eine weitere Parallele zwischen der ARC plus und der ARC: Auf beiden Routen hatte am Ende jeweils eine Einrumpfyacht den Bug vorn, obwohl bei beiden Rallyes Performance-Katamarane am Start waren, die als stärker eingeschätzt werden mussten. Doch wie schon bei der ARC plus blieb nun auch bei der ARC dem schnellsten Zweirumpfer unter allen Teilnehmern nur Platz zwei nach gesegelter Zeit.
Sieben Stunden, nachdem “Berenice Cube” im Zielhafen, der IGY Rodney Bay Marina, festgemacht war, holte sich Regis Guillemot mit seiner Marsaudon ORC50 “Ti ana” (FRA) zumindest den Sieg in der Multihull-Division.
Wie er es geschafft hat, die auf dem Papier schnelleren Kats abzuhängen, verriet Marco Rodolfi kurz nach dem Zieldurchgang wie folgt:
Wir hatten uns für einen weiter südlichen Kurs entschieden. Auf diese Weise konnten wir den Code Zero voll ausnutzen, der uns ordentlich Speed beschert hat. Und nicht zu vergessen: Meine Crew ist einfach sehr, sehr, sehr gut!”
Am Ende waren es aber wohl vor allem der kürzere Kurs und das Windglück, die im Zusammenspiel Rodolfi die Line Honours beschert haben. Guillemot fuhr offenbar vor dem Wind kreuzend deutlich längere Schläge und hatte am Ende 3.313 Seemeilen auf der Logge – und damit über 260 Seemeilen mehr als die Italiener.
Fast schon kurios: Auch bei der ARC plus war als “nur” zweites Schiff mit Christopher Murrays “Mongoose” (USA) einer der neuen ORC50-Kats von Marsaudon ins Ziel gekommen.
Aus deutscher Sicht erfreulich ist, dass nach der britischen Southern Wind 100 “L’Ondine” als Vierter Gorm Gondesen Saint Lucia erreicht hat. Er war mit seiner brandneuen “Nica” bei der ARC dabei.
Die “Nica”, gezeichnet von Roger Hill Yacht Design aus Neuseeland, ist ein knapp 20 Meter langer Vollcarbon-Performance-Katamaran. Er wurde erst im April bei der Knierim-Werft fertiggestellt und hatte im Sommer zunächst einige Regatten in England absolviert, unter anderem das Fastnet Race.
Für Gorm Gondesen und seine Frau Maren geht die Reise in Kürze bereits weiter: Das Paar wird ab Januar erneut an der World ARC teilnehmen, die von der Karibik aus westwärts einmal um die ganze Welt führt.
Bei der jetzigen ARC war Maren Gondesen hingegen nicht dabei. Für sie ist Tochter Lisa eingesprungen. Komplettiert worden war die Atlantik-Crew zudem von einem alten Segelfreund der Gondesens sowie von Steffen Müller. Müller ist neben Gunnar Knierim einer der beiden Geschäftsführer der auf schnelle Yachten spezialisierten Kieler Werft.
Kurz vor dem Start zur ARC hatten wir in Las Palmas Gelegenheit, mit Gorm Gondesen über sein neues Boot und die bevorstehende Weltumsegelung zu sprechen:
Gorm Gondesen: Die Veranstaltungen des World Cruising Club, also die ARC und die World ARC, sind einfach super Gelegenheiten, nette Leute kennenzulernen. Außerdem ist man dann beim Segeln ein bisschen gefordert. Auch wenn es offiziell eine Rallye und keine Regatta ist und wir selbst ja in der sogenannten Cruising Division segeln, schaut man man doch immer, was die anderen so machen und wie gut man selber gerade unterwegs ist.
Gorm: Ja, das kann man wohl so sagen. Das ist aber noch nicht alles.
Die ARC zwingt dich, auf den Punkt hin fertig zu werden mit aller Vorbereitung”
Gorm: Wenn du die ARC mitsegeln willst, bist du gezwungen, auf einen Tag hin, auf den Punkt fertig zu sein mit aller Vorbereitung. Es gibt einen Termin, an dem du an der Startlinie sein musst. Das diszipliniert einen sehr. Es zwingt dich, Crew und Schiff zügig vorzubereiten, keine Zeit zu verschwenden. Langfahrtsegler sind ja oft Meister darin, Ausreden zu finden, die Leinen doch noch nicht loszuwerfen, weil zunächst noch vermeintlich Wichtiges zu erledigen ist.
Gorm: Das stimmt, das ist aber nicht einer Trödelei oder Aufschieberei geschuldet gewesen. Die “Nica” war infolge der Pandemie-Nachwehen und allem, was damit an Lieferengpässen zusammenhing, erst im April fertig geworden. Wir wollten aber nicht mit einem quasi ungetesteten Boot auf Weltumsegelung gehen. Also haben wir uns mit überwiegend Leuten aus der Werft eine Crew zusammengestellt, mit der wir in England eine Regattasaison absolviert haben. Das gab uns Gelegenheit, uns mit dem Boot vertraut zu machen und auszuprobieren, wie gut es segelt, wie viel es wegstecken kann.
Gorm: Mitte September sind wir von Lymington aus nonstop nach Gran Canaria gesegelt. In acht Tagen mit sechs Mann an Bord.
Gorm: Nein, zum Glück nicht. Wir sind allerdings auch nicht nah an der Küste Portugals entlanggesegelt. Aber nicht, weil wir Angst vor den Walen gehabt hätten. Vielmehr hat uns ein Tief weit hinaus auf den Atlantik gezwungen, auf dessen Rückseite wir dann mit raumen Wind südwärts segeln konnten.“
Die World ARC ist unfinished business für uns. Deshalb machen wir jetzt wieder mit”
Gorm: Man könnte sagen, das ist unfinished business. Die World ARC mussten wir ja damals infolge der weltweiten Covid-Pandemie in Neuseeland abbrechen. Diesmal wollen wir da zwar auch wieder hin und eine Saison dort verbringen. Danach wollen wir aber mit der dann folgenden World ARC die Weltumsegelung zu Ende bringen.
Gorm: Nun, wir wollen dem Designer ja zeigen, was für ein tolles Boot er uns gezeichnet hat (lacht). Vor allem aber möchte ich einmal Neuseeland unter Segeln erkunden. Um die Südinsel rum, das muss ein Traum sein. Wann hat man da schon mal die Chance dazu! Und der World Cruising Club ermöglicht ja gerade solche längeren Zwischenstopps während der World ARC. Man kann einfach mal zwischendurch aussteigen und bei der nächsten Rallye im Jahr darauf wieder einsteigen.
Bei der World ARC ist man den ganzen Orga-Kram los. Das erspart jede Menge Zeit, Rennerei und Ärger”
Gorm: Nein, bei der World ARC steht dieser Gedanke eher im Hintergrund. Wichtiger ist hier: Man ist den ganzen Orga-Kram los. Du musst dich nicht groß um Visa kümmern, nicht um Plätze in den Marinas, nicht um Agenten für die Panamakanal-Passage, nicht um Genehmigungen, um beispielsweise die Galapagosinseln anlaufen zu dürfen. Das spart enorm viel Zeit und vermutlich auch Ärger mit irgendwelchen Zoll- und Hafenbehörden.
Gorm: Ja, und dieser Umstand ist bei der World ARC noch von viel größerer Bedeutung als bei der ARC!
Gorm: Du musst nicht an jedem neuen Ziel, das du erreichst, jedes Mal deine Lebensgeschichte von vorn bis hinten neu erzählen. Du kennst die anderen ja schon, die da bereits vor Anker oder am Steg liegen. Oder die, die nach dir ankommen. Bei einer normalen Weltumsegelung kennst du hingegen niemanden, wenn du irgendwo ankommst. Das heißt dann, du fährst mit dem Dingi zum nächsten Ankerlieger, stellst dich vor, fragst nach dem Woher und Wohin des anderen, erzählst deine eigene Vita. Und das immer und immer wieder. Dieses stets “bei Null anfangen” liegt mir nicht. Ich knüpfe lieber an Gespräche und Themen an, die man beim letzten Mal begonnen hat und nun beim nächsten Stopp vertiefen kann.
Ein Kat ist für eine Langfahrt einfach besser geeignet. Das Leben auf zwei Rümpfen ist schlicht komfortabler”
Gorm: Das stimmt. Aber schon bei der ersten World ARC, bei der ja auch Kats dabei waren, musste ich mir eingestehen, dass das Leben auf einer Langfahrt an Bord eines Zweirumpfers schlicht komfortabler ist. Das beginnt damit, dass du natürlich viel mehr Platz hast. Dass du, wenn Gäste an Bord sind, dank der zwei Rümpfe immer die Möglichkeit hast, dich auch mal zurückzuziehen. Jeder hat, wenn er will, Privatsphäre. Und es endet damit, dass ein Zweirumpfer bei Schwell im Hafen oder in der Bucht deutlich weniger stark rollt als ein Monohull. Und man liegt auf einer Weltumsegelung ja doch sehr oft und lange in einer Bucht.
Gorm: Es war eine Regatta vor Fidschi, an der wir damals mit der alten “Nica” teilgenommen hatten. Da lagen wir bis kurz vorm Ziel vorn, und dann hat uns doch tatsächlich ein Kat noch auf der letzten Meile um den Sieg gebracht. Der zog vorm Wind einfach an uns vorbei. Bis dahin hatte ich Kats eigentlich immer eher belächelt.
Gorm: Nun ja, wir wollten zwar einen Katamaran. Es sollte aber auf jeden Fall einer werden, der schnell segelt. “Nica” ist ein Vollcarbon-Kat mit einem Leergewicht von gerade einmal 13,5 Tonnen. Unter Idealbedingungen segelt das Boot bis zu 18 Knoten. Bei der ARC werden wir es aber geruhsam angehen, wir segeln ja im Fahrtenmodus.
Um das Boot kennenzulernen, holte ich mir Profis an Bord. Ich wollte wissen, wie viel es abkann”
Gorm: Ganz klar, mit einem Kat zu segeln musste auch ich erst lernen. Dazu konnte ich mir glücklicherweise Profis an Bord holen, die das Boot bewusst an seine Grenzen bringen sollten. Ich wollte wissen, wie viel “Nica” abkann. Aber auch profane Dinge wie ein Hafenmanöver musste ich erst üben. Anfangs habe ich vorm Hafen ausprobiert, wie das Boot reagiert. Wir haben ja keine Bugstrahler, daher ist “Nica” ziemlich seitenwindempfindlich. Vor allem die in England häufig mit zwei seitlichen Fingerstegen versehenen Liegeplätze in den Häfen der Flussmündungen waren eine echte Herausforderung. Da musst du quasi schnurgerade rein, egal, wie stark der Wind seitlich drückt oder dich der Strom versetzt.
Gorm: Ich sag mal so: Die ersten Schrammen taten schon weh. Mittlerweile fühlen wir uns aber sicher im Umgang mit dem Boot – und für die Ozeane gewappnet.

Textchef YACHT