Tatjana Pokorny
· 09.05.2026
Großer Auflauf beim Saisonstart der 52 Super Series: Die Puerto Portals 52 Super Series Race Week hielt mit 14 TPs, was sie versprach: Es wurde packender Segelsport auf sehr hohem Niveau serviert. Mittendrin unter deutscher Flagge: Harm Müller-Spreers Crew auf “Platoon Aviation”. Der dreimalige TP52-Weltmeister vom Norddeutschen Regatta Verein in Hamburg hatte mit seinem Team zuletzt 2023 die Saisonmeisterschaft gewonnen, zählt regelmäßig zu den Top-Akteuren in der führenden Einrumpfserie.
Nach dem weniger geliebten fünften Platz in der Saisonmeisterschaft 2025 wollen Harm Müller-Spreer, Taktiker Vasco Vascotto, Stratege Jordi Calafat, Navigator Juan Vila und die Crew in diesem Jahr wieder um den Meistertitel in der Serie kämpfen, die aufgrund ihres Hightech-Anspruchs und der Qualität ihrer Segler auch als “kleine Schwester des America’s Cup” bekannt ist.
Einen guten Grundstein für diese Titelambitionen legte Team Platoon Aviation beim Auftakt vor Puerto Portals. In der Bucht von Palma war die Herausforderung groß, denn statt wie zuletzt zehn, kreuzten 14 kraftstrotzende TP52-Rennyachten und ihre hungrigen Crews zum ersten Kräftemessen der Saison auf. Auch wenn die Abo-Sieger vom US-Team Quantum Racing American Magic nicht mehr dabei sind, so hat das Feld an Qualität trotzdem noch zugelegt.
Wie schwierig es sein kann, sich hier durchzusetzen, mussten etwa Ergin Imre und seine mit Steuermann John Cutler, Taktiker Hamish Pepper und Navigator Nacho Postigo erlesene Crew am Finaltag erfahren. Mit ihrer schnellen Judel/Vrolijk-TP von 2024 als Spitzenreiter und Puerto-Portals-Favoriten in den letzten Tag gestartet, fielen sie nach den letzten beiden Rennen am Samstagnachmittag noch vom Podium.
Ein heftiger Rechtsdreher, dem die Konkurrenz auf “Sled” noch rechtzeitig entkommen war, warf “Provezza” im neunten und letzten Rennen auf den 14. und letzten Rang zurück. Weil in der erbarmungslosen Top-Serie kein Rennergebnis gestrichen werden kann, fiel die “Provezza”-Crew mit Cole Parada und Nacra-17-Olympiasieger Santi Lange als Stratege in der Puerto-Portals-Gesamtwertung noch vom Podium und auf Platz vier zurück.
Anders herum erlebte die “Sled”-Mannschaft den Finaltag. Am Vortag noch von einem 13. Rang belastet, drehte die Crew um Steuermann und Eigner Takashi Okura mit einem Rennsieg und Rang drei auf. Das war den Sieg bei der Saisoneröffnung im Balearenrevier wert.
Um diesen Triumph mussten das “Sled”-Team bei einem technischen Malheur zwischenzeitlich allerdings enorm kämpfen, als der Lock-Stropp ihres Großfalls beim Wechsel zwischen den beiden Finalrennen am Samstag plötzlich brach. Die Crew zog das zu setzende Großsegel dann mit dem Spifall hoch, bevor der in den Mast gestiegene Ivan Peute es dort festmachen konnte. Damit half Peute entscheidend, den am Ende mit 42 Punkten und neun Zählern Vorsprung errungenen Sieg für das Botin-Design vom New York Yacht Club zu sichern.
Unser Spieler des Tages ist unser Vorschiffsmann.” Francesco Bruni
Als die Crew in den Hafen kam, waren laute Gesänge zu hören: “Ivan, Ivan, Ian!” “Sled”-Taktiker Francesco Bruni erzählte mitreißend: “Wir waren so glücklich! Das ist ein Team-Sieg! Ivan hat unser Problem zwischen den Rennen gelöst. Es war ein Riesenproblem! Wir hätten ohne Großsegel segeln müssen. Er verdient alle unsere Anerkennung. Und auch das ganze Team hat einen fantastischen Job gemacht.”
Strahlende Zweite wurden Harm Müller-Spreer und das Team auf “Platoon Aviation”. Nach zwei Penalties am Vorschlusstag gelangen am Finaltag die Ränge drei und vier mit Konstanz und Eleganz. In druckvollen Winden lief die deutsche Botin-TP52 zu Form auf. Bei 51 Punkten reichte in der Endabrechnung ein Zähler Vorsprung vor “No Way Back” (52 Punkte) von Pieter Heerema zu Puerto-Portals-Silber. Hier geht es zu den Puerto-Portals-Ergebnissen und zu den ersten Zwischenständen in der 52 Super Series 2026.
“Wir sind heute in der Spitze 27 Knoten gefahren”, schwärmte Steuermann Harm Müller-Spreer nach dem Finale. Auch sein Team spürte das gewachsene Feld. “Der Unterschied zwischen neun, zehn oder elf Booten und 14, 15 oder 16 Booten, die wir zum Saisonende haben werden, ist der, dass Crew-Qualität und Konstanz noch entscheidender sind”, sagte Harm Müller-Spreer.
Sein Team ist ehrgeizig in die neue Saison gestartet. “Wie immer wollen wir um den Weltmeistertitel und die Saisonmeisterschaft kämpfen. Das ist ja klar”, sagte Harm Müller-Spreer im Gespräch mit YACHT online. Dafür hat der Rennstall des Hamburger Unternehmers in der Winterpause auch technisch einiges unternommen. “Unser Boot war im vergangenen Jahr nicht ausreichend gut, hatte Schwächen”, erinnert Harm Müller-Spreer an die schweren Zeiten.
Nicht mit dem “Platoon Aviation”-Designbüro Botin, sondern mit Artemis Technolgogies hat das einzige deutsche Team in der Serie “wieder einen völlig neuen Kiel” entwickelt. “Wir haben alle Profile überarbeitet, mehrere neue Ruderblätter, eine neue Finne, eine neue Bombe”, erzählt Harm Müller-Spreer. Das Boot wurde komplett gescannt, bevor in den Artemis-Büros drei Monate gerechnet wurde. “Wir hatten ein, zwei verschiedene Lösungen und haben dann gebaut. Jetzt versuchen wir das Beste daraus zu machen”, so der Eigner.
Noch ist er nicht ganz zufrieden, hat das Gefühl, dass der Kiel noch “drei Millimeter schief” sitzt. Ein weiterer Komplettscan mit einem Hochpräzisionsscanner ist geplant. Parallel dazu ringt das Team Platoon Aviation weiter um die idealen Großsegel. “Das bleibt eine schwierige Herausforderung”, räumt Müller-Spreer ein. Die Crew wurde leicht verjüngt. Geblieben sind aber neben weiteren Schlüsselseglern die drei deutschsprachigen Segler: Harm Müller-Spreer selbst, der Kieler Michael Müller als Pitman und der österreichische Grinder Gerd Habermüller.
Bemerkenswert ist auch der dritte Platz der Niederländer in Puerto Portals, die ihre Regattapremiere in der 52 Super Series feierten. Dabei war aber die Crew auf “No Way Back” nicht so neu wie der Boss: Pieter Heerema hatte bei der Formierung seiner neuen Mannschaft viele Top-Segler aus dem herausragenden Quantum Racing Team übernommen, das 2025 sowohl die Saisonmeisterschaft als auch die TP52 Weltmeisterschaft gewonnen hatte.
Als früherer Drachen-Gold-Cup-Sieger und RC44-Segler zählt Pieter Heerema zu den erfahrensten Eignern am Steuer einer TP52. Navigator auf “No Way Back” ist Michele Ivaldi. Beim ersten Event war Morgan Larson als Stratege im Einsatz. Bei den weiteren vier Regatten der Serie wird Lucas Calabrese seine Rolle übernehmen.
Die Serie wird mit einem der Saisonhöhepunkte fortgesetzt: Die Rolex TP52 Weltmeisterschaft findet vom 15. bis zum 20. Juni vor Porto Cervo an der Costa Smeralda statt. Was schon die erste Regatta in Puerto Portals gezeigt hat, wird für den weiteren Saisonverlauf Programm bleiben: Es geht eng zu in der Leistungsklasse der 52 Super Series.
“Es gibt kaum Überholspuren, wenn du mal hinten bist. Da wirst du dann rasiert und bist plötzlich 14. wie heute am Finaltag ‘Provezza’, obwohl du ein so schnelles Boot hast”, erklärte Tim Kröger, der die Rennen der 52 Super Series im Revier von Puerto Portals an der Seite des bekannten Moderators Andi Robertson co-kommentierte.

Freie Reporterin Sport