​Travemünder Woche 202617 internationale Titel und zehn Tage Ostsee-Spektakel

Lars Bolle

 · 17.07.2026

Die Lasershows an der Passat sorgen von Montag bis Samstag für optische Highlights.
Foto: Christian Beeck
Über 900 Boote, rund 1.600 Seglerinnen und Segler aus 30 Nationen, 17 internationale Titelkämpfe – die Travemünder Woche 2026 (17. bis 26. Juli) ist sportlich so stark besetzt wie selten zuvor. Und auch abseits des Wassers wartet ein volles Programm: Konzerte, Lasershows, Kulinarik und ein großes Abschlussfeuerwerk machen die Woche an der Lübecker Bucht zum Festival.

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Sportdirektor Jens Kath lässt keine Zweifel an der Bedeutung dieser Ausgabe: „Im Vergleich zu 2025 hat sich die Travemünder Woche in den Meldezahlen nahezu verdreifacht." 26 Entscheidungen stehen auf dem Programm, darunter Weltmeisterschaften, Europameisterschaften, eine German Open und eine Norddeutsche Meisterschaft. Für das Mammutprogramm haben Kath und Wettfahrtleiter Anderl Denecke zehn Regattabahnen aktiviert – bespielt von den Organisationsteams des Lübecker Yacht-Clubs, des NRV Hamburg, des Zürcher Yacht-Clubs und des Berliner Yacht-Clubs.

Langstrecke zur Eröffnung, Skiff-Spektakel am ersten Morgen

Den sportlichen Auftakt setzt die Offshore-Langstrecke: Direkt im Anschluss an die feierliche Eröffnung am Freitag, 17. Juli, schickt Schleswig-Holsteins Sozialministerin Aminata Touré die Seesegler mit dem Schwenken der Landesflagge auf den Kurs. Es geht durch die Nacht und rund Fehmarn.

Ab Samstagvormittag, 18. Juli, starten die ersten Jollen- und Skiff-Klassen in ihre Europameisterschaften. Im rasanten Zwei-Personen-Skiff RS 500 kommen die Favoriten aus Italien und Großbritannien – darunter die britischen Weltmeisterschaftszweiten von 2025, Paul Cullen und Fresh Abendstern. Beim RS 700, wo Solisten auf schmalen Auslegern im Trapez hängend neben Großsegel und Gennaker jonglieren, verteidigt Titelhalter Rob Higgins aus England seinen kontinentalen Titel. Ähnlich spektakulär geht es beim RS 800 zu: Die Zwei-Personen-Skiffs fliegen im Doppeltrapez unter Gennaker über den Kurs.

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Inklusion auf höchstem Niveau: Jazz Turner und Jens Kroker

Zu den emotionalsten Geschichten der Woche zählt die inklusive Klasse RS Venture Connect. Die Boote, ausgestattet mit Schalensitzen, ermöglichen auch Menschen mit starken körperlichen Einschränkungen den Start im Wettkampf. Die querschnittsgelähmte Britin Jazz Turner, 27, hat bereits zwei WM-Medaillen in dieser Klasse gewonnen und umsegelte im vergangenen Jahr solo in einer 8,25 Meter langen Yacht die britischen Inseln innerhalb von vier Wochen. In Travemünde startet sie unter der Flagge Grenadas gemeinsam mit Justen Bersin.

Für Deutschland geht Jens Kroker an den Start – Deutschlands erfolgreichster Paralympics-Segler mit einmal Gold und zweimal Silber bei den Paralympischen Spielen im Sonar. Er segelt mit Malden Scheffler, der mit nur einer Hand geboren wurde und in diversen Sportarten antritt. Im Feld der 23 Duos trifft Kroker auch auf seinen ehemaligen Gold-Partner Siegmund Mainka, der seit Jahren mit Jürgen Brietzke segelt.

Folkeboote, RS Feva und das große Titelfinale

Ab Dienstag, 21. Juli, betreten die Nordischen Folkeboote die Bühne. Der Gold-Cup, die wichtigste Trophäe der Klasse und inoffizielle Weltmeisterschaft, wird in Travemünde 2026 zum zehnten Mal ausgetragen. Der Pokal, ein Kilogramm schwer, wurde 1963 von Senator Alfred Hagelstein aus Lübeck gestiftet. Der Däne Søren Kæstel jagt in Travemünde seinen siebten Titel, die Landsleute Per Buch und Per Hovmark haben je drei Goldpokale gewonnen. Aus Deutschland ist Ulf Kipcke mit Crew aus Kiel am Start – zweifacher Goldpokalsieger (2000 und 2015), jeweils auf deutschen Revieren.

Mitte der Woche, ab 22. Juli, übernehmen die RS Feva das Rampenlicht. Mit 141 gemeldeten Duos aus 19 Nationen ist die Jugendklasse das größte Einzelfeld der gesamten Veranstaltung. Die stärkste Flotte stellen die Briten mit 44 Booten. Die deutschen vier Boote nehmen sich dagegen bescheiden aus – neue Medaillengewinner sind in jedem Fall garantiert, denn die drei Erstplatzierten aus 2025 sind inzwischen aus der Klasse herausgewachsen. Mehr über die Travemünder Woche und das Revier rund um Travemünde gibt es im Revier-Porträt auf yacht.de.

Den Abschluss des Meisterschaftsprogramms bilden RS21, RS 200, RS 400 und RS Vareo, die am Sonntag, 26. Juli, ihre Europameister küren. Parallel dazu segeln die Drachen ab 23. Juli um die Norddeutsche Meisterschaft – für viele Teams ein Vorgeschmack auf den Gold-Cup der Klasse 2027. Den vollständigen Überblick über alle Titelkämpfe und die Hintergründe zur Veranstaltung liefert die Vorberichterstattung der YACHT zur Travemünder Woche 2026.

Trave Races, Rotspon-Cup und Lasershows für Besucher

Wer die Travemünder Woche als Zuschauerin oder Zuschauer erlebt, kommt dem Spitzensport dabei ungewöhnlich nah. Täglich gegen 17 Uhr finden direkt vor der Promenade die Trave Races statt: vier bis acht Crews liefern sich packende Showrennen auf engem Kurs, fachkundig kommentiert und publikumsnah. Am Mittwoch, 22. Juli, wird die Trave zur Politarena: Beim Volksbank Rotspon Cup tritt Bürgermeister Jan Lindenau gegen Landtagspräsidentin Kristina Herbst an – es geht um Ehre und eine Impériale-Flasche Rotspon.

Abseits des Wassers läuft das Festival im Dreieck zwischen Tornadowiese, Nordermole und Bertlingstraße. Auf der König-Pilsener-Bühne spielen unter anderem Ex-Genesis-Frontmann Ray Wilson und Alex Christensen and Friends. Letzterer springt für die aus gesundheitlichen Gründen abgesagte Band Frida Gold ein. Im Brügmanngarten legen Coverbands wie ABBA Fever auf, an der Nordermole sorgen zwei Beach-Clubs für lange Partynächte.

Für Familien steht der 21. Juli als Kinder- und Familientag im Kalender: Rabattaktionen, Kinderdisco, Mitmachzirkus und ein Beach-Soccer-Turnier am Strand erwarten Groß und Klein. Das Riesenrad White Wheel dreht seine Runden direkt am Kurstrand und bietet den weitesten Blick über die Lübecker Bucht.

Wenn die Sonne untergegangen ist, übernehmen die Passat-Lasershows von Montag bis Samstag gegen 22.45 Uhr. Den Abschluss setzt am 26. Juli ein großes Feuerwerk.


Haben Sie schon einmal das Festival “TraWo” erlebt? Lohnt es sich, dafür nach Travemünde zu fahren? Schreiben Sie es bitte in die Kommentare.

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Lars Bolle

Lars Bolle

Chefredakteur Digital

Lars Bolle ist Chefredakteur Digital und Gründer von YACHT-Online. Viele Jahre war der Diplom-Sportwissenschaftler als Redakteur der YACHT in den Bereichen Sport und Seemannschaft tätig und hat die größten Segelsport-Veranstaltungen der Welt begleitet, vom America's Cup bis zu Olympischen Spielen. Seine persönliche Segel-Vita reicht vom Leistungssport in der Jolle (Deutscher Meister 1992 im Finn Dinghi) über historische und moderne Jollenkreuzer bis hin zu europaweiten Charter-Törns.

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