Liebe Leserinnen und Leser,
Nachhaltigkeit ist längst zu einem prägenden Leitmotiv unserer Zeit geworden. Und das Thema macht natürlich auch vor dem Yachtsport nicht halt. Immer häufiger präsentieren Hersteller innovative Projekte und stellen sich damit als zukunftsorientiert und verantwortungsbewusst dar. Sie betonen den schonenden Umgang mit Ressourcen, experimentieren mit alternativen Materialien und verweisen auf neue Ansätze, die die Umweltbilanz ihrer Produkte verbessern sollen. Gut so!
Dieser Trend ist allerorts sichtbar. Zum Beispiel auf Bootsmessen, wo grüne Innovationen prominent inszeniert werden, oder in Pressemitteilungen, die Nachhaltigkeit zunehmend als festen Bestandteil der Unternehmensstrategie hervorheben. Selbst im Regattasport wird verstärkt versucht, das Streben nach sportlicher Mehrleistung und Performance mit ökologischer Verantwortung zu verknüpfen. Kurz: Nachhaltigkeit ist in der ganzen Branche zu einem wichtigen Verkaufs- und Marketingargument geworden – ein Thema, an dem kaum noch jemand vorbeikommt.
Allerdings sehe ich bei diesem Trend zunehmend eine zweite Seite. Einerseits ist es erfreulich, dass die Branche ihre Verantwortung erkennt und nach Lösungen sucht. Andererseits wächst auch die Gefahr, dass Begriffe wie „Recycling“ oder „Nachhaltigkeit“ zu reinen Marketinginstrumenten verkommen und in ihrer Bedeutung verblassen, ohne einen wirklich messbaren ökologischen Erfolg zu erzielen. Ich denke, es muss mehr die Frage gestellt werden, wie substanziell die propagierten Innovationen und Projekte tatsächlich sind und bleiben.
Positiv ist die konsequente Nutzung bereits recycelter Materialien. Wenn Hersteller Fasern, Kunststoffe, Aluminium oder Hölzer verwenden, die schon einen oder mehrere Lebenszyklen hinter sich haben, kann damit unmittelbar und nachhaltig der Ressourcenverbrauch reduziert werden. Gerade in einem Produktionsumfeld wie dem Yachtbau, in dem traditionell viel neues Material verarbeitet wird, gehen solche Maßnahmen mit einem spürbaren Fortschritt einher.
So bietet die Verwendung von Rezyklaten eine reale Chance, den ökologischen Fußabdruck des modernen Yachtbaus deutlich zu verringern. Und die Wirkung dieser Maßnahmen ist heute schon sichtbar: weniger Primärmaterial, geringerer Energieeinsatz und oft auch eine Reduktion von Produktionsabfällen. Hier zeigt sich, dass Nachhaltigkeit im Yachtbau nicht nur eine Vision sein kann, sondern vielerorts bereits praktischer Alltag mit Vorbildcharakter ist.
Anders gestaltet sich die Situation bei recyclebaren Komposit-Systemen. Häufig werden sie jetzt als revolutionärer Baustein einer neuen zirkulären Yachtindustrie präsentiert. Thermoplastische Harze und trennbare Matrixsysteme versprechen, dass eine Yacht am Ende ihres Lebenszyklus vollständig recycelt werden könnte.
An dieser Stelle beginnt meine kritische Betrachtung: Eine Yacht bleibt vielleicht 40, 50 oder sogar mehr Jahre im Einsatz. Niemand vermag heute realistisch vorherzusagen, ob die derzeit in Laboren und Pilotprojekten entwickelten Recyclingsysteme dann überhaupt noch zur Verfügung stehen und ob sie wirtschaftlich noch tragfähig sind. Entwickelt werden heute Materialien für ein hypothetisches Recycling in ferner Zukunft – ohne Gewissheit, ob die dafür benötigten Prozesse jemals im industriellen Maßstab bestehen werden.
Dieser Umstand wirft zwangsläufig die Frage nach dem realen Nutzen dieser Entwicklungen auf und befeuert natürlich auch die kontrovers geführt Debatte rund um das Thema Nachhaltigkeit. In der Lücke zwischen sichtbarer Wirkung und bloßem Zukunftsversprechen entsteht ein fruchtbarer Boden für ein unliebsames Thema: Greenwashing!
Innovation beginnt immer mit ersten Schritten, und viele Entwicklungen im Bereich recyclebarer Composites sind technologisch spannend, mutig und potenziell zukunftsweisend. Wichtig bleibt allerdings ein sachlicher Umgang mit dem Thema und die realistische Einordnung der Fakten. Nur wenn technologische Innovation mit praktischer Umsetzbarkeit einhergeht, entsteht echter Wandel – und Greenwashing bleibt außen vor.
Michael Good
YACHT-Redakteur
Sechs Monate Vorbereitung und dann der Schock kurz vor dem Start: Die YACHT-Redakteure Fabian Boerger und Ole Puls mussten das Vegvisir Race abbrechen.
Der Eindpark He Dreiht ist in Betrieb, die Sicherheitszone bleibt. Gleichzeitig wachsen weitere feste Hindernisse in der Deutschen Bucht.
An der einsamen Nordseeküste Jütlands ereignete sich am Heiligabend 1811 eine der größten Tragödien der Seefahrtsgeschichte mit 1.400 Toten. Dokumentiert wird sie vom Strandingsmuseum St. George im dänischen Thorsminde.
Am niedersächsischen Wieltsee brachen Diebe innerhalb weniger Wochen auf sieben Booten ein. Mehrere davon wurden anschließend auf dem Wasser treibend vorgefunden. Die Täter entwendeten Motoren und Motorteile.
Der Fountaine Pajot 55 positioniert sich als größtes Modell der regulären Baureihe unterhalb der exklusiven Yacht-Linie. Der 17-Meter-Katamaran wurde für große Fahrt und Kunden mit hohen Komfortansprüchen entworfen. Das Konzept überrascht vor allem mit ungewöhnlich großzügigen Lounge-Flächen, darunter die XL-Flybridge mit 23 Quadratmetern und Frontcockpit mit direktem Zugang aus dem Salon. Erste Bilder.
Fünf Mehrrumpfboote um 40 Fuß im Porträt: vom faltbaren 20-Knoten-Trimaran bis zum sportlichen Fahrtenkatamaran mit variablem Innenausbau.
Die Trackerdaten des Ocean Race Atlantic zeigen: „Malizia 4“ war oft schneller. Warum trotzdem drei Teams vor Boris Herrmann ins Ziel kamen.
Ab dem 1. Januar 2027 können Freizeitskipper den Nord-Ostsee-Kanal kostenlos nutzen. Damit sparen die rund 10.000 Sportboote, die den Kanal jedes Jahr nutzen, künftig je nach Bootslänge zwischen 12 und 43 Euro pro Durchfahrt. Dadurch soll die Verwaltung von einem Verfahren entlastet werden, dessen Aufwand inzwischen deutlich größer ist als die Einnahmen.
Die „Pavane“ stand jahrelang unbeachtet an Land, bevor der junge Bootsbauer Kyrell Becker sie übernahm und restaurierte. Nun soll ein neues Rigg dem klassischen Olin-Stephens-Racer zu mehr Leichtwindleistung verhelfen.
Die Compromis 999 punktet mit viel Wohnraum und solidem Fahrtenkomfort, verlangt aber beim Gebrauchtkauf einen genauen Blick auf Baujahr, Unterwasserschiff, Fenster und Ausstattung.
Der Yacht Newsletter fasst die wichtigsten Themen der Woche zusammen, alle Top-Themen kompakt und direkt in deiner Mail-Box. Einfach anmelden:
Diskutieren Sie mit – fair, sachlich und respektvoll. Es gilt unsere Netiquette.