Sommerliche Bedingungen empfingen die Segler zur zweiten Hälfte der Travemünder Woche. Zehn Klassen kämpfen weiterhin um Welt- und Europameistertitel. Der Tag begann mit einem besonderen Moment: Frank Schärffe, Geschäftsführer der Travemünder Woche gGmbH, feierte Geburtstag und erhielt ein Ständchen aus Hunderten Kehlen. Danach geht es zügig aufs Wasser für die Organisationsteams und die Athleten. Mit den Drachen und RS 21 stiegen zwei weitere Klassen ins laufende Geschehen ein. Beide bringen hocherfahrene und professionelle Teams an den Start, die das Teilnehmerfeld auf ein neues Level heben.
Die Norddeutsche Meisterschaft der Drachen dient als Testlauf für den großen Auftritt im kommenden Jahr. Dann steht der Gold-Cup der ehemals olympischen Klasse an – neben der Weltmeisterschaft die wichtigste Trophäe in dieser Kielboot-Klasse. Der prestigeträchtige Gold-Cup wird ebenfalls in Travemünde ausgetragen. Teams aus Hamburg, Lübeck, Kiel und Berlin nutzen die Chance zum Warmlaufen. Insgesamt 15 Teams kämpfen um die Norddeutsche Meisterschaft während der Travemünder Woche. Nach drei Wettfahrten führt Benjamin Morgen aus Hamburg vor seinem Hamburger Kollegen Benjamin Hub. Auf Rang drei folgt Tanja Jacobsohn vom gastgebenden Lübecker Yacht-Club mit ihrer Mannschaft. Die Entscheidung fällt am Sonntag.
Der Wind hat sich gedreht im Goldcup der Folkeboote. Zwei Tage lang bestimmte der Berliner Andreas Blank an der Spitze das Geschehen, jetzt sind die starken Dänen vorn. 32 Teams segeln um den begehrten Goldcup. Per Hovmark setzt sich nach fünf Wettfahrten mit einem Sieg und zwei guten Platzierungen auf Rang eins. Direkt dahinter folgt Sören Kästel, der sechsmalige Goldcup-Sieger und Titelverteidiger. Als beste deutsche Mannschaft steht Walther Furthmann aus Strande in der Liste. Mit Rang drei steuert er auf Medaillenkurs. Einen dritten und einen zweiten Platz hat er bereits in seiner Goldcup-Vita stehen – beide Erfolge fuhr er vor Travemünde und Niendorf auf eben diesem Revier ein.
International bunt gemischt präsentiert sich das Feld der RS 21. Sieben Nationen sind nach drei Wettfahrten in den Top-Ten zu finden. Trotz einer Punktstrafe übernehmen die Polen um Lukas Wosinsky die Spitzenposition. Die Crew holte am Morgen ihren Tracker nicht ab und kassiertedafür Strafpunkte. Die litauische Mannschaft von Tadas Zizys folgt auf Rang zwei. Als beste deutsche Mannschaft rangiert die Crew um Melanie Höveler aus München auf Platz sieben. Wie schwer es in dieser professionellen Klasse ist, sich im Vorderfeld zu platzieren, zeigen die Ergebnisse erfahrener Segler. Der dreimalige Olympia-Teilnehmer und zweimalige Weltmeister Diego Negri stieg an Bord seines italienischen Landsmannes Davide Albertini Petroni. Einen souveränen Sieg fuhr das Quartett ein, mit einem dritten und achten Platz rangieren sie aber nur auf Rang drei. Die ehemaligen Top-470er-Segler aus Berlin, Jasper Wagner, Oliver Szymanski und Dustin Baldewein, müssen sich an Bord von Aleksandr Ezhkov aus Montenegro mit Platz acht begnügen.
In der Jollenklasse Vaurien formiert sich das Feld der 59 Duos aus neun Nationen für das große WM-Finale am Freitag. Die Italiener Olmo Cerri und Gioia Bertolani halten alle Asse für den Gewinn des WM-Goldes in der Hand. Nach sechs Siegen bei sieben Wettfahrten führen sie mit klarem Vorsprung vor den spanischen Vize-Weltmeistern Pablo Cabello Vieitez und Isabel Cabello Canas. Der Kampf um das WM-Bronze entscheidet sich in einem engen Duell zwischen Johan Vissia und Anouk Vissia aus den Niederlanden und den Franzosen Francois-Xavier Drogou und Caroline Guilloux.
Peter Lakshmanan aus Dortmund, der internationale Klassenpräsident der Vaurien, ist nach der WM 2018 vor Travemünde zum zweiten Mal auf dem Revier im Einsatz. Der 45-Jährige zeigt sich rundum zufrieden: „Wir wollten unbedingt zurück, denn die Organisation ist professionell. Campen auf dem Grünstrand, Festival, Revier – alles passt. Es ist die beste Segelwoche in Deutschland", sagt er. Mit Vorschoterin Daniela Böckmann liegt er als bester Deutscher auf Rang 13.
Die riesige Flotte der RS Aero lockt Segler aus aller Welt an – auch aus Ländern, die sonst nicht zur Travemünder Woche vertreten sind. Aðalsteinn Jens Loftsson aus dem Raum Reykjavik nimmt erstmals in der Klasse RS Aero 7 teil. In seiner Heimat ist es oft kalt und stürmisch. Die Wassertemperatur steigt nie über zehn Grad Celsius. Die der Luft klettert allenfalls in warmen Sommern auf maximal 20 Grad. Der 63-Jährige zeigt sich überrascht: „Die Bedingungen in Travemünde sind nicht einfach. Ich bin es nicht gewohnt, bei so viel Wind und Welle zu segeln", sagt er und schiebt gleich die Erklärung hinterher: „Wir segeln zu Hause meist nur bei Leichtwind und in geschützten Gebieten. Aus einem einfachen Grund: Es darf nichts kaputt gehen, denn Ersatzteile müssen wir immer umständlich im Ausland ordern. Das dauert." Um häufiger an Regatten in ganz Europa teilnehmen zu können, kauft er sich ein Zweitboot, das in Frankreich stationiert ist. Mit diesem tritt er auch in Travemünde an. Sein Motto: „Segeln hält fit. Wenn man aufhört zu segeln, wird man alt."
Bei den RS Aero 5 führt auch nach elf Rennen noch der Este Jorgen Kuivonen. Der Australier Rhett Cowans übernimmt bei den Aero 6 die Führung. Jeweils zwölf Wettfahrten absolvieren die RS Aero 7 und RS Aero 9. Der Schwede Aron Wärnberg liegt mit großem Vorsprung bei den RS Aero 7 weiterhin vorne, dasselbe gilt für Baabir'o Flower aus Kanada in der Klasse RS Aero 9.
Nach drei Rennen haben bei der Europameisterschaft der RS 200 die Briten Ian Pickard und Lauren Callaghan den Bug vorne. Die EM der RS 400 machen die Briten unter sich aus. Nach dem ersten Wettfahrttag übernimmt das Team John Reekie und Justin Denny die Führung.
Nach fünf Rennen liegen die Briten Cassius Day und Harry O'Callaghan an der Spitze des mit 136 Statern stark besetzten Feldes. Mit nur einem Punkt Abstand folgen die Italiener Edoardo Bastini und Samuele Bardelli. Sie ärgern sich, dass sie im vorletzten Rennen eine Frühstart-Disqualifikation kassierten und so die Führung verloren. Sie versichern aber, dass sie trotzdem viel Spaß auf der Regattabahn haben. Drittplatzierte sind aktuell die Schweizer Jack Laborde und Albert Wells.
Drachen (nach 2 Wettfahrten):
Folkeboote Goldcup (nach 5 Wettfahrten):
RS 21 (nach 3 Wettfahrten):
Vaurien WM (59 Boote aus 9 Nationen, nach 3 Wettfahrten):
RS Aero 5 (nach 11 Rennen):
RS Aero 6 (nach 12 Wettfahrten):
RS Aero 7 (nach 12 Wettfahrten):
RS Aero 9 (nach 12 Wettfahrten):
RS 200 EM (nach 3 Rennen):
RS 400 EM (nach 3 Rennen):
RS Feva XL (nach 5 Rennen):

Stellvertretender Chefredakteur YACHT
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