Der Hamburger Unternehmer Harm Müller-Spreer und sein Team auf «Platoon» haben die TP52-Weltmeisterschaft vor Barcelona gewonnen. Nach furiosem Endspurt reichte am Samstag nach acht Rennen ein Punkt Vorsprung vor der türkischen “Provezza” zum dritten Triumph nach 2017 und 2019. Die 52-Super-Series gilt als international führende Profiserie für Einrumpf-Rennyachten und wird auch als “Kleine Schwester des America's Cup” bezeichnet, weil viele Cup-Akteure hier im Einsatz sind.
Drei WMs in dieser Klasse zu gewinnen, ist nicht selbstverständlich. Es ist unfassbar schwer.” Harm Müller-Spreer
Harm Müller-Spreer gewann die Weltmeisterschaft mit Taktiker Vasco Vascotto. Mit dem zweimaligen Weltumsegler und Profisegler Michael Müller aus Kiel segelte neben dem Eigner und Steuermann vom Norddeutschen Regatta Verein ein weiterer deutscher Segler in der internationalen «Platoon»-Crew. “Wir haben heute wirklich alles gegeben. Drei WMs in dieser Klasse zu gewinnen, ist nicht selbstverständlich. Es ist unfassbar schwer! Alle Teams haben für diese Saison noch einmal stark aufgerüstet. In der 52 Super Series sind die Profis der Segelwelt versammelt”, sagte Müller-Spreer.
WM-Silber holte nach acht Rennen auf Barcelonas kommender Segelbühne für den America's Cup 2024 hinter der deutschen «Platoon» (25 Punkte) die in der Saisonwertung nach vier Regatten weiter führende “Provezza” (26 Punkte) vor der britischen “Gladiator” (34 Punkte). Hasso und Tina Plattners “Phoenix” (39 Punkte) segelte bei der Rolex TP52 WM auf Platz vier vor den amerikanischen Rekordsiegern vom in dieser Saison entzauberten Team Quantum Racing powered by American Magic (43 Punkte).
Downwind ist uns eine Schot aufgegangen. Wir konnten es gerade so managen.” Harm Müller-Spreer
Der finale Renntag am 26. August verlief mit den letzten beiden Rennen packend, wie Harm Müller-Spreer YACHT online im ersten Interview nach der Rückkehr in den Hafen schilderte: “Unser erstes Rennen am Mittag war gut. Wir waren schnell und konnten gewinnen. Damit hatten wir vor der Entscheidung die Führung übernommen. Im zweiten Rennen, dem insgesamt achten und letzten, war dann ‘Provezza’ wieder sehr gut. Downwind ist uns eine Schot aufgegangen. Wir konnten es gerade so managen, als wir um die Tonne gingen. Da waren wir Vierte, Fünfte. Das hätte nicht gereicht…”
Statt aufzugeben, kämpfte die “Platoon”-Crew weiter. “Wir wollten einfach nicht glauben, dass wir das jetzt verloren haben”, berichtete Harm Müller-Spreer von der Stimmung an Bord. “Wir haben Vollgas gegeben, sind wieder reingehalst und haben sie voll erwischt. Dann drehte der Wind wieder nach rechts – gut für uns…” Im Ziel reichte dem Team auf der deutschen Yacht Rang zwei hinter “Provezza” zum an Bord laut bejubelten Gesamtsieg.
Als Schlüssel zum Erfolg bezeichnete Harm Müller-Spreer “viele kleine Dinge”. Dazu zählt auch der in dieser Saison neu ins Team gekommene italienische Taktiker Vasco Vascotto. “Wir mussten uns erst ein bisschen aneinander gewöhnen, doch dann lief es sehr gut”, sagt Harm Müller-Spreer. Zudem habe sein Team für diese 11. Saison der 52 Super League einen neuen, größeren Kiel gebaut. “Da sahen wir im vergangenen Jahr im Vergleich zu Quantum nicht gut aus. Das war eine gute Entscheidung”, so der Eigner.
Harm Müller-Spreer wird sein Engagement in der 52 Super League auch im kommenden Jahr mit viel Engagement und der gleichen Crew fortsetzen. Dafür baut er aktuell ein neues Boot bei King Marine, das Ende März erstmals zu Wasser gehen soll. Es ist ein Botín-Design, auch wenn Müller-Spreer sehr gerne die bislang so erfolgreiche Zusammenarbeit mit Jubel/Vrolijk fortgesetzt hätte. “Das war aber nach meinem spontanen Entschluss in Mahon auf Menorca zeitlich nicht möglich. Und ich wollte im kommenden Jahr nicht erst zur Halbzeit der Saison mit dem neuen Boot einsteigen”, so der Hamburger, der noch am Abend nach der Siegerfeier wieder in der Heimatstadt landen wird.

Freie Reporterin Sport