Wiederbelebung durch einen radikalen Klassenwechsel? Nach diesem Motto haben die Macher des französischen Klassikers La Solitaire du Figaro am Ende eines mehrmonatigen Analyseprozesses entschieden. Als Veranstalter hat OC Sports heute bekanntgegeben, dass das Rennen ab 2028 auf Trimaranen vom Typ Ocean Fifty ausgetragen werden soll. In zwei Jahren schon sollen die rund 15 Meter langen Trimarane die aktuell aktiven rund zehn Meter langen Einrumpf-Foiler vom Typ Figaro Bénéteau 3 ablösen.
Die revolutionäre Entscheidung haben die Veranstalter laut eigenen Erklärungen auch vor dem Hintergrund sinkender Zuschauerzahlen getroffen. Der krasse Klassenwechsel kommt einem Kulturbruch gleich, denn bislang galt das Figaro seit Beginn der 1990er Jahre mit seinen Einheitsklassebooten als Synonym für anspruchsvolles Solosegeln auf Augenhöhe, als renommierte Schule und Bewährungsarena für Offshore-Könner.
Viele namhafte Solisten haben sich im Figaro ihre ersten Sporen verdient, mit Klasseleistungen auf sich aufmerksam gemacht. Sie schafften im Anschluss den Sprung in Top-Klassen wie Imoca oder Ultim. Unter ihnen waren und sind berühmte Akteure wie “Gitana”-Skipper Charles Caudrelier, Tausendsassa Franck Cammas, Vendée-Globe-Sieger wie François Gabart, Armel Le Cléac’h und der in diesem Jahr verstorbene herausragende Charlie Dalin.
Sie alle und so viele Talente mehr hat früh in ihrer Karriere das La Solitaire du Figaro geprägt, geschärft und vorangebracht. Die 57. Auflage hatte Anfang Juni dieses Jahres Boris Herrmanns ehemaliger Navigator Nico Lunven gewonnen. Nach Figaro-Siegen in den Jahren 2009 und 2017 und neunjähriger Pause hatte Lunven sein großes Können beim phänomenalen Comeback noch einmal unter Beweis gestellt.
Nun kommt der für 2028 angekündigte Klassenwechsel einem Paukenschlag in der Welt des Offshore-Segelsports gleich. Der Umstieg von Ein- auf Mehrrumpfboote erfolgt mehr als ein halbes Jahrhundert nach der Gründung des Rennens im Jahr 1970 durch Jean-Louis Guillemard und Jean-Michel Barrault – damals unter dem Namen „Course de l’Aurore“.
In Frankreich kennt jeder werdende oder schon aktive Offshore-Regattasegler das La Solitaire du Figaro Paprec. Das Rennen gilt als Entdeckerbühne für künftige Seesegelstars, als ultimative Prüfung für Solisten, als Sprungbrett in die Class40, zu den Imocas oder Ultims. Seit mehr als einem halben Jahrhundert ist das Rennen ein wichtiger Maßstab für französische Offshore-Regatten. Wer es hier schafft, dem öffnen sich oft auch andere Türen.
Jetzt haben sich die Groupe Figaro, seit 1980 Eigentümerin des Rennens, und OC Sport Pen Duick, seit 2011 Veranstalter, zum Bootswechsel entschieden. Und der trifft viele angehende und aktive Figaristen ins Mark. Der Sprung von der Einrumpf- zur Mehrrumpfklasse ist gewaltig. Das gilt inhaltlich, aber auch finanziell.
Die Figaro-Klasse gilt neben und nach dem klassischen Mini-Einstieg als wichtige Fortbildungsklasse. Eine Kampagne für das La Solitaire du Figaro war auf kleinster Flamme und mit geliehenem Boot bislang für 50.000 bis 70.000 Euro jährlich machbar. Wer mit neuem Boot und Top-Kampagne am Rennen teilnehmen wollte, konnte auch auf 200.000 Euro jährlich kommen.
Nun aber müssen Teilnehmende am Solitaire du Figaro ab 2028 mit Ocean Fifties mit Jahresbudgets zwischen einer und drei Millionen Euro rechnen. Damit verändert das Rennen seinen Charakter nicht nur in der Bootswahl erheblich, sondern auch mit Blick auf seine möglichen Teilnehmer. “Die Kosten werden explodieren”, weiß nicht nur Mini-Segler Hendrik Lenz, der sich mit einem Einstieg in die Figaro-Klasse beschäftigt hatte, nun aber erst einmal abwartet.
Der sichere Gedanke, dass ich teilnehmen will, ist jetzt weniger sicher. Aber vielleicht findet sich ein neuer Veranstalter, der die Figaro-Klasse weiterträgt.” Hendrik Lenz
Lenz gibt wie auch viele betroffene französische Figaristen zu bedenken, dass mit dem Umstieg von den Einrumpffoilern auf die großen Trimarane “der Übergang vom Mini nach oben” wegfällt. Da bliebe dann die Class40, die allerdings auch Jahresbudgets von rund 300.000 Euro oder mehr erfordert.
Frühere deutsche Teilnehmer am La Solitaire du Figaro, das auch als inoffizielle Weltmeisterschaft für Segler der Klasse Figaro Bénéteau 3 gilt, waren der Hamburger Jörg Riechers und die Kielerin Sanni Beucke. Die 49erFX-Olympia-Zweite von Enoshima hatte sich bewusst die anspruchsvolle Figaro-Klasse zu Ausbildungszwecken im Offshore-Bereich gewählt.
Die Macher sagen zu ihrem jetzt angekündigten bahnbrechenden Kurswechsel, sie wollen dem Figaro “die Mittel an die Hand geben, ihr Erbe fortzuführen und gleichzeitig die Kernprinzipien zu bewahren, die ihre Identität seit ihrer Gründung geprägt haben”. Es geht um Medienattraktivität und möglichst packende Action in den vom Rennen jedes Jahr besuchten Regionen.
Ein entscheidender Faktor für den radikalen Wandel – das machte die Ankündigung der Veranstalter am 17. Juli klar – sei die Bewahrung und Stärkung des Rennen als bedeutendes Publikums- und Medienereignis, das jedes Jahr große Menschenmengen in die Austragungshäfen lockt und über führende Medienkanäle ein breites Publikum erreicht.
Die Argumentation der Verantwortlichen: “La Solitaire du Figaro muss sich daher weiterhin anpassen, um diesen neuen Erwartungen gerecht zu werden, das Publikum zu begeistern, einen Mehrwert für die Gastgeberorte zu schaffen, ihre Attraktivität für Partner zu stärken und ihre Medienreichweite zu vergrößern. Nur so wird sie ihre Rolle als Eckpfeiler des französischen Offshore-Segelsports weiterhin erfüllen können.” Der Charakter der Einhandregatta über mehrere Etappen soll auch mit den Ocean Fifties beibehalten werden.
Während sich in der bald gestrichenen Klasse der Figaro Bénéteau 3 einiger Widerstand regt und es in den Sozialen Netzwerken Kritik hagelt, gibt es auch erste Ideen, mit den Einrumpf-Foilern möglicherweise ein neues Rennen aufzuziehen. Bis dahin bleibt die Aussicht auf ein emotionales Figaro-Bénéteau-Finale im kommenden Jahr. Das 58. Figaro Paprec wird dann noch ein letztes Mal auf den bekannten Booten vom Typ Figaro Bénéteau 3 ausgetragen. Ebenso wie das La Transat Paprec“ als Mixed-Zweihandregatta.

Freie Reporterin Sport
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