Ocean Race Atlantic“Malizia 4” halbiert Rückstand, Meilhat führt

Tatjana Pokorny

 · 07.09.2026

Hier ist Paul Meilhats "United by the Ocean" in ihrem Element zu erleben. Die Crew lieferte sich an Renntag fünf ein packendes Spitzenduell mit "11th Hour Racing".
Foto: Marin Le Roux/United by the Ocean/The Ocean Race
Team Malizia lässt sich im Ocean Race Atlantic nicht abschütteln. Trotz Kollision, Foil-Systemschaden und Autopilotenproblemen haben Boris Herrmann und seine Crew über Nacht ihren bis Sonntag auf mehr als 100 Seemeilen angewachsenen Rückstand auf die Spitzenreiter “United by the Ocean” und “11th Hour Racing” halbiert.

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Um bis zu 110 Seemeilen war Boris Herrmanns Team Malizia im Ocean Race Atlantic zur Halbzeit hinter die führenden Boote “United by the Ocean” und “11th Hour Racing” zurückgefallen. Die Kollision am Samstag und dazu noch ein Autopilotenversagen hatten die erst zwei Monate alte Imoca zurückgeworfen und ihre Crew stark gefordert. Es war ein hartes Wochenende für die Malizianer.

Doch während sich die gesamte Flotte von Paul Meilhats führender “United by the Ocean” bis zu Conrad Colmans Schlusslicht “MSIG Europe” inzwischen um rund 460 Seemeilen auseinandergezogen hat, konnte Team Malizia zum Wochenbeginn wieder stark aufholen. Am Morgen des 7. September trennten Boris Herrmann, Cole Brauer, Justine Mettraux und Julien Villion gegen 9.30 Uhr nur noch rund 50 Seemeilen von den Powerplayern an der Spitze des Feldes.

Dort lieferten sich am Montagmorgen die Crews auf “United by the Ocean” und “11th Hour Racing” (Ex-”Malizia 3”) ein atemloses Duell in Sichtweite. Dabei haben Ocean-Race-Europe-Sieger Paul Meilhat, Mariana Lobato, Benjamin Ferré und Sara Stone auf “United by the Ocean” am Montagmorgen gegen 10 Uhr erstmals die Führung übernehmen können.

Die Supersprint-Königin: schnell, schneller, “Malizia 4”

Zuvor hatte Team Malizia trotz ihrer technischen Herausforderungene am späten Sonntagnachmittag den vierten der täglich ausgetragenen Supersprints gewonnen. Für das neue Koch-Design, das am 6. Juli in Lorient vom Stapel gelaufen war, war es bereits der dritte von vier möglichen Siegen. Die Supersprints werden über 20 Minuten zeitgleich an dem Punkt gestartet, an dem die Boote im Ocean Race Atlantic zu dem Zeitpunkt gerade sind. Damit sind naturgemäß die Bedingungen nicht für alle gleich.

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Die weiter schnelle “Malizia 4” führt die Supersprint-Wertung mit 26 Punkten vor der ebenfalls erst zwei Monate alten japanischen Verdier-Imoca “DMG Mori Global One” (23 Punkte) und “11th Hour Racing” (21 Punkte) an. Es folgen Paul Meilhats “United by the Ocean” (16 Punkte), Oliver Heers “Embrace the Challenge” (11 Punkte) und “MSIG Europe” (8 Punkte). Hier geht es zu den Zwischenständen bei der Supersprint-Sonderwertung.

Das neue Szenario auf See ist auch entstanden, weil das führende Quartett nicht mehr im starken Tiefdruckgebiet segelt. Voraus liegen eher unbeständige, teilweise auch leichte Bedingungen. “11th Hour Racing” kam am Montagmorgen gegen 8 Uhr nur noch auf einen Vier-Stunden-Speedschnitt von rund zehn Knoten. Zum vergleichbaren Zeitpunkt waren es bei “Malizia 4” noch ein Geschwindsigkeitsschnitt von 17,5 Knoten über vier Stunden. Da segelte Boris Herrmanns Rakete bei der Aufholjagd noch in wesentlich druckvolleren Winden.

Autopilotenausfall im Sturm fordert Malizia-Crew im Ocean Race Atlantic

Geschont wurde das Team am Wochenende nicht. Nach der Kollision mit einem Meeresbewohner und den Foil-Systemproblemen hatte ein Autopilotenausfall die Crew in stürmischem Wetter und Böen bis rund 40 Knoten extrem gefordert. Justine Mettraux musste von Hand steuern, während Julien Villion sich um das Großsegel kümmerte. Boris Herrmann und Cole Brauer ackerten unter Deck, um den Autopiloten wieder zum Laufen zu bringen.

Dazu hatte Team Malizia selbst kommentiert: “Stellt Euch vor, Euer Autopilot fällt inmitten stürmischer Winde mit Böen von bis zu 40 Knoten plötzlich aus. Während ein Crewmitglied das Boot durch raue See steuert, ein anderes das Großsegel refft und die übrigen unter Deck versuchen, das System wieder zum Laufen zu bringen. Genau das war die Realität an Bord der ‘Malizia 4’. Gauthiers Aufnahmen mitten im Geschehen sind spektakulär.”

Dass “Malizia 4” trotz ihrer Probleme konkurrenzfähig bleibt, ist in der aktuellen Lage ein starkes Zeichen. Die nun laufende Kompression durch die leichter werdenden Winde hat der hart geprüften Crew zuletzt geholfen. Können die Malizianer ihre Technik jetzt stabilisieren, dann sind sie bei weniger als 1300 Seemeilen bis ins Ziel in der bereits angelaufenen zweiten Halbzeit des Ocean Race Atlantic noch lange nicht chancenlos im Kampf um einen Podiumsplatz.

Ocean Race Atlantic: geteiltes Leid, halbes Leid?

Wie erbarmungslos es am Wochenende im Nordatlantik zuging hatte auch Francesca Clapcich eindrucksvoll beschrieben. Die Italo-Amerikanerin sagte: “Ich kann mich nicht an viele Tage wie diesen auf einer Imoca erinnern. Es ging nicht wirklich um den Wind. Wir hatten starken Wind, aber es war vor allem der Seegang, der furchtbar war. Der Wellenwinkel – eine Art breiter Am-Wind-Kurs beziehungsweise halber Am-Wind-Kurs – war extrem anstrengend!”

Francesca Clapcich beschrieb auch, wie sich das auf die Crew auswirkte: “Ich glaube, das kostet mehr mentale als körperliche Energie. Wir hatten so starken Wind und so schwere See, dass wir etwas Segelfläche reduzieren mussten, aber danach lief das Boot einfach von selbst. Mental ist das wirklich hart. Man kann sich an Bord nicht bewegen, es ist schwer zu essen, es ist schwer zu trinken. Es ist schön, andere Leute an Bord zu haben – man teilt die Strapazen.”

Gute Nachrichten gab es auch von Oliver Heers “Embrace the Challenge”. Die Crew hat ihr stark eingerissene Großsegel reparieren und wieder setzen können. “Diese letzten zwei Tage waren nicht einfach. Sie waren stressig und ermüdend. Als Team müssen wir jetzt zusammenhalten und die letzten 2000 Seemeilen genießen”, sagte Oliver Heer nach vollbrachter Reparatur.

Malizianer unter Druck! Hier geht es zu den eindrucksvollen Bildern, die Team Malizias Bordreporter Gauthier Lebec im Ocean Race Atlantic am Wochenende bei Autopilotenausfall und dem Ringen der Crew um Kontrolle übers Boot in 40 Knoten Wind eingefangen hat:

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Tatjana Pokorny

Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

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