„Simena“62 Meter klassische Eleganz mit modernem Hybridantrieb

Jan-Ole Puls

 · 12.07.2026

Ketsch-Rigg: 
Die Masten der
„Simena“ stammen ebenfalls aus der Türkei. Dökar Yat fertigte sie in Istanbul.
Foto: Ares Shipyard / Jeff Brown
​Wie ein Gegenentwurf zur modernen Superyacht-Welt wirkt die 62 Meter lange „Simena“, das erste Segelprojekt der türkischen Werft Ares. Wir gingen in Monaco an Bord der eleganten Ketsch mit zeitgenössischem Interieur und hybrider Antriebstechnik.

Themen in diesem Artikel

​Neben der 79 Meter langen „Hampshire II“ und der 141 Meter messenden „YAS“ im Hafen des Fürstentums Monaco liegt sie, die erste Segelyacht der Ares-Werft aus Antalya. Der 62-Meter-Bau trägt den klangvollen Namen „Simena“ – benannt nach einer antiken Stadt an der türkischen Riviera. So schön wie die einstige Burg nahe der Insel Kekova gibt sich auch die nach ihr Benamste: eine gelungene Verbindung aus klassischem Ketsch-Exterieur und zeitgenössischem Interieur, ohne dabei überladen oder zu modern zu wirken.


​​Mehr zur “Simena”:


Mit „Simena“ betritt ein Segelformat die Bühne, das kompromisslos auf Komfort und weltweite Fahrt ausgelegt ist. Der Zweimaster entstand auf Spekulationsbasis für einen Kreis von Eignern, die auf eine zurückhaltende Art auffallen möchten. Für das mit 45,9 Millionen Euro ausgepreiste Schiff sucht die Werft gezielt einen Käufer mit ausgeprägtem Stilbewusstsein und Sinn für nostalgische Linien. Im Gespräch mit Northrop-&-Johnson-Broker Sean McCarter wird deutlich: Sowohl aus seiner Sicht als auch aus jener der Werft kommt nur ein kleiner Kundenkreis infrage.

Meistgelesene Artikel

1

2

3

Diese Yacht ist kein Lifestyle-Produkt, sie ist ein Statement. Vielleicht ähnlich einem ehrwürdigen Bentley oder einem Porsche-Oldtimer. Wobei auch dieser Vergleich nur bedingt greift, denn innen wurde die Yacht in einer Melange aus Alt und Neu gestaltet. Bleibt man beim Automobil-Bild, könnte man von einem Restomod eines Porsche-G-Modells sprechen.

Viele Supersegler versuchen heute möglichst futuristisch zu wirken: aggressive Linien, dunkle Glasflächen, maximaler visueller Effekt. Die Ares-Ketsch geht bewusst einen anderen Weg. Das lange Vorschiff, die klar gezeichneten Aufbauten und die ausgewogenen Proportionen erinnern eher an traditionelle Großformate als an kurzfristige Designmoden. „Die größte Inspiration für die Außenlinien waren die Clipper-Schiffe – insbesondere der Bug mit vollständig getakeltem Bugspriet“, erklärt Osman Tanju Kalaycioglu, Konstrukteur und Eigentümer von Taka Yacht Design. „Man erkennt außerdem gewisse Ähnlichkeiten mit frühen Dampfschiffen, die ebenfalls einen wunderschönen, klassischen Deckssprung besitzen.“

Hybridantrieb und sechs Betriebsmodi

Rumpf und Hauptdeck bestehen aus AH36-Stahl, die Aufbaustruktur aus einem Carbon-Sandwich. Das Ergebnis: maximale Steifigkeit bei reduziertem Gewicht – gut für das Segeln und den Gewichtsschwerpunkt. Auch technisch überzeugt der 62-Meter-Neubau, das Herzstück ist ein modernes, parallel ausgelegtes Hybridsystem. Ein MAN-Diesel arbeitet mit Servogears Ecoflow-Antrieb samt Verstellpropeller zusammen und wird durch einen 220-Kilowatt-Elektromotor ergänzt. Die Energieversorgung an Bord übernehmen drei Dieselgeneratoren mit einer Gesamtleistung von 258 Kilowatt. Gesteuert wird über eine elektrohydraulische Ruderanlage als Ein-Ruder-System, ein Bugstrahlruder mit 120 Kilowatt Leistung sowie ein 100 Kilowatt starkes Heckstrahlruder unterstützen bei Hafenmanövern.

Insgesamt stehen sechs verschiedene Betriebsmodi zur Verfügung: Im reinen Dieselmodus bringt der Zwölfzylinder den 570-Tonner in Fahrt, während im Elektromodus ausschließlich der E-Motor arbeitet. Die kombinierte Nutzung erzeugt nicht nur Vortrieb, sondern generiert gleichzeitig elektrische Energie. Im vollelektrischen Betrieb dient der Dieselmotor ausschließlich der Stromerzeugung. Unter Segeln kann im sogenannten Hydro-Generator-Modus die Rotation des Propellers genutzt werden, um Energie zu gewinnen. Und im puren Segelbetrieb laufen weder Diesel- noch Elektromotor – der Propeller befindet sich dann im Feathering-Modus und bietet so minimalen Widerstand.

Die benötigte Energie wird in einer kleinen Batteriebank gespeichert; ein großes Speicherpaket, um mehrere Stunden oder Tage zu überbrücken, gibt es nicht. Also läuft nahezu jederzeit ein Generator. „Das gesamte System wurde nach dem Fail-Safe-Prinzip mit einem hohen Maß an Redundanz entwickelt“, sagt Piraye Sahinkaya Orhun, Geschäftsführerin von Ares Yachts. „Alles ist sehr benutzerfreundlich, präzise, fortschrittlich und flexibel.“

Als echte Segelyacht für weite Reisen gedacht

Gerade mit Segeln im Wind zeigt sich, dass die Yacht kein schwimmendes Boutique-Hotel sein soll, das die Tücher lediglich zur Dekoration trägt. Vielmehr war es erklärtes Ziel der Werft, eine echte Segelyacht zu bauen, mit entsprechender Reichweite und Robustheit sowie doppelt ausgelegten Systemen, großzügig dimensionierten Wartungsbereichen und leicht zugänglichen technischen Komponenten.

Mit einer Gesamtantriebsleistung von 1.102 Kilowatt erreicht „Simena“ maximal 14 Knoten, die komfortable Reisegeschwindigkeit liegt bei 11 Knoten und die damit mögliche Reichweite bei rund 4.000 Seemeilen. Im besonders effizienten Betrieb sind sogar bis zu 6.000 Seemeilen bei 9 Knoten möglich – unter Segeln natürlich noch mehr. Damit bewegt sich die Yacht klar im Bereich echter Langstrecken-Cruiser. Auf der Agenda können sowohl ausgedehnte Mittelmeerreisen als auch Atlantiküberquerungen oder längere Aufenthalte in abgelegenen Revieren stehen.

Viel Raum für Gäste, Crew und Komfort

Mindestens genauso viel Aufmerksamkeit erhielten die gediegenen Wohnbereiche. „Simena“ wurde für bis zu zwölf Gäste konzipiert, die eine bis zu neunköpfige Crew betreut. Auf dem vorderen Unterdeck befindet sich die großzügige Eignersuite mit separatem Bad, Lounge-Sofa, Vanity-Tisch und Ankleidebereich. Den Mittelpunkt bildet hier die frei stehende und in Marmor eingefasste Badewanne, wobei Ares aus Gewichtsgründen auf eine Sandwich-Konstruktion setzte. Fünf Doppelkabinen, zwei davon mit Einzelbetten, ergänzen das Layout. Im Heck liegen Crew- und Servicebereiche mit separater Crew-Messe, Galley und dem Motorenraum.

Steuerbords gelangen die Gäste über eine seitliche Treppe auf die ausklappbare Badeplattform. Hier legt auch der in Mutterschiff-Optik gefertigte Tender an, der zugleich als Rettungsboot dient. Das Hauptdeck orientiert sich optisch und in den Ausmaßen stärker am bekannten Superyacht-Lifestyle.

Auf dem Achterdeck stehen Sonnenliegen, ein Jacuzzi und Lounge-Möbel. Die variable Outdoor-Tafel bietet Platz für bis zu 14 Gäste. Ergänzt wird das Set-up durch eine Wetbar und breite Laufdecks. Schiebetüren verbinden Außen- und Innenbereich nahezu nahtlos miteinander.

In der Gestaltung des Interieurs steht „Simena“ ihren modernen Schwestern kaum nach. Im Salon dominieren warme Materialien, üppige Sofalandschaften und viel natürliches Licht. Der Stil bleibt dabei angenehm ruhig: viel Holz, helle Stoffe und klassische Proportionen statt überinszenierter Designstatements. Das britische Studio Design Unlimited setzte auf Zurückhaltung. Sehr funktional und zugleich komfortabel ist das Ruderhaus gestaltet, mit integrierter Ledersitzbank und direktem Zugang zum Kapitänsbüro.

Hoher Qualitätsanspruch beim Debüt

Auch bei den Bordsystemen beweist das 62 Meter lange Segel-Debüt den hohen Anspruch der Werft. Klimaanlage, Wasseraufbereitung, Brandschutz- und Sicherheitssysteme stammen aus dem obersten Regal. Die Außenhaut erhielt ein Awlgrip-System in „Light Ivory“, während auf sämtlichen Decks massive, zertifizierte Teakstäbe liegen. Spaltmaße, Materialübergänge und Oberflächenqualität bewegen sich auf Top-Level. Genau deshalb dürfte „Simena“ weit über den Kreis klassischer Segelyacht-Enthusiasten hinaus viel Aufmerksamkeit erzeugen. Sie ist ein gelungenes erstes segelndes Prestigeobjekt der türkischen Werft aus Antalya.


Technische Daten der “Simena”

  • Länge über alles: 62,00 m
  • Länge (LWL): 49,40 m
  • Breite: 11,10 m
  • Tiefgang: 4,72 m
  • Verdrängung (leer): 570 t
  • Segelfläche: 1.584
  • Material: Stahl, Carbon
  • Maschine (MAN): 882 kW

Große Reichweite dank Generator: Ist das noch konsequente Segelyacht-Idee oder genau der richtige Kompromiss für diese Größenklasse? Schreiben Sie Ihre Meinung in die Kommentare.

Artikel teilen:
Kommentare

Diskutieren Sie mit – fair, sachlich und respektvoll. Es gilt unsere Netiquette.

Jan-Ole Puls

Jan-Ole Puls

Redakteur Test & Technik

Ole Puls wuchs auf Jollen und Dickschiffen auf und kam so früh mit dem Segeln in Berührung. Nach der Schule absolvierte er eine Ausbildung zum Bootsbauer im Bereich Hightech-Kohlefaserbau. Seit 2022 ist er im Ressort Test & Technik tätig. Zu seinen Aufgaben zählen Bootstests von Motorbooten aller Art sowie praxisnahe Technikthemen. Die Sommer verbringt er auf dem Wasser und meist auf der Ostsee oder Schlei.

Meistgelesen in der Rubrik Yachten