Am Sportprogramm der 132. Kieler Woche nimmt Boris Herrmann in diesem Jahr nicht teil. Dennoch ist der sechsmalige Weltumsegler der Segelstar der weltgrößten neuntägigen Regattawoche. Der 45-Jährige und Team Malizia haben ihr Forschungsschiff «Malizia Explorer» und ihren GC32-Rennkatamaran «Malizia 1» nach Kiel gebracht. Geplant sind viele Gästeaktivitäten, Interaktionen mit Fans und nach einem NDR-Bericht auch ein Segeltörn mit Frank-Walter Steinmeier am Samstag, bevor der Bundespräsident am Abend die Kieler Woche in der Innenstadt eröffnet .
Wenn Boris Herrmann in Kiel ist, trifft man ihn im Herzen des Segelsports: “Ich mag Schilksee und Strande gerne. Insbesondere ist Strande für mich so ein Heimatort. Ich finde aber auch die gesamte Kieler Woche mit allen ihren Veranstaltungen bis in die Stadt runter spannend. Zur Kieler Woche herrscht hier so eine besondere Energie.”
Ende der 1990er-Jahre hatte Boris seine ersten Kieler Wochen mit Freunden vom Bad Zwischeahner Segel-Club erlebt. Nach seinem Abitur im Jahr 2000 dann auch im 470er, später auf größeren Booten wie beispielsweise dem GC32-Katamaran, mit dem Team Malizia schon 2021 bei der Kieler Woche gestartet war und der jetzt wieder zu Besuch ist.
«Die Kieler Woche ist für mich Heimatrevier, Tradition und auch eine Möglichkeit, unser Forschungsschiff «Malizia Explorer» auf seiner Route beim Geomar in Kiel zu haben», sagt Boris Herrmann, der etwa ein Dutzend Male in verschiedenen Bootsklassen an der Kieler Woche teilgenommen hat. Sein bestes Kieler-Woche-Ergebnis hat er sich gut gemerkt: 2006 war er mit Julian Kleiner Zweiter im 505er hinter dänischen Siegern, konnte dabei Rekordsieger Wolfgang Hunger und Holger Jess hinter sich lassen.
Aus der langjährigen Verbundenheit zur schleswig-holsteinischen “Sailing City” heraus ist Herrmann auch im Ringen der Bewerber um die Nominierung zum deutschen Kandidaten für die Austragung Olympischer und Paralympischer Spiele in den Jahren 2036, 2024 oder 2044 klar positioniert: “Wo auch immer Olympia in Deutschland stattfindet, Segeln sollte auf jeden Fall gerne in Kiel stattfinden. Da wären wir alle froh und stolz.”
Sport bringt Menschen zusammen, schafft Erinnerungen, schafft Identität, macht eine tolle Stimmung. Das gab es früher schon hier. Deswegen würde ich mich total freuen, wenn Olympia wieder nach Kiel käme.” Boris Herrmann
Er selbst hat längst das Fach gewechselt, ist seit bald einem Jahrzehnt in der Imoca-Klasse aktiv. Zwei Vendée Globes, ein Ocean Race um die Welt hat er solo und im Team bestritten. Im zehnten Jubiläumsjahr von Team Malizia hat inzwischen ein neues Fünf-Jahres-Kapitel begonnen. Dafür hat Team Malizia eine neue Imoca gebaut, die sich in Lorient ihrer baldigen Vollendung nähert.
Davor aber stehen die Malizia-Aktionen zur Kieler Woche. «Wir wollen alle unsere Projekte und Pläne zur Kieler Woche mit Gästen und Fans teilen», sagt Herrmann vor dem Eröffnungswochenende zum Kieler XL-Auftritt von Team Malizia. Schon vor der offiziellen Eröffnung kommt Boris Herrmann zum zum Gespräch mit Big-Wave-Surfer Sebastian Steudtner auf die Bühne in der Sailing Arena im Olympiazentrum Kiel-Schilksee.
Herrmann sagt über Steudtner: “Sebastian und ich sind Freunde. Wir haben uns in Monaco bei der Taufe des Explorers kennengelernt. Wir haben auch einige Parallelen zwischen unseren Aktivitäten, Lebenswegen und persönlichen Einstellungen festgestellt. Dem, wonach wir suchen, was uns beschäftigt. Für mich ist Sebastian eine spannende und charismatische Persönlichkeit in der Welt des Sports. Sein Film ist auch großartig. Ich freue mich, dass wir zusammen verschiedene Projekte machen. Unter anderem jetzt in Kiel.”
In der Sailing Arena im Olympiazentrum Kiel-Schilksee werden die beiden Extremsportler schon an diesem Freitagabend (19. Juni) ab 18.30 erwartet. Wir wollen über Sicherheit auf dem Wasser sprechen. Auch im Hinblick auf das Risiko der Hypoxie und den Todesfall, den wir in Brasilien an Bord der ‘Malizia Explorer’ hatten”, sagt Boris Herrmann. Bei einer Expedition der “Malizia Explorer” war am 22. April vor der brasilianischen Inselgruppe Fernando de Noronha der 32-jährige Mitsegler Lukas Wehage beim Tauchen tödlich verunglückt.
Am Kieler-Woche-Samstag kommt Boris Herrmann mit seinen Co-Skippern Cole Brauer und Will Harris ab 18 Uhr zur Fan- und Autogrammstunde in die Sailing Arena. Wenn dann zur Halbzeit der Kieler Woche am 24. Juni die Medaillenentscheidungen bei den Olympiaseglern fallen, wird Team Malizias Forschungsschiff schon auf dem Weg zur Sustainability Week in Hamburg sein.
Für Herrmann sind es dann nur noch zwölf Tage bis zum Stapellauf von “Malizia 4” in Lorient, für den nun auch der Termin festgelegt wurde: Die Neue wird am 6. Juli in Lorient in Frankreich erstmals in ihr Element gebracht. Mit der “Malizia 4” wollen wollen Boris Herrmann und sein Team schon ab 1. September am Ocean Race Atlantic teilnehmen. Mittel- und langfristig sollen das Ocean Race 2027 und Herrmanns dritte Vendée-Globe-Teilnahme 2028 die Höhepunkte sein.
Mit der neuen Rennyacht verknüpft Boris Herrmann im zehnten Jubiläumsjahr von Team Malizia große Hoffnungen. Der sechsmalige Weltumsegler sagte: “Ich hoffe, ‘Malizia 4’ im Ocean Race zum Sieg zu führen, bei der Vendée Globe ganz vorne mit dabei zu sein und eine Top-Kampagne abzuliefern.” Der Startschuss zur ersten Bewährungsprobe für “Malizia 4” fällt mit dem Teamrennen Ocean Race Atlantic ab 1. September von New York nach Lorient.
Davor wird “Malizia 4” noch nach New York überführt. Seinem neuen Boot blickt Boris Herrmann optimistisch und voller Vorfreude entgegen: “Ich glaube, das wird ein super Schiff!” Die knappe Zeit bis zum ersten Regattaeinsatz gelte es nach dem Stapellauf gut zu nutzen, weiß Herrmann. “Wir sind darauf angewiesen, dass sie gut segelt, sonst würde es alles nicht funktionieren. Dann ist die Überfahrt nach New York auch noch einmal eine gute Trainingsfahrt. Das kommt jetzt alles sehr schnell auf uns zu.”

Freie Reporterin Sport
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