Meinung“Richtiges” Segeln beim America’s Cup – zurück zu J-Class und Co.?

YACHT

 · 13.04.2024

Meinung: “Richtiges” Segeln beim America’s Cup – zurück zu J-Class und Co.?
YACHT-Woche – Der Rückblick
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Liebe Leserinnen und Leser,

2013 hob sich erstmals ein America’s-Cupper in die Lüfte, seitdem fand der Kampf um die älteste Sporttrophäe nie wieder mit dauerhaftem Wasserkontakt statt. Stattdessen flogen die Rennyachten immer mehr, kontrollierter und schneller. Von den eleganten, klassischen Linien aus der Entstehungszeit der wohl berühmtesten Segel-Regatta keine Spur mehr. Denn mittlerweile ist es gar schwer zu beurteilen, ob aero- oder hydrodynamische Faktoren beim Design eine gewichtigere Rolle einnehmen.

Und spätestens seit der vergangenen Ausgabe vor Auckland, bei der erstmals futuristisch anmutende foilende Monohulls zum Einsatz kamen und Rennen mit nahezu 100-prozentiger Flytime keine Seltenheit mehr waren, fragen sich nicht mehr nur Freizeitkapitäne: Ist das überhaupt noch Segeln?

Der Duden spricht beim „segeln“ davon, sich „mithilfe eines Segels (und der Kraft des Windes) vorwärts zu bewegen“. Eine Segelyacht ist dabei eine solche, „die mit Mast(en) und Segel ausgerüstet ist und durch die Kraft des Windes fortbewegt wird“, was zweifellos auch auf jeden Foiler zutrifft. Das Medium Wasser, woran viele den America’s-Cuppern und anderen Foilern ihr Dasein als Segelyachten absprechen wollen, scheint also gar keine Rolle zu spielen.

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Ob man sich mit dieser Antwort zufriedenstellt, bleibt jedem selbst überlassen. Tut man es nicht, sollte man sich vielleicht einmal etwas näher mit der Historie der Veranstaltung befassen.

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Neben pauschalen Aussagen, wie unnötig und hässlich die Foiler seien, ist im Kontext des America’s Cups auch die „Früher war alles besser“-Fraktion stark vertreten. Bei einer derartig langen Tradition des Wettbewerbs kein Wunder, könnte man meinen. Wer sich allerdings nur minimal mit der Geschichte und Ausrichtung der prestigeträchtigen Regatta auseinandersetzt, wird seinen Wunsch nach einer Rückkehr zu „richtigen Booten“ vermutlich überdenken.

Von der ersten Edition im Jahr 1851, als die Yacht “America” mit ihrer später als revolutionierend geltenden Rumpfform in britischen Gewässern ankam, über den berühmten Flügelkiel der “Australia II” im Jahr 1983 bis hin zu Flügelsegeln und Foils in der jüngeren Vergangenheit stand Innovation beim America’s Cup immer an oberster Stelle.

Häufig wird sich auch über diese Grundlage hinweggesetzt und als zweites Argument für das Comeback von Bleiträgern oder J-Class-Designs angeführt, dass das Regattieren mit Foils grundsätzlich langweilig und nicht taktisch sei. Wie spannend Regattasegeln in jeglicher Form ist, ist natürlich Geschmackssache. Die taktische Grundlage beim America’s Cup hat sich aus meiner Sicht über die Zeit allerdings nicht gewandelt.

Es ist simpel: Erst wenn die Design-Teams Arbeit auf Augenhöhe geleistet haben, kommt sie überhaupt zur Geltung. Ist ein Team meilenweit voraus, werden die Rennen durch wenige, einfache Moves entschieden oder die Gegner sind sogar vollkommen chancenlos. Das war früher so und genauso bei der vergangenen 36. Ausgabe der Fall, als die Neuseeländer nicht zu stoppen waren.

Die für Fans spannende Phase ist also bereits jetzt, rund sechs Monate vor dem ersten Startschuss, in vollem Gange. Diese Woche wurden mit Alinghis „BoatOne“ und Team Newzealands Neuauflage von “Te Rehutai” bereits zwei von sechs spannenden Designs enthüllt, die Italiener von Luna Rossa wollen heute folgen.

Noch weiß niemand, ob nicht eines der Teams erneut einen Quantensprung voraus sein wird. Jedoch kommen im Rahmen des 37. America’s Cup vor Barcelona auch die AC40-One-Design-Foiler (beim Jugend- und Frauen-America’s-Cup) zum Einsatz. Diese haben bei zwei Vorregatten bereits gezeigt, wie spannend die Rennen, die zudem zum Teil auch im Fleetrace-Modus ausgesegelt werden, werden können. Zumindest, wenn mit gleichen “Waffen” gestritten wird.

Ich für meinen Teil ziehe Wettfahrten mit einem My weniger Taktik, aber Geschwindigkeiten von bis zu 50 Knoten einem stundenlangen Dahingedümpel voller taktischer Raffinessen vor. Damit bin ich vermutlich nicht allein, denn der so häufig als langweilig abgestempelte vergangene America’s Cup war laut einer Auswertung der Veranstalter der medial erfolgreichste jemals.

Und nicht nur ich freue mich demnach auch auf den anstehenden Cup im Herbst dieses Jahres, der womöglich noch erfolgreicher und spektakulärer wird. Bei der Vorstellung eines Comebacks von Bleitransportern, wohlgemerkt beim Gipfeltreffen des internationalen Segelsports mit verhältnismäßig riesigem Zuschauerinteresse, schaudert es mir dagegen wirklich. Und wer diese Art von Racing dennoch sucht, findet sie auch heute noch: neben Klassen wie dem Starboot oder auch der TP52 auf internationalem Top-Niveau, mit dem Ilca (ehem. Laser) sogar im olympischen Programm. Dass diese Wettbewerbe spannend sind und ihre Berechtigung haben, möchte ich gar nicht anzweifeln. Nur beim America’s Cup wäre man damit 2024 einfach too old school!

Max Gasser,

YACHT-Volontär Digital

PS: Wer sich fürs Foilen interessiert und möglicherweise auch selbst einmal abheben möchte, der sollte sich unbedingt unsere neue Podcast-Folge anhören: Faszination Foilen für Einsteiger!

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