SailGP19 Jahre nach dem Cup-Hit – SailGP-Premiere in Valencia

Tatjana Pokorny

 · 03.09.2026

Der Rolex SailGP kommt erstmals nach Valencia. Los Gallos fiebern ihrem Heimspiel schon entgegen.
Foto: Ricardo Pinto for SailGP
America’s-Cup-Fans werden sich gut erinnern: 2007 fand in Valencia eine der erfolgreichsten Editionen der Cup-Geschichte statt. Sie begann damals windarm, wurde dann aber zum Segel- und zum Publikumsknaller. Am kommenden Wochenende könnte es ähnlich laufen – nur komprimiert an zwei Tagen. Die besonderen Segelherausforderungen beim Wechsel von “Flashnitz” nach Valencia erklärt SailGP-Coach Lennart Briesenick.

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Los Gallos fiebern der SailGP-Premiere in Valencia schon seit Wochen entgegen. Was der jüngste Sassnitz-Gipfel für das Germany SailGP Team war, ist das Valencia-Event für das spanische Team um Steuermann Diego Botin, Flügeltrimmer Flo Trittel, Strategin Nicole van der Velden und ihre Crew: das Heimspiel vor voraussichtlich tosendem Publikum.

Nach fast zwei Jahrzehnten: vom America’s-Cup-Hit zum SailGP-Gipfel

Veranstalter, Teams und Fans versammeln sich gut 19 Jahre nach dem 32. America’s Cup wieder in der Marina de Valencia. Im maritimen Zentrum der Mittelmeermetropole stehen immer noch viele Gebäude, die den damaligen America’s-Cup-Teams als Hauptquartiere dienten. Ob Gullydeckel mit America’s-Cup-Prägung, das markante Uhrgebäude (Edificio del Rioj) oder das von Stararchitekt Davis Chipperfield mitentworfene und preisgekrönte Gebäude Veles e Vents, das zum Wahrzeichen der Marina wurde: Hier erinnert immer noch vieles an den Cup-Gipfel von 2007 mit damals zwölf Teams aus neun Nationen.

Am Wochenende wird nun ein neuer frischer Wind direkt vor Valencias Küste wehen. Die Weltliga SailGP kreuzt hier erstmals auf. Von den australischen Tabellenführern der Bonds Flying Roos über Spaniens co-favorisierte Los Gallos und das Germanys SailGP Team bis zu den brasilianischen Liga-Schlusslichtern: alle 13 Teams aus 13 Nationen sind bereits in Valencia und hoffen am heutigen Tag auf gute Trainingsbedingungen. Hier geht es zu den Zwischenständen der Saisonmeisterschaft.

Um diese Jahreszeit ist es immer noch warm in Valencia. Die Temperaturen steigen bis auf knapp unter 30 Grad. Team Germanys Coach Lennart Briesenick sagte: “Wir stellen uns eher auf leichte Bedingungen ein, auch wenn es am Sonntag vielleicht etwas anders aussehen könnte.” Die erwarteten Leichtwindbedingungen stellen alle Teams vor die Notwendigkeit zur Umstellung.

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Von “Flashnitz” zum Zeitlupensegeln in Valencia?

​Lennart Briesenick erklärte: “Wir konzentrieren uns auf Umstellung vom kleinen Wing und Ballermann zu einer Konfiguration, die wir im Prinzip noch nicht im Rennmodus gesegelt sind: 4 POB (Red.: vier Personen/Segler an Bord), wobei Anna oder Victoria hinten sind.” Briesenick wies damit auf eine neue SailGP-Regel hin, nach der die Strateginnen und Strategen nicht mehr grinden dürfen.

Hintergrund der neuen Regel ist, dass die Liga unter anderem nach dem Dreier-Crash in New York künftig nicht mehr auf wachsame Strategenaugen verzichten will, um Kollisionen vorzubeugen. Sind die Strateginnen und Strategen jedoch am Grinder gefordert, können sie nicht mehr ausreichend Ausschau halten. Das soll eines der Probleme beim Startcrash in New York gewesen sein.

Die neue Regel schiebt in der Vierer-Crew-Konstellation bei leichteren Winden den verbliebenen drei Seglern an Bord mehr Aufgaben zu. Es geht für alle 13 SailGP-Teams nun auch darum, diese Aufgaben bestmöglich zu verteilen. So wird beispielsweise Flight Controller James Wierzbowski auch mal nach vorne springen müssen. Die Strategin kann möglicherweise die Fock mittrimmen. “Wir haben intensiv an dieser Neukonstellation gearbeitet und tun es weiter”, sagte Lennart Briesenick.

Wir werden sehen, welche Teams sich gut von Sassnitz umstellen können: von Highspeed, viel Wind, kleinem Wing und Vollspeed zu einem Event mit vier Leuten an Bord und marginalen Bedingungen. Das ist schon eine andere Welt.” Lennart Briesenick

Briesenick verglich die voraussichtlich anstehende Aufgabe ein wenig mit dem Segelna auf Einrumpfbooten, sagte: “Das ist dann an sich fast ein bisschen wie Dickschiffsegeln, wenn man da mit beiden Rümpfen im Wasser ist. Man hat ja trotzdem noch drei Tonnen. Die an der Linie und um die Tonnen herum zu managen, das Boot trotzdem filigran zu segeln, dass man immer Momentum im Boot hält und in den leichten Bedingungen keine Strömungsabrisse hat, ist eine große Herausforderung.”

SailGP in Valencia: sehr leichte Winde am Samstag, mehr Druck am Sonntag?

Anders als beim 32. America’s Cup 2007, werden die SailGP-Rennen – wie sonst auch – dicht unter Land vor den Tribünen ausgetragen. Für den Rennkurs gäbe es kaum “echte Vorerfahrungen”, so Briesenick. Kernaufgabe sei es, sich auf die Leichtwindumstellung zu fokussieren. Für das deutsche Team war am Donnerstag noch eine Simulator-Session vorgesehen. “Die nutzen wir nochmal als Trockentraining. Dann haben wir am Freitag die Practise Races.”

Nicht ausgeschlossen war aus Sicht von Briesenick, dass es für die Rennen am Sonntag mehr Druck gibt. “Der Sonntag sieht momentan vom Wind her gar nicht so schlecht aus, deutlich am oberen Ende der Seabreeze. Insofern kann es ein ein sehr interessantes Wochenende werden: am Samstag leichter, am Sonntag mit etwas mehr Wind.”

Die Einschätzung teilte auch SailGP-Wettermann Chris Bedford, der sagte: “Ich denke, dass es in Valencia im Vergleich zu dem, was wir bei den letzten paar Events erlebt haben, recht ruhig zugehen wird. Es ist ein interessantes Revier, weil wir hier eine sehr leichte Seebrise haben können.” Bedford weiß aber auch: “Wir sind schon spät in der Seebrisen-Saison. Die Seebrise ist hier früher im Sommer stärker, wenn sich das Land erwärmt, das Wasser aber saisonbedingt noch kälter ist.”

Spaniens Goldsegler mit Heimvorteil?

​Die Vorhersage, so Bedford, deute kurz vor dem Valencia-SailGP-Gipfel auf einen sehr leichtwindigen Samstag hin. Am Sonntag dagegen wird eine leichte bis mäßige Seebrise erwartet. Auch wenn Bedford nicht mit völliger Windstille rechnet, könnte es Phasen geben, in denen sich die F50 genau an der Schwelle zwischen Verdrängungssegeln und Foilen befinden. Das könnte ganz andere Fähigkeiten entscheidend machen.

Für die Crews könnte sich diese Veränderung nach den Bedingungen in Deutschland wie ‘ein kleiner Schock“ anfühlen.” Chris Bedford

Weiter erklärte Bedford: “Wir haben keine großen Wettersysteme, wie wir sie in Sassnitz hatten. Wir haben keine starke, relativ frische Seebrise wie in Portsmouth und wir haben kein so wechselhaftes Wetter wie in New York und Halifax. Das wird für die Crews eine ganz andere Herausforderung darstellen, als sie es seit einiger Zeit gewohnt sind.“ Sein Tipp: Man solle auf die Spanier achten. Bedford sagte: “Ich glaube, dass sie die Fähigkeiten haben, in ungewöhnlichen Bedingungen Chancen zu finden.”

Spaniens 49er-Olympiasieger und SailGP-Fahrer Diego Botin vor dem Valencia-Heimspiel im Portrait. Mit Kommentaren von Florian Trittel und Nicole van der Velden. Botins Vater hat ihn einst als Mini-Transat-Segler inspiriert. 2024 gelangen dem Sohn goldene Erfolge wie die SailGP-Meisterschaft und der Olympia-Triumph in mit Flo Trittel:

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Tatjana Pokorny

Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

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