Ocean Race AtlanticKollision und Foil-Schaden bei ”Malizia 4”

Tatjana Pokorny

 · 05.09.2026

Harte Arbeit an Bord von "Malizia 4".
Foto: Gauthier Lebec/Team Malizia/The Ocean Race
Führungswechsel im Ocean Race Atlantic: “11th Hour Racing” und “United by the Ocean” haben Team Malizia nach der dritten Nacht auf See im Kampf um die Führung eingefangen. “DMG Mori Global One” könnte noch folgen. Dazu kam am Samstagmorgen um 10.11 Uhr nach einer Kollision von “Malizia 4” am frühen Morgen eine Eilmeldung von Team Malizia, um die wir diesen Beitrag ergänzt haben.

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Boris Herrmann und seine Crew haben bis Samstagmorgen zwischen 70 und 75 Seemeilen Seemeilen nördlich von “11th Hour Racing”, “United by the Ocean” und “DMG Mori Global One” um ihre lange gehaltene Spitzenposition gerungen. Dann war es zuerst “11th Hour Racing, die im Fernduell zwischen “Malizia 4” und dem südlicher positionierten Trio die Führung übernahm. “United by the Ocean” folgte gegen 9 Uhr morgens deutscher Zeit. Die neue “DMG Mori Global One” könnte es den beiden 2022er-Imocas bald nachtun.

Unglückliche Winde bremsen “Malizia 4” im Ocean Race Atlantic aus

​Dabei ist offensichtlich, dass Team Malizia ihren ehemals guten Vorsprung von bis zu 42 Seemeilen auf die erste Verfolgerin “11th Hour Racing” nicht durch einen plötzlichen Geschwindigkeitsverlust verloren hat, sondern durch die ungünstigeren Winde. Malizia segelte zuletzt deutlich weiter nördlich als “11th Hour Racing”, “United by the Ocean” und “DMG Mori Global One”. Dort geriet das Team auf der neuen Koch-Rakete “Malizia 4” wiederholt in „Headers“. Diese Winddreher ließen den Wind immer wieder ungünstiger von vorne kommen.

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Die Schweizer “Malizia 4”-Co-Skipperin Justine Mettraux hatte schon am Vortag genau dieses Problem beschrieben: Während “Malizia 4” den Wind an Renntag drei plötzlich aus Nordost bekam, konnten die weiter südlich segelnden Konkurrenten ihren Kurs nach Osten wesentlich direkter halten. Team Malizia hatte zuvor bewusst die nördlichere Position gewählt und sich damit zunächst Vorteile gegenüber den südlicheren Booten erarbeitet.

Dann wendete sich das Blatt: Der Vorteil schlug ins Gegenteil um, während die Konkurrenz südlich nun Kapital aus ihrer Positionierung schlagen konnte. Während Malizia immer wieder Höhe aufgeben und nach Norden ausweichen musste, konnten “11th Hour Racing”, “United by the Ocean” und “DMG Mori Global One” weiter nach Osten preschen – und damit auf der direkten Linie zum Ziel deutlich mehr Distanz gutmachen.

Erst Gejagte, jetzt Jägerin: Malizianer müssen kämpfen

Malizia-Fans müssen aktuell im Ocean Race Atlantic erleben, wie “ihr” Boot mit nominell hoher Geschwindigkeit gegenüber etwas langsamereren Booten trotzdem an Boden verliert. Die “Süd-Boote” haben von gleichmäßigerer Windströmung profitiert, sind weniger negativ von Winddrehern beeinflusst worden, wie sie Boris Herrmann, Justine Mettraux, Cole Brauer und Julien Villion zuletzt immer wieder Kopfschmerzen bereiteten.

Bei der neuen Verdier-Imoca “DMG Mori” kamen über Nacht noch hohe Spitzen bis knapp 28 Knoten Bootsgeschwindigkeit dazu. Doch entscheidend war auch beim Vorrücken des japanischen Bootes die besseren Winde. So konnten auch Skipper Kojiro Shiraishi, Samantha Davies, Nico Lunven und Arisa Moriya ihren Speed länger ungebremst von den Winden in Richtung Ziellinie vor Lorient umsetzen. Der vorläufige Verlust der Top-Position von Team Malizia ist nicht einer Schwäche des Bootes, sondern dem Wetter- und Positionsszenario geschuldet.

Dass es auf “Malizia 4” am Vortag einen kleineren technischen Zwischenfall gegeben hat, hatte keine Auswirkungen auf die Positionen: Da war die Abdeckung des vorderen Ballasttanks durch harte Schläge des Bootes in die Wellen weggeflogen. In der Folge drangen etwa 200 Liter Wasser in den Bug. Die Crew verwendete die Abdeckung vom hinteren Tank und pumpte den Bug wieder leer.

Motivator Supersprint: “Malizia 4” bleibt Speedkönigin im Ocean Race Atlantic

Ein Trostpflaster für das aktuelle Positions- und Wind-Ungemach und eine weitere Bestätigung für die schnelle “Malizia 4” hatte es bereits am Freitagabend gegeben, als “Malizia 4” den dritten Supersprint gewann. Dabei bleibt zwar zu berücksichtigen, dass die Boote immer dort gemessen werden, wo sie gerade segeln – und damit in unterschiedlichen Bedingungen –, doch fällt die Dominanz von “Malizia 4” trotzdem auf.

Mit zwei Sprintsiegen und einem zweiten Platz führt “Malizia 4” diese Sonderwertung mit 17 Punkten souverän an. Ihr folgen im Supersprint-Klassement “DMG Mori Global One” (13 Punkte) vor “11th Hour Racing” (12 Punkte), “United by the Ocean” (8 Punkte), Oliver Heers “Embrace the Challenge” (7 Punkte) und Conrad Colmans “MSIG Europe” (6 Punkte). Den nächsten Supersprint zeigen die Veranstalter in ihrer täglichen Live-Sendung ab 17 Uhr via Homepage hier.

Eilmeldung aktuell, 10.11 Uhr: “Malizia 4”-Backbordfoil nach Kollision beschädigt

Am Samstagmorgen erreichte die Redaktion diese Eilmeldung von Team Malizia:

“Am Samstagmorgen gegen 4.30 Uhr UTC (6:30 Uhr deutscher Zeit), während einer Nachtfahrt mit etwa 25 Knoten bei 16 Knoten Wind auf etwa 40° N, 54°W im Nordatlantik am dritten Tag im The Ocean Race Atlantic, informierte Team Malizias Crew unter Skipper Boris Herrmann ihr Landteam darüber, dass ein Aufprall auf das Backbord-Foil der ‘Malizia 4’ – vermutlich durch ein kleines Meeressäugetier oder einen großen Fisch – zu einem technischen Problem mit dem Foil-Hydraulikzylinder geführt hatte.

Alle Besatzungsmitglieder sind sicher. Es scheint weder am Foil noch an der Yacht strukturelle Schäden zu geben. Die Crew hatte das Boot gestoppt, um die Situation zu begutachten und festzustellen, ob eine vollständige, möglicherweise langwierige und komplexe Reparatur erforderlich war oder ob eine provisorische Reparatur an Bord durchgeführt werden konnte. Die Crew hat nun eine Lösung gefunden und den Foil-Hydraulikzylinder erfolgreich gesichert. Von der Seite des Segelstauraums aus wurde das Foil Case notdürftig gesichert, um den Hydraulikzylinder in seiner Position zu arretieren.

Der Hydraulikzylinder wurde zusätzlich festgezurrt, um jegliche Bewegung zu verhindern. Das Foil ruht sicher auf seinen Lagern und bewegt sich nicht mehr. Obwohl sie über den Vorfall betrübt sind, sind sowohl die Crew an Bord als auch das Team an Land erleichtert, eine Lösung gefunden zu haben, die es der Malizia 4 ermöglicht, wieder mit voller Geschwindigkeit zu segeln. Sie werden bei Tageslicht zusätzliche Checks durchführen, um den baulichen Zustand des Foils zu bestätigen, und die Situation weiterhin genau beobachten.”

Replay! Die Wiederholung der täglichen Live Show zum Ocean Race Atlantic, die immer um 17 Uhr bei YouTube gezeigt wird. Hier die Ausgabe vom 3. September:

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Tatjana Pokorny

Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

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