Golden Globe Race 2022Bruch, Comeback und die erste Aufgabe

Morten Strauch

 · 16.09.2022

Golden Globe Race 2022: Bruch, Comeback und die erste AufgabeFoto: GGR

Am 4. September startete mit dem Golden Globe Race 2022 die zweite Neuauflage des legendären Sunday Times Golden Globe Race von 1968/69 im französischen Offshore-Mekka Les Sables-d’Olonne

Nach 12 Tagen auf See (200 + x Tage werden noch folgen) wollen wir einen ersten Zwischenstand dieser einzigartigen Retro-Regatta geben.

Damien Guillou greift nach Zwangspause wieder an

Damien Guillou, der französische Top-Favorit auf den Sieg, musste bereits am 7. September zurück nach Les Sables-d’Olonne segeln, nachdem es ihm tags zuvor in der Biskaya bei 30 Knoten Wind seine Selbststeueranlage zerlegt hatte. In der Nacht zum 7. September versuchte er noch fieberhaft das System auf See zu reparieren, was ihm aber aufgrund des schweren Seegangs unmöglich war.

Laut Reglement des GGR 2022 darf jeder Skipper in den Starthafen zurückkehren, um Reparaturen vorzunehmen, und das Rennen ohne Strafen fortsetzen, sofern dieses bis zum 11. September 2022 um 1600 UTC wieder aufgenommen wird. Prominente Hilfe bekam Guillou bei der Reparatur von Vincent Riou, dem Vendée Globe Sieger von 2004.

Damien Guillou bei der Reparatur seiner SelbststeueranlageFoto: Nora Havel
Damien Guillou bei der Reparatur seiner Selbststeueranlage

Bereits am 10. September konnte Guillou seine Reparaturen abschließen, nachbunkern und die Verfolgung des Regattafeldes aufnehmen. Zu seinem Landsmann Arnaud Gaist hat er bereits Tuchfühlung vor der Küste Portugals aufgenommen.

Starkwinde und hoher Seegang fordern die gesamte Flotte

Auch die anderen Solo-Skipper leiden unter dem unaufhörlichen Starkwind von vorn. Lecks, Kurzschlüsse sowie Probleme mit dem Funkgerät und dem Wetterfax wurden bereits mehrfach gemeldet. Guy deBoer (USA) wurde seekrank und verletzte sich am Bein, ist aber inzwischen wieder auf Spur. Ertan Beskardes (UK) wurde an Deck von einer Welle getroffen, fiel in sein Cockpit und wurde bewusstlos, wobei er sich auch noch am Arm verletzte. Hilfe bekam er von den 24-Stunden-Telemedizinern des GGR. Mit typisch britischem Humor seine Nachricht zur Entwarnung: „Alles gut an Bord, nur langsame Fortschritte, Wetter gut, Essen super.“

Tapio Lehtinen aus Finnland
Foto: GGR

Edward Walentynowiz (CAN) hat aus persönlichen Gründen entschieden, das Rennen abzubrechen, und ist wieder in Les Sables-d’Olonne angekommen.

Der Österreicher Michael Guggenberger, auch geläufig als „Captain Gugg“, scheint das Rennen trotz aller Widrigkeiten zu genießen, so erzählt er über das Satellitentelefon. Der 44-jährige Zimmermann hat schon als Bauleiter, Musikveranstalter, DJ, Heilmasseur und Filmkulissenbauer gearbeitet, bevor er 2012 zum Segeln kam. Augenblicklich mit dem Segelvirus infiziert, hat er seitdem jede mögliche Minute auf dem Wasser verbracht und sich als Segellehrer, Skipper und Yachtüberführer einen Namen gemacht. Vor fünf Jahren hat Guggenberger dann alles in die Waagschale geworfen, um seinen Lebenstraum vom diesjährigen GGR verwirklichen zu können. Zurzeit liegt „Captain Gugg“ mit seiner Biscay 36 im guten Mittelfeld der Regatta.

Ganz vorn liegt aktuell Simon Curwen (UK), der sich kurz vor den Kanaren ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Tapio Lehtinen aus Finnland liefert.

Hier geht es zum Live-Tracker Golden Globe Race Live Tracker

Im Gegensatz zu den hochgerüsteten Hightech-Carbon-Racern, die beispielsweise bei der Vendée Globe mit atemberaubender Geschwindigkeit durch die Seen pflügen, sind bei dieser Regatta nur Langkieler aus Serienproduktion erlaubt, die vor 1988 konstruiert wurden und zwischen 32 und 36 Fuß lang sind.

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