SailGPLos Gallos “sensationell”, “Deadpool” und “Wolverine” im Duell

Tatjana Pokorny

 · 05.09.2026

Hugh Jackman alias "Wolverine" trat mit gelbem Helm auf dem F50-Foiler der Bonds Flying Roos zum Duell gegen Ryan Raynolds alias "Deadpool" im roten Helm auf dem Boot von Kanadas Team NorthStar an.
Foto: Jason Ludlow for Sail Grand Prix
Los Gallos hatten sich fürs SailGP-Heimspiel in Valencia viel vorgenommen – und holten ihre Fans gleich an Tag eins von den Sitzen. Mit zwei Siegen und einem zweiten Rang waren die Spanier die Team des Tages. Viel Spaß hatten am Vortag die Hollywood-Größen Ryan Reynolds und Hugh Jackman alias “Deadpool” und “Wolverine”. Team Germany hatte mehr zu kämpfen als zu lachen.

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Erst kamen sie nicht nach Wunsch in Fahrt, dann verhagelten nicht selbst verursachte technische Probleme Team Germany den ersten der beiden Renntage in Valencia. Mit den Rängen 6, 5 und 4 kamen Steuermann Erik Kosegarten-Heil und sein Team in ihrer Sechser-Gruppe B nach den ersten drei Rennen zunächst nicht über Platz fünf hinaus. Die Frage nach dem “knallharten Leichtwindschach” an diesem Samstag beantwortete der Fahrer mit Humor:

Das knallharte Leichtwindschach hat uns auf eine Probe gestellt, die man an nicht vielen Orten erfährt. Heute war aber gar nicht so viel Schach. Man musste einfach nur gut starten und als Erster an der ersten Tonne sein.” Erik Kosegarten-Heil

Der zweimalige Olympia-Dritte fasste die erste Halbzeit beim Spain Sail Grand Prix in Valencia kritisch zusammen, sagte: “Wir sind eigentlich ganz gut über den Kurs gekommen, haben aber auf dem ersten Reach nicht so richtig den ersten Druck im Boot in Speed umsetzen können. Dann waren wir an der ersten Tonne schon hinterher.” Dazu erklärte der zweimalige Olympia-Dritte zur Startbox: “Es ist ein bisschen knifflig. Man sieht: Im Hintergrund ist noch diese Mole. Die gibt eine gewisse Menge an Abwinden.”

Ganz schlecht waren die Starts von Schwarz-Ro-Gold an diesem Tag nicht, doch fehlte es an der zwingenden Umsetzung. Erik Kosegarten-Heil sagte: “Für uns ist jetzt nicht nur der Start wichtig, sondern auch der Reach, so dass wir auf jeden Fall an dieser ersten Tonne gut ankommen.”

​Team Germany in Valencia auf dem falschen Fuß erwischt

Etwas wehmütig blickte Kosegarten-Heil dabei auf den ersten Start des Tages zurück, sagte: “Es ist ein bisschen ärgerlich mit diesem ersten Start: Wir waren in Position, wir waren bei der Ausführung. Und wenn so ein Ding gut läuft, gehst du mit anderem Vertrauen in den nächsten Start, triffst die richtigen Entscheidungen und bist auf einmal im Flow. Mit so etwas bringst du das Team aus der Ruhe. Bisschen schade, dass wir da nicht mehr draus gemacht haben.”

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Durch die Mole wird die Startbox vergleichsweise klein. ZDF-Co-Kommentator Felix van den Hövel verglich sie mit jener auf dem Rennkurs von Sassnitz. Wie das deutsche Team mit diesen Verhältnissen am Sonntag besser umgehen kann, wird Teil des umfassenden Debriefings sein.

Erik Kosegarten-Heil sagte: “Es war für uns heute eine Überraschung, wie der Kurs gelegen hat. Die Grafiken davor waren mehr oder weniger anders. Wir waren anders vorbereitet für den Start. Wir werden besprechen, was wir heute erlebt haben und uns vorbereiten auf das, was wir dann sehen.”

Unverschuldete Technikpanne sorgt wiederholt für Probleme an Bord des GER-Foilers

Hinzu kam für Schwarz-Rot-Gold im ersten und im zweiten der drei Rennen an Tag eins bei Rolex SailGP in Valencia ein technisches Problem mit den Fußpedalen von Flügeltrimmer Kevin Peponnet. Dass Team Germany das Problem schon bei den Übungsrennen am Freitag bekanngegeben hatte, es aber erneut auftrat, war unglücklich.

Die Pedale haben unterschiedliche Funktionen, können unter anderem die Foils hoch- und runterbewegen, wie Felix van den Hövel im ZDF erklärte. “Wenn das nicht funktioniert, wenn das hakt, dann macht das Boot nicht, was Kevin gerade will,” so Felix van den Hövel, selbst früher Grinder im Team. Erik Kosegarten-Heil erklärte nach den Rennen: “Es bedeutet, dass das eine Board nach einem Manöver nicht schnell genug hochkommt.”

Die Folgen erklärte der Steuermann auch: “Wenn das nicht schnell genug hochkommt, können wir nicht schnell genug weitersegeln. Das war in diesem Fall leider in extrem kritischen Momenten. Wir hatten uns auf eine sehr kurze Distanz zurückgekämpft in Schlagdistanz zu unseren Gegnern. Mit einem taktischen Vorteil für die nächste Wendemarke. Und in beiden Fällen sind wir dann geschädigt worden. Es haben dann die ein, zwei Meter gefehlt, um davon zu profitieren.”

Los Gallos glänzen in der Gruppe B

Diese Rückschläge waren auch im Klassement teuer. Erik Kosegarten-Heil sagte: “Das hat uns am Ende für den heutigen Tag vier Punkte gekostet für den heutigen Tag. Und dann sieht so ein Tag eben auch anders aus, wenn wir normal mit diesen Starts und Reaches mit sieben Punkten rausgehen. Jetzt gehen wir mit drei Punkten raus.”

Das war das größte Tief heute für uns auf dem Wasser.” Erik Kosegarten-Heil

Das Problem konnte vom SailGP-Techteam zwischen dem zweiten und dritten Rennen der Gruppe B erstem Anschein nach behoben werden. Die genauen Ursachen für die Probleme sollten am Abend noch untersucht werden. Die Glanzpunkte in Gruppe B setzte zur Freude des Publikums das Heimteam: Los Gallos gewannen die ersten beiden Läufe mit starken Starts und fokussierter Arbeit auf dem Kurs. Nicht nur Felix van den Hövel beschrieb die Leistung der Spanier als “sensationell”.

SailGP in Valencia: Hähne und Kängurus dominieren

Beim ersten Sieg kamen die 49er-Olympiasieger Diego Botin und Flo Trittel, Strategin Nicole van der Velden und ihr Team in sechs bis gut neun Knoten Wind auf 99,6 Prozent “Fly Time”, also Flugzeit auf den Foils. Im zweiten Rennen war zwar das dänische Team Rockwool Racing mit 77,2 Prozent etwas besser im Zeitlupenfliegen, mussten aber Los Gallos (dt.: die Hähne) im früheren America’s-Cup-Revier in noch leichteren Winden den Rennsieg überlassen. Im dritten Rennen dann tauschten Spanier und Dänen die Plätze.

Den Tag beendeten Los Gallos mit 14 Punkten vor Rockwool Racing (12 Punkte) und dem U.S. SailGP Team (10 Punkte). Auf nur 4, 3 und 2 Punkte kamen zunächst DS Automobiles Frankreich, Team Germany und NorthStar Canada. In Gruppe A verteilten sich die Punkte etwas gleichmäßiger. Hier führten zur SailGP-Halbzeit in Valencia Tom Slingsbys Rekordsieger und Favoriten der Bonds Flying Roos (11 Punkte) vor Red Bull Italy (10 Punkte) mit Steuermann Phil Robertson.

Die Italiener erlebten den krassesten Tag, gewannen das erste Rennen, wurden im zweiten Letzte, um dann den nächsten Rennsieg in leichten Winden zu erkämpfen. Mit 7 Punkten wahrten auch Dylan Fletcher und Team Emirates GBR (7 Punkte) sowie Sébastien Schneiters Team Explory Journeys Swiss und das schwedische Team Artemis mit Fahrer Nathan Outteridge (beide 6 Punkte) ihre Finalchancen.

SailGP goes Hollywood: “Deadpool” vs. “Wolverine”

Völlig von der Rolle waren Peter Burling und die Black Foils, die nach ihrer Finalteilnahme beim Rekordfestival von “Flashnitz” mit den leichten Winden auf dem Valencia-Rennkurs nicht zurechtkamen. Die Kiwis hatten sich mit einem Frühstart schon zum Auftakt selbst ein Bein gestellt und wurden später durch einen Penalty nochmals zurückgeworfen. Die Co-Favoriten hatten am Samstagabend in Gruppe A bei nur zwei Punkten auf dem SailGP-Valencia-Konto die rote Schlusslichtlaterne im Heck hängen.

Der Spain Sail Grand Prix in Valencia wird am Sonntag mit der zweiten Halbzeit fortgesetzt. Beiden Gruppen bestreiten je zwei weitere Rennen, bevor die jeweils besten beiden Teams jeder Gruppe ins Finale einziehen. Das ZDF überträgt die Rennen im Livestream hier wieder ab 13.30 Uhr.

Spaß hatten in Valencia mit der Segel-Formel 1 auch “Deadpool” und “Wolverine”: Die Hollywood-Größen Ryan Reynolds und Hugh Jackman, Co-Eigner des australischen Teams Bonds Flying Roos, lieferten sich mit dem eigenen und mit dem kanadischen F50-Foiler ein Freundschaftsduell auf dem SailGP-Kurs:

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Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

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