2255 Sekunden betrug die reine Rennzeit von Team Germany übers gesamte SailGP-Wochenende in Valencia. Anders ausgedrückt: In nur vier kurzen Gruppenrennen kam die Crew um Erik Kosegarten-Heil beim spanischen Sail Grand Prix auf eine Netto-Segelzeit von insgesamt gerade einmal 37 Minuten und 35 Sekunden. Zu wenig, befand nicht nur der deutsche Fahrer.
Drei Leichtwindrennen am Samstag folgte in der America’s-Cup-Hauptstadt von 2007 bei der SailGP-Premiere für die Mehrheit der Teams nur noch ein kurzer Lauf am Sonntag. Dann standen schon die Teilnehmer fürs Viererfinale fest. Das krasse Kurzprogramm nahm vor allem dem Heimteam den Wind aus den Segeln.
Los Gallos, am Samstag in drei Rennen mit zwei Tagessiegen und einem zweiten Rang noch souverän die beste Mannschaft des Tages, verstolperten sich im einzigen Sonntagsrennen, kamen erst als Letzte ins Ziel – schon waren die durchaus berechtigten Hoffnungen auf die Finalteilnahme geplatzt.
Wir hatten eine gute Führung nach Tag eins. Wir wollten das Finale hier in Valencia gewinnen. Wir hatten unglaubliche Unterstützung, deswegen tut es umso mehr weh.” Diego Botin
Weil es keine weiteren Rennen gab, eröffnete sich auch keine Chance mehr zum Comeback. Los Gallos musste dem dänischen Team Rockwool Racing im Kampf um den Finaleinzug bei Punktgleichheit den Vortritt lassen. In derselben Gruppe B hatten sich auch die Amerikaner als Top-Team qualifiziert, während Diego Botin, Flo Trittel, Nicole van der Velden, ihre Crew und die spanischen Fans das extreme SailGP-Kurzprogramm in den flauen Winden betrauerten.
Erik Kosegarten-Heil, dem mit Team Germany im einzigen Gruppenrennen am Sonntag mit Rang zwei noch ein hübsches Comeback gelang, sagte: “Wir hatten Punkte aufzuholen, wären gerne weitergesegelt. Vier Rennen insgesamt sind zu wenig, um einen würdigen Sieger festzustellen.”
Doch im SailGP wird bei widrigen Bedingungen wie nur einer Handvoll Knoten Wind und notwendigen Verschiebungen nicht lange gefackelt. Passt nur ein Rennen bis zum Finale, gibt es eben nur eins. In der anderen Gruppe A hatte Red Bull Italy (1, 1, 7, 1) eine sehr ähnliche Bilanz vorzuweisen wie die am Finale vorbeigesegelten Spanier (1, 1, 2, 6).
Weil in Gruppe A aber ein Team mehr (7 statt 6) im Einsatz war und wechselndere Leistungen der Crews für eine etwas ausgeglichenere Gruppenbilanz sorgten, bedeuteten 15 Punkte für Red Bull Italy den Gruppensieg, während 14 Punkte die Spanier schon am Finaleinzug der Top-Zwei jeder der beiden Gruppen hinderten. So brutal knapp geht es im SailGP zu.
Als zweites Team qualifizierten sich bei den Leichtwindspielen im spanischen Rolex SailGP in Gruppe A Australiens Bonds Flying Roos fürs Vierfinale. Team Germany verpasste das Finale auf Platz vier der sechs F50-Foiler in Gruppe B. Mit halb so vielen Punkten wie die Spanier hätte auch Schwarz-Rot-Gold gerne noch weitergekämpft.
Erik Kosegarten-Heil sagte am Sonntagabend in Valencia in einer ersten Bilanz ungeschönt: “Insgesamt sind wir immer noch eher auf der enttäuschten Seite. Das hat nicht unbedingt nur an uns gelegen. Wir haben auch nur wenige Rennen gesegelt, technische Probleme mit dem Boot gehabt und sind deswegen nicht so richtig weit nach vorne gekommen.” Ob sich die intensive Arbeit an der Achillessehne der Starts in den vergangenen Wochen und Monaten bemerkbar gemacht habe?
Der Steuermann antwortete lächelnd: “Ich glaube, ja. Wir sehen es noch nicht, hatten noch nicht viele Starts. Es hat sich insgesamt aber schon bemerkbar gemacht. Ich denke, wir werden es auch in Zukunft so handhaben, dass wir uns mehr Gedanken um die reine Exekution machen. Und weniger um Theorien zum Startaufbau. Das war sehr gut.” Wie gut es am Sonntag lief, ist hier in der Wiederholung der ZDF-Live-Übertragung zu sehen.
Im umkämpften Finale dann setzte sich nach mehreren Führungswechseln die Amerikaner mit Matchrace-Ass Taylor Canfield am Steuer durch. Der frühere Weltmeister im Duellsegeln und seine Crew setzten Australiens „Fliegende Kängurus“ nach mehreren Führungswechseln mit einem starken Last-Minute-Konter im Leichtwindschach matt. Ins Ziel folgten mit Italienern und Dänen die dieses Mal geschlagenen Europäer.
Mit einem Comeback zu siegen, ist immer toll. Aber dieses Team zu besiegen, ist genial.” Taylor Canfield
Dabei fiel in Valencia wieder ein Phänomen auf, das sich wie ein roter Faden schon durch die gesaamte Saison zieht: Noch kein einziges Mal hat in dieser sechsten SailGP-Saison ein Team sein Heimspiel gewinnen können. Nicht die Spanier in Valencia, nicht die schon fünfmal in diesem Jahr siegreichen Australier und auch sonst kein Rennstall. Die letzte Chance, diese schwarze Serie 2026 zu brechen, haben die Schweizer um Sébastien Schneiter in zwei Wochen auf dem Genfersee.
Dem Alpengipfel und damit dem vierten Europa-Event nach Portsmouth, Sassnitz und Valencia blickt auch das Germany SailGP Team by Deutsche Bank optimistisch entgegen. Wenn es am 19. und 20. September auf dem Genfersee zur Sache geht, sind für Erik Kosegarten-Heil und seine Mannschaft damit goldene Erinnerungen verknüpft, denn hier hatten sie 2025 ihren historischen ersten Event-Sieg in der Weltliga SailGP gefeiert.
Den Schweizer SailGP-Gipfel steuern Erik Kosegarten-Heil und Crew mit einigem Optimismus an. Der Fahrer sagte im ZDF: „Genf wird für uns gute Erinnerungen reaktivieren. Dort hatten wir 2025 unseren gigantischen Sieg. Das ist kein Ort, wo wir nicht gerne sind.“ Auch “cool” findet der Fahrer die Aussicht auf ein erneutes Leichtwindrevier.
Wir sind momentan Leichtwind nicht abgeneigt.” Erik Kosegarten-Heil
Tabellenführer bleiben möglicherweise bis zum Saisonende Australiens Bonds Flying Roos (85 Punkte) vor Los Gallos (68) und dem via Valencia-Sieg vorgerückten US-Team (56). Team Germany liegt mit 35 Zählern auf Platz acht. Drei Events bleiben allen, die sich noch Hoffnungen auf den Einzug ins große Finale am 29. November in Abu Dhabi machen.
Dort werden zum Jahresende dann im alles entscheidenden einen Lauf die gesamten Saisonergebnisse der drei Saisonbesten auf Null geschaltet. Wer gewinnt, kassiert zwei Millionen US-Dollar und damit die größte Prämie der Liga, die übers gesamte Jahr 12,8 Millionen US-Dollar ausschüttet.

Freie Reporterin Sport
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