Abkühlen und besser schlafen10 Tipps gegen die Hitze an Bord

Michael Rinck

 · 10.06.2026

Bei Flaute und Hitze hechtet die Crew in den Bodensee
Foto: Nils Theurer

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Die Temperaturen in den vergangenen Tagen waren selbst auf See kaum auszuhalten. Damit der Törn trotzdem zum Vergnügen wird, helfen bewährte Tricks gegen die Hitze und die richtige Ausrüstung. Für den perfekten Segelsommer sorgt auch das aktuelle YACHT-Angebot: 25 Ausgaben YACHT plus 12 Ausgaben gratis – insgesamt 37 Ausgaben voller Segelwissen und Inspiration.

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Abkühlen mittels Baden

Segel runter und rein ins Wasser – das bleibt wohl die schönste Art, sich auf See abzukühlen. Auch wenn das Bergen der Segel bei wenig Wind überflüssig wirken mag, ist es aus Sicherheitsgründen wichtig: Kommt plötzlich eine Brise auf, treiben hochbordige Yachten ohne Segel schnell so zügig ab, dass ein gewöhnlicher Schwimmer kaum mithalten kann. Deshalb gehören ein Fender an der Schwimmleine ebenso zur Bade-Routine wie das rechtzeitige Ausklappen der Badeleiter. Und nicht vergessen: Nach dem Schwimmen die Sonnencreme erneut auftragen!

Verdunstungskälte nutzen

Beim Verdunsten entsteht nach den Gesetzen der Physik Kälte. Das lässt sich auf eher einfache Weise nutzen, etwa mit feuchten Tüchern, die in Luken und Niedergänge gehängt werden. Die clevere Variante: Kappe und T-Shirt regelmäßig befeuchten – direkt auf der Haut ist der Kühleffekt naturgemäß am stärksten. Auch Flaschen kühlen übrigens ab, wenn man ihnen eine nasse Socke überzieht.

Lebensmittel schützen

  • Bordkühlschrank: Das Gerät ist in zweierlei Hinsicht nicht ideal: Es verbraucht Strom und bietet nur wenig Platz. Umso wichtiger ist es, den vorhandenen Raum optimal zu nutzen. Am besten arbeitet der Bordkühler gut gefüllt – dann entweicht beim Öffnen nur wenig kalte Luft und wird kaum durch warme ersetzt. Ein einfacher Trick erhöht die Kühlkapazität: Gefrorene Kühl­elemente können zusätzlich hineingelegt werden, sofern noch Platz vorhanden ist. Besonders geeignet sind rechteckige, feste Elemente statt Kühlbeutel. Alternativ lassen sich auch Saftkartons tief­frieren und als Ersatz-Kühlelemente verwenden.
  • Alternativen: Bei Obst, Butter und Marmelade reicht oft die nächtliche Kühle aus, um sie lange genießbar zu halten. Ist im Kühlfach kein Platz, lassen sie sich tagsüber in einer Box in einen möglichst hochwertigen Schlafsack einwickeln. Am Abend sind sie dann meist nur wenige Grad wärmer. Je nach Lebensmittel bieten sich bewährte Konservierungsmethoden an, etwa Einkochen, Trocknen oder Einlegen.

Für Luftzug sorgen

Für knapp 10 Euro sind Ventilatoren erhältlich, die über USB-Stecker angeschlossen werden – an Bord idealerweise über eine Akkubank. Wenn es die Bedingungen zulassen, können die Deckslüfter mit der Öffnung zur Frischluftzufuhr gegen den Wind gedreht werden. Und vor Anker empfiehlt sich der Einsatz eines Windscoops: Der Sack fängt die Brise und lenkt sie durchs Luk ins Schiffsinnere.

Eis im Isolierbehälter

In gut isolierten Gefäßen bleiben Eiswürfel für erfrischende Getränke ohne Weiteres einen Tag lang frostig. Wegen ihrer meist engen Hälse sind gewöhnliche Isolierflaschen aber etwas unpraktisch. Viel einfacher geht es mit weithalsigen Thermobehältern für Speisen. Trotz der mittlerweile sehr wirksamen Isolierung darauf achten, dass der Behälter tunlichst keiner prallen Sonneneinstrahlung ausgesetzt wird.

Mobile Klimaanlage

Die Firma Evapolar hat eine Mini-"Klimaanlage" in Würfelform mit USB-Anschluss für rund 240 Euro im Angebot. Sie funk­tioniert nach dem Prinzip der Verduns­tungskälte. Eine Kartusche wird kontinuierlich mit frischem Wasser befeuchtet, das dort verdunstet. Der Stromverbrauch soll bei gerade mal 10 Watt liegen; angeschlossen an eine Akkubank, ist keinerlei feste Installa­tion nötig. Die Kühlung soll für etwa drei Quadratmeter ausreichend sein. Mittlerweile ist auch ein Nachbau für ein Zehntel des Preises verfügbar. Die Mini-"Klimaanlage" von Evapolar ist z. B. bei Amazon oder bei Fritz-Berger erhältlich.

Schattenspender riggen

In den nördlichen Gefilden sind fest installierte Biminis nicht üblich. Aber wenn die Sonne einmal erbarmungslos brutzelt, muss dennoch für Schatten gesorgt werden. Es braucht also eine temporäre Lösung.

  • Sonnenschirm: Eine optisch zwar nicht besonders elegante, dafür aber sehr einfache Lösung ist der Einsatz eines Sonnenschirms. Er lässt sich schnell aufspannen, flexibel zur Sonne ausrichten und ist zudem günstig in der Anschaffung. Von Niro Petersen und Lanztec gibt es universelle Schirmhalter, die auf die Winsch gesteckt werden. Alternativ können auch Halterungen für die Reling verwendet werden.
  • Sonnensegel: Im Hafen oder am Ankerplatz spenden Sonnensegel angenehmen Schatten. Die einfachsten Varianten werden über den Großbaum gelegt und zur Reling hin abgespannt. Es gibt außerdem dreieckig geschnittene Modelle, die speziell für das Vorschiff gedacht sind, sowie das „Overhead“ – eine Art Riesenscheibe mit fünf Meter langer, umlaufender Aluminium-Zeltstange (Foto). Aber Vorsicht: Wasserdichte Materialien, die auch Regen abhalten sollen, schließen dicht ab und können unter dem Segel zu Hitzestau führen. Als Notlösung lassen sich luftdurchlässige Stoffe als Sonnensegel nutzen. Solche Materialien sind jedoch meist nur wenig belastbar und bieten in der Regel keinen Schutz vor UV-Strahlung.

Flexibel die Route planen

Gerade auf Vorwind-Kursen kann das Unterwegssein in der heißesten Tageszeit zur echten Belastung werden. Mit einem angepassten Reiseverlauf lässt sich dem jedoch begegnen. Wenn der Törnplan es zulässt, kann ein früher Start dafür sorgen, dass man in der kritischen Phase bereits in kühlen Räumen oder am Strand ist. Entsprechend gilt das auch für eine späte Abreise am Abend. Auch grundsätzlich lässt sich der größten Hitze ausweichen. Ein Mittelmeertörn im Hochsommer kann zum Beispiel schnell zur Hitzeschlacht werden. Vielleicht lässt sich die Reise in die Vor- oder Nachsaison verlegen? Oder in ein klimatisch angenehmeres Revier?

Luken verkleiden

Diese Maßnahme ist bei Wohnmobilen weit verbreitet: Fenster und Luken werden mit reflektierenden Folien abgedeckt. Das sieht zwar nicht besonders schön aus, wirkt aber zuverlässig. Werden die Folien passend auf die Skylights zugeschnitten, bleibt auch die Optik in Grenzen. Bei kurzfristigem Bedarf eignet sich eine Rettungsdecke als praktische Lösung – auch das hat sich bei Wohnmobilisten bewährt. Reflektierende Einsätze für die Montage von innen gibt es zwar ebenfalls, doch dabei kann sich zwischen Fenster und Folie Hitze stauen.

Besser schlafen

  • An Deck: Weht nachts eine angenehme Brise, ist sie an Deck meist deutlicher zu spüren als in der Koje – zumal sich die Hitze unter Deck nur langsam verflüchtigt. Ein Schlafplatz im Freien ist deshalb vielleicht nicht so bequem wie eine Koje, aber oft besser auszuhalten.
  • Kühlmatten: Dieser ungewöhnliche Tipp stammt von Seglern, die in sehr heißen Revieren unterwegs waren. Die Kühlmatten sind eigentlich für Haustiere gedacht, doch ein XL-Modell für große Hunde, das rund 80 Euro kostet, wird tatsächlich von manchen genutzt – einige schwören sogar darauf.
  • Nicht kochen: Wenn möglich, sollte der Kocher direkt vor dem Schlafengehen nicht mehr benutzt werden. Der Brenner erhitzt nämlich nicht nur den Kochtopf, sondern auch die ohnehin schon warme Umgebung.

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Michael Rinck

Michael Rinck

Redakteur Test & Technik

Michael Rinck war das Kind, das nach der Schule direkt aufs Wasser wollte – Segeltraining, Regatten, Hauptsache nass. Diese Vorliebe machte er zum Beruf: Erst als Segellehrer auf der Alster (während des Studiums), dann ab 2014 in der YACHT-Redaktion. Dort hat er im Bereich Test & Technik seine Berufung gefunden: Segelboote und Sicherheitsequipment testen. Was besonders bei Rettungswesten und MOB-Systemen bedeutet, dass er mehr Arbeitsstunden im Wasser treibend verbringt als die meisten Menschen im Büro sitzend. Höhepunkt: eine ganze Nacht in der Rettungsinsel auf der Ostsee. Seine Familie hat inzwischen durchgesetzt, dass Urlaubstörns auf der eigenen Fahrtenyacht deutlich trockener ablaufen.

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