Max Gasser
· 20.06.2026
Die 132. Kieler Woche ist eröffnet – zumindest fast. Während die offizielle Zeremonie erst am Abend auf dem Rathausplatz stattfindet, richtet sich der Blick der Segler bereits seit den frühen Morgenstunden auf die Regattabahnen vor Schilksee. Das erste Ankündigungssignal für die Teilnehmer der Aalregatta von Kiel nach Eckernförde ertönte bereits um 9 Uhr, die olympischen Segler konnten ausschlafen und starten heute Mittag in ihre ersten Wettfahrten.
Die Voraussetzungen für einen erfolgreichen Auftakt sind gegeben. Nach den nächtlichen Gewittern soll sich die Wetterlage im Tagesverlauf stabilisieren. Die Meteorologen erwarten auf den meisten Bahnen westliche bis südwestliche Winde um acht bis zwölf Knoten. Erst für den Nachmittag bleibt noch eine kleine Unsicherheit durch mögliche Schauer und Gewitter. Für die Aktiven bedeutet das: Segelbedingungen, die zum Auftakt zahlreiche Wettfahrten ermöglichen sollten.
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Für die Veranstalter ist das eine deutlich angenehmere Ausgangslage als an manchem Eröffnungstag der vergangenen Jahre. Das hochkarätige olympischen Auftaktprogramm verspricht somit ein spannendes innoffizielles Bewerbungsschreiben für die angestrebte Ausrichtung der Spiele in den Jahren 2036, 40 oder 44. Sechs der zehn olympischen Segeldisziplinen sind ab heute in der ersten Hälfte der Regattawoche auf der Förde im Einsatz. Neu ist das Finale: Statt eines einzigen Medal Races werden die Serien erstmals mit zwei Medaillenrennen abgeschlossen. Das soll die Entscheidung bis zum letzten Wettfahrttag offenhalten und Ausreißer stärker ausgleichen.
Aus deutscher Sicht ist die Nationalmannschaft nahezu in Bestbesetzung vertreten. Im Ilca 7 geht der dreimalige Olympiateilnehmer und frisch gebackene Vizeeuropameister Philipp Buhl an den Start. Hinzu kommt mit Ole Schweckendieck eines der größten deutschen Talente der Klasse. Im 470er zählen die Vizeweltmeister Simon Diesch und Anna Markfort zum erweiterten Favoritenkreis. Auch die deutschen Skiff-Teams sind stark besetzt: Im 49er greifen unter anderem die WM-Vierten Jakob Meggendorfer und Andreas Spranger sowie Richard Schultheis und Fabian Rieger ins Geschehen ein. Bei den Frauen richten sich die Blicke im 49erFX auf die Kielerinnen Maru Scheel und Freya Feilcke sowie Sophie Steinlein und Catherine Bartelheimer. Insgesamt stehen 19 aktuelle oder ehemalige WM- und EM-Medaillengewinner ihrer Klassen in den Meldelisten.
Neben den olympischen Klassen steht auch in diesem Jahr vor allem der Offshore-Segelsport im Fokus. Nach dem Auftakt mit der traditionellen Aarlregatta folgt unter anderem das Silberne Band sowie die IDM Offshore. Diese wird in diesem Jahr erstmals im Rahmen der neuen Viking Challenge ausgetragen. Die Kieler Woche bildet gemeinsam mit dem Marstrand Big Boat Race in Schweden und der Blue Week im dänischen Middelfart den Kern dieser neuen ORC-Regattaserie.
Nicht nur auf dem Wasser beginnt heute die Kieler Woche. Auch an Land nimmt das Programm Fahrt auf. Im Olympiazentrum treffen Aktive, Betreuer, Zuschauer und Besucher aufeinander. Besonderes Interesse gilt dabei Boris Herrmann und Team Malizia. Der Hamburger ist mit seinem Team, dem GC32-Katamaran „Malizia 1“ und dem Forschungsschiff „Malizia Explorer“ in Kiel. In den kommenden Tagen stehen mehrere öffentliche Termine und Begegnungen mit Besuchern auf dem Programm. Bereits gestern war der 45-Jährige gemeinsam mit dem Big-Wave-Surfer Sebastian Steudtner auf der Bühne in der Sailing Arena im Olympiazentrum Kiel-Schilksee zu sehen. Heute lädt Herrmann mit seinen Co-Skippern Cole Brauer und Will Harris dort ab 18 Uhr zur Fan- und Autogrammstunde.
Bereits um 12 Uhr wird in der Sailing Arena zudem die Eröffnungsfeier der Kieler-Woche-Regatten zelebriert. Der formelle Startschuss fällt jedoch erst am Abend. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier eröffnet die 132. Kieler Woche ab 19 Uhr auf dem Rathausplatz. Anschließend richtet sich die Aufmerksamkeit endgültig auf die kommenden neun Tage, in denen sich Kiel wieder ganz dem Segelsport und dem Sommerfestival widmet.

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