Die erste Vorregatta zum 38. Louis Vuitton America’s Cup hatte Ende Mai positiv überrascht. Die Sportschau der Regatta vor Cagliari auf den kleineren AC40-Geschossen war rasant, mitreißend und hochspannend. Vor Cagliari zeigten vor allem Luna Rossas junge Angreifer vom Youth & Women’s Team ihre Unerschrockenheit im Kampf mit dem Cup-Establishment, ihre Angriffslust und ihr Können. Am Ende triumphierten aber doch die Senioren der Azzurri, weil die Youngster etwas zu stürmisch agierten. Und auch, weil Superstar Peter Burling für die aktuelle Cup-Auflage die Seiten gewechselt hat, jetzt für Luna Rossa angreift und im Finale zu Form auflief. Zu den Ergebnissen von Cagliari geht es hier.
Nun kommt die zweite Vorregatta in Sicht. Sie wird im kommenden Cup-Revier von Neapel ausgetragen und sehr viel mehr als ein interessantes Warm-up sein. Statt acht sind vom 24. bis zum 27. September neun Teams aus sechs Ländern dabei. Als Neuzugang gibt das spät in den America’s Cup eingestiegene American Racing Challenger Team USA sein Debüt.
Mit Ken Read leitet einer der bekanntesten und erfolgreichsten US-Segler das Tteam. Mit mehr als 50 gewonnenen WM-, Kontinental- und nationalen Titeln und als Steuermann oder Stratege und Coach von drei America’s-Cup-Kampagnen (1995 mit “Young America”; 2000, 2003 für Dennis Conners Stars & Stripes-Kampagne) sowie als zweimaliger Skipper im Ocean Race, bringt Read massive Erfahrung ins Team ein.
Dazu ist Read Präsident von North Sails und der North Technology Group. Seit 2025 Mitglied in der Sailing Hall of Fame, ist der 65-Jährige ein Dreh- und Angelpunkt in der amerikanischen Segelwelt. Als Segeldirektor wurde Finn-Doppel-Olympiasieger Giles Scott verpflichtet. Einst in Diensten von Sir Ben Ainslies Briten, hatte dort im 37. America’s Cup Dylan Fletcher Scotts Position als zweiter Steuermann an der Seite von Ainslie übernommen.
Im SailGP konnte Scott, der auch einen kanadischen Pass hält, mit seinem Team NorthStar Canada die Briten zuletzt überflügeln. NorthStar holte in New York und zuletzt im Heimatrevier von Emirates GBR jeweils Platz drei, scheint sich nach dem Einstieg von Scott zu Saison fünf langsam, aber sicher auf die Erfolgsspur zu finden. Die SailGP-Erfahrung dürfte ihm gute Dienste im Einsatz für das US-Team im America’s Cup leisten.
Erneut mit je zwei Teams (Senioren und Jugend/Frauen) am Start sind die Cup-Supermächte aus Neuseeland (Emirates Team New Zealand), Italien (Luna Rossa) und Großbritannien (GB1). Letztere schwächelten mit technischen Problemen bei der ersten Vorregatta. Auch im SailGP mussten derselbe Steuermann Dylan Fletcher und seine Crew zuletzt herbe Dämpfer wegstecken.
Mit je einem Top-Team starten Frankreichs La Roche-Posay Racing Team und das Tudor Team Alinghi in die viertägige Serie, die mit einem Trainingsrenntag beginnt, dem die dreitägige Regatta folgt. Die Kernfragen vor der zweiten Vorregatta zum 38. Louis Vuitton America’s Cup: Können die Italiener in heimatlichen Gewässern ihre imposante Gala von Cagliari wiederholen und weiter den Maßstab setzen? Oder kommen Neuseelands Verteidiger auf Ballhöhe? Und wie werden Sir Ben Ainslies Briten ohne die technischen Probleme von Cagliari abschneiden?
Immer spannend diese Frage: Was können die Ein-Boot-Teams des La Roche-Posay Racing Teams und des Tudor Teams Alinghi im OneDesign-Wettbewerb mit den AC40ern rausholen? Immerhin treten die Franzosen um Skipper Quentin Delapierre mit Verstärkung der spanischen 49er-Olympiasieger, Weltsegler des Jahres 2024 und aktuellen SailGP-Supermänner Diego Botin und Flo Trittel an. Mit dieser französisch-spanischen Crew-Kombination im von Stephan Kandler und Bruno Dubois dirigierten Team ist auf den AC40ern stark zu rechnen.
Das Format der Regatta bleibt etwa, was es schon vor Sardinien war: Am 24. September finden Trainingsrennen für die Flotte statt. Am 25. September beginnen die Rennen um 14:13 Uhr mit drei Fleetraces, die voraussichtlich bis 16 Uhr abgeschlossen sein werden. Für Samstag (26. September) sind drei weitere Flottenrennen geplant, gefolgt von zwei Fleetraces am Sonntag (27. September). Die beiden Top-Teams ziehen ins Finale ein, bei dem es in einem einzigen Duell um den Gesamtsieg geht.
Wer im Spätsommer vor Ort ist, findet das Race Village am Rotonda Diaz (Mappatella Beach) an allen vier Event-Tagen von 11 bis etwa 20 Uhr bei kostenlosem Eintritt geöffnet. Am Abend des 24. September werden alle Teams den Fans gegen 18 Uhr auf der Bühne vorgestellt. Zusätzlich wird die Via Francesco Caracciolo für den Verkehr gesperrt, damit die Zuschauer die Promenade für sich und den Zuschauerspaß haben.
Auch auf dem Wasser sind private Zuschaueryachten und Ausflugsboote nach vorheriger Anmeldung zugelassen. Die entsprechende Anmeldungsseite war zuletzt noch nicht freigeschaltet, doch die America’s-Cup-Organisatoren haben sie für die Wochen vor dem Event angekündigt. Angesichts der bereits in Cagliari zu beobachtenden und grundsätzlich bekannten Cup-Passion der Italiener ist mit einer XXXL-Zuschauerflotte zu rechnen.
An der bildschönen gleichnamigen Bucht in Nachbarschaft zum Vesuv gelegen, ist das vor mehr als 2500 Jahren gegründete Neapel nicht nur eine sehr lebendige und geschichtsträchtige Stadt. Kampaniens Hauptstadt nahe der Amalfi-Küste gilt auch als Geburtsstätte der neopolitanischen Pizza Margherita. Die sportliche Frage ist nun zur zweiten America’s-Cup-Vorregatta: Wird eher klassische Margherita, eine abwechslungsreiche Capricciosa oder eine feurige Diavola serviert?

Freie Reporterin Sport
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