Dreimal schon haben Harm Müller-Spreer und sein Rennstall Platoon Aviation den TP52-WM-Titel gewinnen können: 2017, 2019 und 2023. Der Hamburger Eigner und Steuermann der einzigen deutschen Rennyacht in der 52 Super Series, die auch als kleine Schwester des America’s Cup gilt, zählt auch in der kommenden Woche im WM-Rekordfeld von 15 Booten aus elf Nationen zu den ziemlich vielen Co-Favoriten auf WM-Gold.
Das Niveau ist hoch bei den Welttitelkämpfen in Porto Cervo auf Sardinien. Drei Teams der aktuellen WM-Flotte in der Geschichte der 52 Super Series haben den Titel bereits gewinnen können: Takashi Okuras “Sled” siegte 2021 in Palma, Tony Langleys “Gladiator” holte den Titel 2024 in Newport, Rhode Island. Harm Müller Spreers Platoon-Team siegte im italienischen Scarlino (2017), in Puerto Portals (2019) und in Barcelona (2023).
Alle drei ehemaligen Weltmeister haben in diesem Jahr gute Chancen auf den Sieg. Allen voran die Crew auf „Sled“, die mit der WM ihre dritte Regatta in Folge gewinnen könnte. Gutes Vorzeichen für das Okura-Team: Sie konnten das letzte Event 2025 im wunderschönen WM-Revier an der Costa Smeralda gewinnen, haben ihre Expertise an der Costa Smeralda schon demonstriert. Auch gewannen sie im vergangenen Monat die Auftaktregatta zur laufenden Saison vor Puerto Portals.
Es wird ein großartiges Event, denn die 52 Super Series war noch nie so stark wie jetzt.” Francesco Bruni
Der italienische “Sled”-Taktiker Francesco Bruni blickt der TP52-WM mit der ihm eigenen dynmischen Energie entgegen. Der frühere “Luna Rossa”-Steuermann in der Herausfordererrunde zum America’s Cup in Barcelona sagte: “Die Erwartungen in der gesamten Flotte sehr hoch. In Porto Cervo zu sein, ist immer etwas Besonderes. Jeder möchte dort ein großartiges Ergebnis erzielen. Bei unserem Team läuft es gut, aber man kann in jedem Rennen Letzter werden. Wir müssen bis zum Schluss konzentriert bleiben.“
Der auf Sardinien lebende Francesco Bruni erklärte: „Unser Boot läuft gut. Es kommt mehr darauf an, wie wir es segeln. Wir haben in allen Bereichen gute Arbeit geleistet, und Geschwindigkeit ist nur ein Aspekt. Aber wir wissen, dass es mit Sicherheit auch schlechte Momente geben wird; damit muss man umgehen. Wir müssen als Team zusammenhalten. Bei mehr Booten ist das Risikomanagement ein entscheidender Faktor. Wir haben ein großartiges Team, sodass es nicht nur an mir liegt. Ich bekomme wertvolle Anregungen und viel Unterstützung. Das macht einen großen Unterschied. Man arbeitet mit viel weniger Druck und kann viel mehr auf seine Instinkte vertrauen.“
Auch Jordi Calafat, 470er-Olympiasieger der Heimspiele von Barcelona 1992 und Stratege auf Harm Müller-Spreers “Platoon Aviation”, blickt zufrieden auf die Fortschritte des Teams unter deutscher Flagge. Mit Platz zwei hinter “Sled” hatte das Team die neue Saison vor Puerto Portals Anfang Mai vielversprechend eröffnet. Calafat glaubt mit der Crew, die weiterhin intensiv an der Optimierung der Botin-TP arbeitet, an die Chance auf den Titel bei der TP52-WM.
Ich glaube, wir schaffen es, unsere Geschwindigkeit zurückzugewinnen.“ Jordi Calafat
Calafat räumte auch ein: “Wir haben nicht das schnellste Boot da draußen, also haben wir noch ein bisschen Arbeit vor uns. Es gibt Boote da draußen, die uns überlegen sind. Wenn wir Rennen und Regatten gewinnen wollen, müssen wir uns hier und da noch verbessern.” Mit Artemis Technologies hat das Team einen neuen Kiel entwickelt. “Wir haben alle Profile überarbeitet, mehrere neue Ruderblätter, eine neue Finne und eine neue Bombe”, hatte Harm Müller-Spreer zu Saisonbeginn erklärt.
Mit den möglichen WM-Bedingungen ist Calafat so gut wie viele andere Profis in der Flotte vertraut. Sein Eindruck: “Wenn ich bislang zu dieser Jahreszeit in Porto Cervo war, waren die Bedingungen nicht jeden Tag gleich – manchmal war es windstill, dann wiederum hält der Mistral normalerweise länger als einen Tag an. Ich hoffe, wir können uns bis zum letzten Tag Gewinnchancen erarbeiten. Zumindest fühlen wir uns jetzt gut. Es gibt Bedingungen, in denen wir schnell sind. Jetzt, da mehr Boote am Start sind, gibt es Chancen, wenn man gut startet und gut segelt.”
Wie immer wollen wir um den Weltmeistertitel kämpfen. Das ist ja klar!” Harm Müller-Spreer
Wie Calafat hegt auch “Gladiator”-Trimmer Simon Fry Hoffnungen, ohne zu viel versprechen zu wollen. Das Team kehrt zu seiner Mannschaftsaufstellung zurück, mit der sie die WM in den USA gewonnen hatten. Gesteuert wird die Briten-TP von Guille Parada. Da Eigner Tony Langley jedoch zuletzt in Puerto Portals verletzungsbedingt pausieren musste, hatten er und Victor Diaz de Leon – Weltmeister 2025 mit dem Team American Magic Quantum Racing – noch nicht viel gemeinsame Regattazeit auf dem Boot, um ihre Kommunikation und Entscheidungsfindung für die TP52-WM abzustimmen.
Simn Fry sagte: “Wir haben eine Chance zu gewinnen. Wir müssen uns die Möglichkeit schaffen, unsere Strategien umzusetzen. Wir müssen erst unseren Rhythmus finden, da Victor und Tony in ihren jeweiligen Rollen noch nicht wirklich zusammen gesegelt sind.” Zum Leistungslevel bei der TP52-WM sagte Fry: “Ich finde das Niveau wirklich beeindruckend.”
Als weitere Co-Favoritin für die TP52-WM hat sich Pieter Heeremas “No Way Back” mit einer Crew Crew empfohlen, die zu etwa zwei Dritteln aus dem in der 52 Super Series nicht mehr aktiven Team American Magic Quantum Racing besteht, das 2025 die TP52-WM und die Saisonmeisterschaft gewonnen hatte. Nach Platz drei zum Saisonauftakt stößt zur WM auch Lucas Calabrese zum Team. Der 470er-Bronzemedaillengewinner der Olympischen Spiele von 2012 kommt als Stratege an Bord.
Titel- und Medaillenchancen hat auch Andrea Lacortes “Alkedo Vitamina”, die als schnellstes Boot der 52 Super Series gilt. Als einzige hatten sie bei Saisonauftakt vor Puerto Portals zwei Rennen gewonnen. Ebenso gerechnet werden darf und muss mit Ergin Imres “Provezza”, die in Puerto Portals zwischenzeitlich die Führung übernommen hatte. Hier bilden Cole Parada und Santi Lange die Afterguard. Spannend auch die Frage, ob John Kostecki, einst mit der “illbruck” siegreich im Volvo Ocean Race und früher auch mit “Platoon” erfolgreich, jetzt auf Andy Sorianos “Alegre” für gewinnbringende Veränderungen sorgen kann.
Einen ersten Vorgeschmack werden die offiziellen Test- und Trainingsrennen am Montag geben. Am Dienstag startet die TP52-WM mit den ersten Rennen durch. Die Entscheidungen fallen vor Porto Cervo am 20. Juni, wenn im deutschen Norden die Kieler Woche beginnt. Gastgeber ist der in Porto Cervo in der Via della Marina ansässige Yacht Club Costa Smeralda, der gerade noch den Sardinia Cup und 2011 schon einmal eine TP52-WM ausgerichtet hat.

Freie Reporterin Sport
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