58-Meter-”Ngoni”Spitzenaussicht für 38,5 Millionen Euro

Martin Hager

 · 02.05.2026

Ein 71 Meter hoher Carbon-Mast dominiert das Erscheinungsbild der 58-Meter-Slup "Ngoni" und bietet mutigen Eignern eine ultimative Aussichtsplattform, wie dieses Foto zeigt. Meist geht es allerdings  nur für die Rigging-Experten zwecks Wartung auf das Mast-Topp. Rondal fertigte einen der drei größten einteiligen Masten, die je gebaut wurden. North Sails lieferte das Square-Top-Großsegel.
Foto: Royal Huisman
Der Markt für segelnde Superyachten ist in Bewegung und derzeit suchen einige spannende Formate einen neuen Eigner. Darunter die 58 Meter lange “Ngoni”, die nach einem umfassenden Refit nun Platz für acht Gäste in vier Kabinen bietet. Die Entstehungsgeschichte der Ausnahme-Yacht ist erstaunlich, das Briefing des Eigners war klar: „Baut mir eine Bestie.“ Für 38,5 Millionen Euro bietet die Riesen-Slup einen sensationellen Ausblick aus 71 Meter Höhe.

​Die Segelyacht “Ngoni” von Royal Huisman ist wieder auf dem Markt. Die niederländische Werft Royal Huisman lieferte die Yacht im Jahr 2017 aus. Dubois Naval Architects zeichnete für Außendesign und Konstruktion verantwortlich. Ed Dubois entwarf das Schiff als sein letztes Projekt vor seinem Tod. Der ursprüngliche Eigner forderte die Designer heraus, die Grenzen des Machbaren zu verschieben. „Ich möchte keinen Wolf im Schafspelz“, hatte der erste Eigner zur Maxi­me seines „Ngoni“-Wunschdesigns gemacht. Was ja nur heißen konnte, dass er sich einen Wolf im Wolfspelz wünschte, „an innovative weapon“ zum Zuschlagen auf See. Er steht gern selbst am Ruder, bringt Fastnet- und Sydney-Hobart-Erfahrung mit an das Rad. Der Codename „The Beast“ gab denn auch während der Bauzeit Anlass zu vielen spannenden Mutmaßungen.

2017 wurde der Bau von Royal Huisman ausgeliefert, jetzt steht “Ngoni” über Broker Alastair Shove von Carrswood Yachts zum Verkauf. Aufgerufen werden 38,5 Millionen Euro.

Gesucht: ein frischer Look

Das Team rund um den ersten Eigner hatte drei Designer um Vorschläge gebeten, darunter Ed Dubois. Der Eigner sah sich drei Monate später die Entwürfe an und schickte Dubois mit der Bemerkung wieder an den Zeichentisch, er könne das besser: „Schön, aber einen Tick zu gewöhnlich.“ Vorweg: Ed Dubois hat die Vollendung seines letzten Projekts nicht mehr erleben dürfen; 2016 verlor der 1952 geborene Brite den Kampf gegen eine Krankheit, die er schon besiegt zu haben glaubte.

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Schön, aber einen Tick zu gewöhnlich.“ – Reaktion des Eigners auf die ersten Entwürfe von Ed Dubois

Seine Kommentare zum „Ngoni“-Auftrag gab der Grandseigneur der großen Performance-Slups („Kokomo“, „Mondango“, „Twizzle“) jedoch schon zu Lebzeiten ab. „Der Eigner hatte mich angesprochen, weil er sich einen frischen Look im Yachtdesign wünschte. Er kannte meine gro­ßen Performance-Yachten, wollte jedoch, dass ich zu meinen Wurzeln aus den 70ern und frühen 80ern zurückkehre.“ Dubois, der seine Karriere damals als Designer mit Regattayachten begonnen und erst danach – „wie Frers und Briand“ – schnelle Großyachten gezeichnet hatte, setzte sich wieder ins Studio und griff auf frühere Racing-Entwürfe zurück. „Ich startete meinen inneren Computer neu und konzentrierte mich auf Gewichtsersparnis und Festigkeit der Konstruktion.“

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Eine Slup ist wie Pfeil und Bogen

Das Konzept einer Slup, so Dubois, folge dem Prinzip von Pfeil und Bogen. Der Rumpf entspreche dem Bogen, der Mast dem Pfeil, Vor- und Backstagen seien die Sehne. Den Druck auf die Sehne könne man mit einer starken und tief gehenden Rumpfbreite auffangen. „Ngoni“ jedoch sei eher schlank mit niedrigem Freibord. Ein strukturell schwacher Aufbau und Löcher im Deck für Tender, Skylights und Segel würden die Festigkeit der Konstruktion nicht gerade verbessern. Eine kräftige Decksplatte von 35 Millimetern könne nur einiges ausgleichen. „So kam ich auf den umgekehrten Sprung.“

Die aufwändige Strukturanalyse im Rechner bestätigte eine Steigerung der Festigkeit um zwölf Prozent bei gleichem Materialgewicht. Die Gefahr, dass der Eigner mit dieser außergewöhnlichen Optik nicht einverstanden sein könnte, war Dubois bewusst. „Der Eigner wollte jedoch eine Yacht mit Biss, die gleichzeitig als Worldcruiser funktionieren sollte.“ Dubois musste sich zwangsläufig von den Konventionen entfernen. „Als ich den Eigner dann in London traf, zeigte ich ihm die Zeichnung. Er war begeistert und umarmte mich sogar ganz fest.“ Der konvexe Sprung erleichtere auch die Übersicht vom Cockpit aus. „Ngoni“ verzichtet nämlich trotz des großzügigen Deckshauses auf eine Flybridge. Der Eigner liebt die Nähe zum Wasser.

Wegweisende Silhouette für einen Worldcruiser: Hecküberhang, flacher Aufbau und steiler Steven bilden mit dem Hochleistungsrigg Dubois’ VermächtnisFoto: Jeff Brown/Breed MediaWegweisende Silhouette für einen Worldcruiser: Hecküberhang, flacher Aufbau und steiler Steven bilden mit dem Hochleistungsrigg Dubois’ Vermächtnis

Den freien Blick auf die See verschafft ihm im Aufbau zusätzlich eine verzerrungsfrei gewölbte Verglasung mehrerer Elemente, getönt und in einer Mulde geformt, aus türkischer Produktion.

Ed Dubois schuf auch das Layout unter Deck der “Ngoni”

Dubois verarbeitete neben Racer-Komponenten auch Pläne der Aufbauten seiner 66 Meter langen Vitters-Slup „Aglaia“ (jetzt „Ahimsa“). Nicht zuletzt beeinflusst das Designkonzept der Konstruktion auch das Interieur. „Als Architekten wissen wir, wo Mast, Kielkasten und Motorraum hingehören.“ Besonders auf einer Segelyacht haben diese Elemente grundsätzliche Folgen für die Inneneinrichtung. „Ich kümmere mich gern darum.“ Es komme dabei auch auf den Lifestyle des Eigners an, „was er an Bord mag – oder nur erträgt“. Darum entwickelte Dubois auch das Layout von Haupt- und Unterdeck und brachte damit Kurven als Grundlage für die Inneneinrichtung ins Spiel, auf denen Baker und Morgan aufbauen konnten.

Beim Interieur spielt nicht zuletzt der Begriff Komfort eine Rolle, und der beißt sich oft, wenn auch nicht so aggressiv wie ein Wolf, mit dem Anspruch der Geschwindigkeit. Dass man hier einen Kompromiss eingehen müsse, hörte Dubois gar nicht gern. „Ich bevorzuge den Begriff Balance.“ Um die herzustellen, müsse man den Verwendungszweck und den Nutzen aus der Eignerperspektive betrachten. Aber wie die Balance finden? Was möchte der Eigner wirklich? „Das ist nicht immer leicht zu sagen. Die einen haben sehr klare Vorstellungen, die anderen weniger.“ Der erfahrene „Ngoni“-Eigner war leicht einzuschätzen.

Wer jedoch als Designer nie stundenlang bei Wetter auf der hohen Kante eines selbst gezeichneten Bootes gesessen, nie Kälte und womöglich Furcht, Sieg und Niederlage erfahren habe, der habe nie gelernt, wie ein Boot unter allen Bedingungen eines Regattakurses reagiere. Zu diesen Reaktionen trägt auch das Material der Konstruktion bei. Ganz zu Beginn des „Ngoni“-Briefings sei es um die Frage gegangen, ob auch ein Rumpf aus Kohlefasern in Frage komme. „Der Eigner wollte alle Optionen durchspielen. Wir präsentierten ihm Vergleiche in den Punkten Gewicht, Kosten und Bauzeit.“ Kohlefasern wären leichter und fester geworden, aber weniger komfortabel für weite Strecken auf Weltreise. „Carbonrümpfe reagieren auf See mit aggressiven Bewegungen.“ Sie seien nicht so seefreundlich, förderten Seekrankheit und tendierten zu heftiger Lautstärke. Das führe dazu, dass eingespartes Gewicht auf dem Umweg über akustische Isolierungen an Bord wieder auftauche. Die professionelle Abwägung der Vor- und Nachteile bei Materialien ähnele der Lösung einer komplizierten Gleichung. „Die Eigner vertrauen dir und bezahlen dich genau für diese Fähigkeiten.“

Royal Huisman baute die “Ngoni”, Baker und Morgan statteten aus

Nachdem die Entscheidung für eine Alukonstruktion gefallen war, musste der Eigner noch die Werft aussuchen. Das fiel ihm einigermaßen leicht, denn seine Yacht vor „Ngoni“, die 40 Meter lange Dixon-Ketsch „Antares“, war ebenfalls aus den Hallen von Royal Huisman geglitten, im Jahr 2005.

Der Auftrag für die Gestaltung des Interieurs ging zwangsläufig an Rick Baker und Paul Morgan. Die Partner Baker und Morgan bieten mit der kunsthandwerklich orientierten Londoner Rick Baker Ltd. neben dem Design der Inneneinrichtung auch die komplette Herstellung der selbst entworfenen Möbel und den Einbau für Einzelaufträge an. Mindestens so entscheidend war jedoch, dass sie seit über 20 Jahren Einrichtungswünsche des Eigners zu Lande umsetzen.

“Wir wollten unter allen Umständen ein Hotelgefühl vermeiden.“

Rick Baker studierte Illustration und bildende Kunst, Paul Morgan kommt aus der Architektur. „Ngoni“ war ihre Yachtpremiere. Die beiden verbissen sich mit ganzer Seele in ein unmissverständliches Nicht-Konzept: „Wir haben es bewusst vermieden, der Einrichtung ein Thema mit auf den Weg zu geben. Stattdessen wählten wir für die verschiedenen Bereiche sehr individuelle Lösungen. Wir wollten unter allen Umständen ein Hotelgefühl und Wiederholungen in den Kabinen vermeiden.“

Die Gästekabinen kommen unterschiedlich daherFoto: Jeff Brown/Breed MediaDie Gästekabinen kommen unterschiedlich daher

2.000 Quadratmeter Segel, 71 Meter Mast, 73 Tonnen Ballast

Hochglanzlack und wertvolle Harthölzer wären erwartbar gewesen. „Wir wählten stattdessen sehr spezialisierte Oberflächen, die niemand mit einer modernen Yacht in Verbindung bringt.“ Die Londoner von Officina Coppola lieferten Paneele und Türen aus Harz, Metall und Kalk mit optischen Effekten, die an einen Blick in flache Gewässer erinnern. Baker und Morgan betteten diese Details und ihre Ideen in eine organische und schwungvolle Formensprache ein.

Der regattatrainierte Eigner zeigte bei aller Neigung zu Innovationen konservative Tendenzen. Auf einer Yacht dieser Größe wird niemand eine direkte mechanische Steuerung mit einem Quadranten statt einer Hydraulik erwarten. Royal Huis­man gelang es jedoch, die großen Reibungsmomente und den Ruderdruck zu reduzieren, den ein einziges Ruderblatt und ein Rigg mit 71 Meter langem Mast produzieren. An der Stahlfinne des Liftkiels hängt zum Ausgleich einer Segelfläche von fast 2.000 Quadratmetern am Wind eine Bleibombe mit 73 Tonnen Ballast, alles auch dank Dubois’ Genius leicht mechanisch steuerbar.

Umfassender Refit erweitert Kapazität

Ein Refit im Jahr 2024 veränderte die Raumaufteilung grundlegend. Die ursprüngliche Gym-Einrichtung wich einer Doppelkabine mit angrenzendem Bad. Ngoni bietet nun Platz für acht Gäste in vier großen Kabinen mit eigenem Bad. Die Eignersuite liegt achtern. Im Eignerbüro entstand zusätzlich ein Einzelbett-Sofa. Neun Crewmitglieder wohnen in sechs Kabinen mit eigenem Bad.

​Und der merkwürdige Name „Ngoni“?

Sieht afrikanisch aus, ist afrikanisch und hat allein schon aus diesem Grunde nichts mit einem Wolf zu tun. Das Wort stammt aus Westafrika und bezeichnet ein Saiteninstrument nach Art einer Laute, drei- oder viersaitig. Die Saiten zieht der Musiker über einen Resonanzkörper mit gespanntem Fell auf. Und diesem Korpus geben die Afrikaner traditionell die Form eines Bootsrumpfs.


Technische Daten “Ngoni”

yacht/398-deck-interior-drawing_89c18c59c617decb1d2421ac6d8fa678Foto: Werft
  • Länge über alles: 58,15 m
  • Länge Wasserlinie: 51,20 m
  • Breite: 9,54 m
  • Tiefgang: 5,30/8,10 m
  • Verdrängung: 353 t
  • Gross Tonnage: 396
  • Material: Alustar
  • Rigg: Rondal/Carbo-Link
  • Masthöhe: 75 m
  • Segel: North 3Di
  • Segelfläche (am Wind): 1.950 qm
  • Segelfläche (raumschots): 3.093 qm
  • Motor: MTU 8V 2000 M72
  • Motorleistung: 720 kW
  • Kraftstoff: 30.300 l
  • Reichweite: 4.000 nm @ 12 kn
  • Wasser: 10.000 l
  • Bug-/Heckstrahler: Hydrosta
  • Navigation: B&G, Furuno
  • Kommunikation: Sailor
  • Entertainment: Kaleidescape
  • Design: Dubois Naval Architects
  • Interiordesign: Rick Baker Ltd.
  • Werft: Royal Huisman, 2017

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Martin Hager

Chefredakteur YACHT und BOOTE Exclusiv

Martin Hager ist Chefredakteur der Magazine YACHT und BOOTE EXCLUSIV. Er segelt seit seiner Kindheit, Surfen, Kitesurfen und Wingfoilen ergänzen seit vielen Jahren seinen sportlichen Horizont. Die Liebe zum Wassersport führte ihn zum Schiffbaustudium und von dort im Jahr 2004 in die Hamburger Redaktion des Delius Klasing Verlages. Seine Leidenschaft für den Bootsbau, die Yachtbranche und die spannenden Charaktere, die das Yachting prägen, gibt er mit Freude weiter – sei es in seinen Artikeln, als auch im Gespräch mit Lesern und der Branche.

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