Die Menschen im Heimathafen der Kieler Woche sind für eine Bewerbung der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt um die Co-Ausrichtung Olympischer Sommerspiele in den Jahren 2036, 2040 oder 2044. Rund 192.000 Wahlberechtigte waren beim Kieler Olympia-Referendum an diesem 19. April zur Abstimmung aufgerufen. Das Votum fiel mit 63,5 Prozent “Ja”-Stimmen deutlich aus. 36,5 Prozent stimmten mit “Nein”.
Im Vergleich zum Referendum auf Bewerbungskurs für die Olympischen Spiele 2024 – damals waren 65,6 Prozent der Kieler für Olympia in der eigenen Stadt, 34,4 Prozent dagegen – hat sich an der positiven Einstellung der Schleswig-Holsteiner nur wenig verändert. Ihre Stadt soll gerne zum dritten Mal nach 1936 und 1972 eine olympische Segelregatta ausrichten. Und womöglich auch Gastgeberin für weitere Wettkämpfe sein.
Kiels scheidender Oberbürgermeister Ulf Kämpfer sagte: “Ich freue mich über dieses fulminante Ergebnis. Fast zwei Drittel, ganz nah an München dran. Die waren ja auch sehr stark. Und anders als in 2015, wo wir (Red.: gemeint ist Kiel) ja schon mal gewonnen haben, steht ja noch nicht fest, wer in Deutschland antritt. Wir haben noch einen starken Konkurrenten mit Rostock-Warnemünde. Dort gab es gar keinen Bürgerentscheid. Deswegen ist das hier heute ein ganz starkes Signal an den DOSB und die Hauptbewerberstädte: mit Kiel ist zu rechnen!”
Kiel steht voll auf Olympia.” Ulf Kämpfer
Kiels Obermotivator auf olympischem Kurs und Kieler-Woche-Fan Kämpfer sagte im Schleswig-Holstein-Magazin des NDR auch: “Wir machen die Bewerbung ja mit dem Land. Ich wechsle in die Landespolitik. Wo immer ich bin, werde ich die Olympia-Bewerbung kraftvoll weiter unterstützen.” Das dürfte auch bei der 132. Kieler Woche zu spüren sein, die in diesem Sommer vom 20. bis 28. Juni stattfindet.
Mit dem Votum haben die Kieler ihre Lust auf Olympia unterstrichen. Zuvor hatten Politik, Wirtschaft und Sport stark für Olympia geworben. Auf der offiziellen Seite der Stadt hieß es: “Kiel kann Olympia, will als Segelstandort dabei sein. Denn Segeln ist in der DNA von Kiel.Sailing.City fest verankert.” Nach der positiven Abstimmung vermeldete die Landeshauptstadt: “Kiel wird sich daher weiter im Bewerbungsprozess für Olympische und Paralympische Spiele engagieren.”
Offen bleibt die Frage, an wessen Seite das möglich werden kann. Mit Hamburg, München, Berlin und Köln-Rhein-Ruhr bewerben sich insgesamt vier große Kandidaten um die Ausrichtung der Olympischen Spiele in 2036, 2040 oder 2044. Abhängig davon, welcher Bewerber nach nationalen Entscheidung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) am 26. September in den internationalen Ring geschickt wird, sind Kiel oder Rostock-Warnemünde an Bord.
Zwei der großen Kandidaten haben sich nur für Kiel (Hamburg, München), einer für Kiel oder Rostock-Warnemünde (Köln-Rhein-Ruhr) als Segel-Partner entschieden.Berlin gab bereits Rostock-Warnemünde das alleinige Jawort für den Fall der Hauptstadt-Nominierung zum deutschen Bewerbungskandidaten.
Während sich die Münchner in ihrem Referendum bereits im Oktober 2025 klar für Olympia ausgesprochen hatten, lief parallel zur Kieler Bürgerbefragung an diesem 19. April auch das Olympiareferendum beim Kandidaten Köln-Rhein-Ruhr. In Nordrhein-Westfalen waren mehr als vier Millionen Menschen zur Abstimmung aufgerufen worden. Rund 1,4 Millionen haben nach ersten Einschätzungen teilgenommen.
Erste Abstimmungsergebnisse ergaben dort beispielsweise in Dortmund und Duisburg eine hohe Zustimmung von jeweils rund 70 Prozent, in Aachen gar mehr als 75 Prozent. In Herten dagegen kam die notwendige Mindestbeteiligung am Referendum nicht zustande. Dadurch scheidet die Stadt aus der Bewerbung aus. Hier können die Ergebnisse der einzelnen Städte der NRW-Berwerbung eingesehen werden.
Auch darüber hinaus bleibt es spannend bei der Kandidatenkür, denn in Hamburg steht das Olympia-Referendum noch aus. Zwischen Elbe und Alster sind die Befürworter optimistisch, die knappe Abstimmungslage aus dem Jahr 2015 dieses Mal in ein “Ja” umwandeln zu können. Per Briefwahl und am 31. Mai sind die Bürger und Bürgerinnen der Hansestadt um ihr Votum gebeten. In Hamburg steht die angestrebte Olympia-Bewerbung unter dem Motto “Eine Chance für alle”.
Bis zum 4. Juni müssen alle interessierten Bewerber danach ihre Konzepte beim DOSB einreichen. Knapp vier Monate bleiben danach national, den besten Kandidaten als deutschen Bewerber auf internationaler Bühne zu ermitteln und zu wählen. Dann fällt auch die Entscheidung darüber, welches Segelrevier sich mitbewerben darf. Für alle gilt, was Hamburgs Sportsenator Andy Grote zu den intensiven Bemühungen sagte: “Olympia ist das, was wir alle gemeinsam daraus machen.”

Freie Reporterin Sport