SonnenschutzSo schützen Sie Ihr Boot vor der Sonne

Felix Keßler

 · 25.07.2022

Sonnenschutz: So schützen Sie Ihr Boot vor der SonneFoto: Bayerischer Yacht-Club

Die UV-Strahlung greift die Ausrüstung an Deck massiv an. Mit diesen Tipps können Sie das Leben von GFK, Holz, Tauwerk und Segeln verlängern. Außerdem bleibt das Boot mit Persenning sauberer

Normalerweise reicht ein Tagestörn zur Osterzeit, um sich einen kräftigen Sonnenbrand im Gesicht zuzuziehen. Wer aber denkt in einem solchen Moment an das Boot? Wer ist sich darüber im Klaren, dass die Yacht nicht mal eben nur am Wochenende die Nase ins Sonnenlicht steckt, sondern rund 180 Tage im Jahr? Dass sie 24 Stunden am Tag in der Natur geparkt ist? Dabei gilt für Segelschiffe dasselbe wie für Menschen: Durch Vorbeugung erhöht sich die Lebensdauer.

Und die UV-Strahlung wird auch in nördlichen Gefilden immer stärker. Mit einem Wachstum von rund einem Prozent pro Jahr erscheint die zunehmende UV-Belastung auf dem Papier nicht drastisch, sie hat aber spürbare Auswirkungen: Kunststoffe verspröden, Lacke verwittern, Stoffe altern, all das immer schneller und immer heftiger. Zehn Prozent mehr Strahlungsemission pro Dekade, an sonnigen Sommertagen ist die Bestrahlung mittlerweile mit Mittelmeerverhältnissen vergleichbar. So ist es verständlich, dass zum Beispiel Klarlacke auf den Rümpfen und Decks klassischer Yachten weit früher versagen als noch vor einigen Jahren. Manche Eigner übertreiben es nun aber auch wieder und versehen jede Hutze mit einem eigens angefertigten Mini-Überzug. Das macht aus der ohnehin lästigen "Verpackung" des Bootes eine stundenlange Prozedur. Dabei ist der Schutzeffekt derartiger Maßnahmen nur gering.

Im ersten Teil haben wir gezeigt, worauf es beim Sonnenschutz der Crew ankommt. In diesem zweiten Teil geht es darum, wie das Boot gegen die materialmordenden UV-Strahlen geschützt werden kann. Auch die Suche nach passenden Sonnensegeln stellt Segler immer wieder vor Probleme. Wir haben Dutzende Lösungen untersucht – vom in die Wisch gesteckten Sonnenschirm bis zur Hightech-Persenning. Die Testergebnisse können Sie hier downloaden.

Tauwerk schützen – aber wie?

Was beim Neukauf farbkräftig strahlte, ist oft schon nach zwei Saisons nur noch ein blasses Stück Leine. Doch die Farbstoffe eines Seils sind nur die unwichtigsten Anteile, die unter der immerwährenden Sonnenstrahlung schwinden. Deutlich weniger augenfällig ist der schleichende Verlust an Festigkeit, wenn die Fasern altern und spröde werden.
Besonders betroffen sind Hightechfasern wie Vectran, Aramid (Kevlar) oder PBO (Zylon); Letzteres ist gerade aus diesem Grund mittlerweile nur noch ein seltener Exot in den Katalogen der Seilereien. Schon nach wenigen Wochen verliert diese Faser einen Großteil ihrer Festigkeit. Aramide schaffen es immerhin noch gut eine Saison, bis sie 50 Prozent ihrer Belastungsfähigkeit einbüßen. Schoten mit Kevlar im Mantel sollten bewusst vor unnötiger UV-Belastung geschützt werden.
Eine Lösung können Taschen sein, welche die Schoten zumindest im Cockpit vor der Sonne schützen. Bei allen Tauen, die sich leicht wieder aufziehen lassen und ohnehin auf absehbare Zeit nicht benötigt werden, empfiehlt sich der schnelle Abbau vor längerem Verlassen des Bootes.

  Stautaschen bringen Ordnung. Zum Schutz der umgelenkten Fallen ist nur eine Persenning praktikabelFoto: YACHT/M.-S. Kreplin
Stautaschen bringen Ordnung. Zum Schutz der umgelenkten Fallen ist nur eine Persenning praktikabel
Nach einer Saison schon schlapp: Aramid hat dann nur noch 50 Prozent der Festigkeit

Schoten und Fallen aus Polyester und auch Dyneema sind insgesamt UV-resistenter. Sie erreichen meist auf mechanische Art und Weise das Ende ihrer Lebensdauer, bevor das Tageslicht die Festigkeit in kritischem Maße beeinflusst hat. Trotzdem sorgt das Licht für das Verhärten des Seils, die Fasern des Mantels werden grau und spröde. Tauwerk auf Polyester-Basis bleibt in puncto Haltbarkeit dennoch die bessere Wahl.

Die Segel einer Yacht sind nicht nur Wind-, sondern vor allem auch Sonnenlichtfänger. Allerdings sind die Fasern in erster Linie auf Zugbelastungen ausgelegt. Spätestens nach fünf Jahren sind erste UV-Schäden zu erwarten, ohne vernünftigen Schutz auch deutlich schneller. Erste Anzeichen sind sich auflösende Nähte, dann folgen Brüche an mechanisch stärker belasteten Partien. Bei Rollvorsegeln ist es immer das Achterliek, das die Lebensdauer bestimmt, weil es der Sonne selbst im eingerollten Zustand ausgesetzt ist.

Schutz durch Persenninge

  Vorsegelpersenninge schützen vor UV-Strahlung und verhindern das Entrollen bei Sturm. Darum: Tuch auf die Tücher!Foto: Hauke Schmidt
Vorsegelpersenninge schützen vor UV-Strahlung und verhindern das Entrollen bei Sturm. Darum: Tuch auf die Tücher!
Faustregel: je dicker das Garn, je schwerer der Stoff, desto besser der Schutz vor schädlicher UV-Strahlung.

Dabei gibt es einen einfachen Trick, die teure Garderobe zu bewahren: eine andere Lage Stoff zum Schutz darüber ausbreiten. Persenninge für Vor- und Großsegel sollten auf jedem Schiff vorhanden sein, solange die Tücher nicht nach dem Segeln komplett abgenommen und unter Deck gelegt werden. Beim Rollvorsegel gibt es auch Aufdopplungen oder schützende Farben. Der Effekt ist jedoch nicht so lang anhaltend wie eine Hülle aus kräftigem Tuch.

Holz und Metall: Wann ist Schutz sinnvoll?

Ein Cover für die Edelstahlwinsch? Das ist eher etwas, um spontane Langfinger abzuschrecken, als die Lebensdauer der Winde zu verlängern. Nötiger hätten es Kunststoffblöcke, Luken, Fenster oder Hutzen – Kunststoffe verlieren mit der Zeit ihre Weichmacher, werden spröde. Dann brechen schon einmal die Griffe der Hebelklemmen, oder ein Block verliert seine Scheibe. Ein Überzug auf der teuren Winde sieht zwar lustig aus, ist aber für deren Haltbarkeit absolut überflüssig. Ganz anders verhält es sich mit den Leinen, die auf genau diesen Winschen belegt und bedient werden sollen – sie sind die mit Abstand empfindlichsten Gegenstände an Deck und sollten den größtmöglichen Schutz genießen. Die einzige Lösung: eine (allerdings teure) Komplett-Persenning.

  Gut sichtbar ist die zerstörerische Kraft der UV-Strahlung im Vergleich der hochgeklappen, weniger exponierten Badeplattform mit dem Teak im CockpitFoto: YACHT/M.-S. Kreplin
Gut sichtbar ist die zerstörerische Kraft der UV-Strahlung im Vergleich der hochgeklappen, weniger exponierten Badeplattform mit dem Teak im Cockpit

Davon profitiert in jedem Fall auch das Deck, unabhängig ob Teak oder Kunststoff. Dabei gelten bei Holzdecks ohnehin eigene Regeln. Ein unlackiertes Stabdeck, trocken und dreckfrei, wird zwar grau, niemals aber kann es die Sonneneinstrahlung zerstören. Allerdings kann es seine Farbe ändern – mancher Betrachter mag das dann weniger schön finden als noch auf der Bootsmesse. Komplexer wird es, wenn das Holz behandelt ist, mit Lacken, Ölen oder Harzen. Dann kann die Sonne sehr wohl zerstörerische Kraft entfalten, Lacke reißen und Epoxide vergilben lassen. Daher gilt: Wer große Holzflächen an Bord hat, spart sich viel Pflegeaufwand, wenn er diese Bereiche mit einer Persenning abdeckt.

  Gute Lösung für Kunststoffboote: Eine Teilpersenning schützt Beschläge und Tauwerk sowie das Großsegel und die Cockpitbeläge und lässte sich in nur wenigen Minuten auf- und abbauenFoto: Lars Bolle
Gute Lösung für Kunststoffboote: Eine Teilpersenning schützt Beschläge und Tauwerk sowie das Großsegel und die Cockpitbeläge und lässte sich in nur wenigen Minuten auf- und abbauen

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