54-Meter-SlupEinmal um Europa für „Argo“

Sören Gehlhaus

 · 13.12.2022

Schiff auf Schiff: Der Rumpf der „Argo“ wurde von den Niederlanden nach Griechenland gebracht
Foto: Juan K

Der 54 Meter lange Alu-Kasko der “Argo” reiste von den Niederlanden ins griechische Lavrio. Omikron Yachts baut aus und orderte bereits einen zweiten Rumpf der Schwenkkiel-Konstruktion von Juan K

Juan K, die Kurzform von Juan Kouyoumdjian, diesen Namen kennt die Segelszene von radikalen Rennmaschinen wie „Rambler 88“, „Skorpios“ oder zuletzt der ClubSwan 80 „My Song“. Dass der argentinische Konstrukteur mit Studio in Valencia nun sogar Pläne für ein Flybridge-Format mit Schwenkkiel vorgelegt hat, erstaunt zunächst. Mit Motorseglern hat die 54 Meter lange und 9,60 Meter breite Alu-Slup „Argo“ allerdings wenig zu tun. Sie ist ein Gemeinschaftsprojekt mit Rob Doyle Design und das Ergebnis eines Pitchs, den Juan K wohl auch dank seines ungewöhnlichen Rumpfdesigns gewann.

Verlagssonderveröffentlichung

Die Dynamik des Risses ergibt sich aus der negativen Ausrichtung von Deckssprung und Steven. Zudem arbeitete Juan Kouyoumdjian einen Tumble-Home-Verlauf, also eine vollflächig konvexe Wölbung, in den Freibord ein, die ein wenig an IOR-Zeiten oder die eingezogenen Rumpfflanken der neuesten Imoca-Generationen und der ClubSwan 125 erinnert. Das raubt etwas an Decksfläche, gibt aber Formstabilität. Und die ist wichtig bei Segelyachten dieser Größe. Denn, darauf weist Juan K hin, bei ihnen geht das aufrichtende Moment stärker vom Eigengewicht als vom Kiel aus. Dank Leichtbau-Alu-Konstruktion – es ist einer der leichtesten Rümpfe, der die Werft verlassen hat – verdrängt „Argo“ mit 264 Tonnen allerdings wenig, im Vergleich zu zwei Meter längeren Formaten von Perini Navi etwa. Die kommen bei gleichem Baumaterial auf 540 Tonnen.

Der Schwenkkiel ist das Meisterstück der „Argo“

Der Kiel ist bei „Argo“ durchaus von Bedeutung, schließlich schwenkt der auf eine Tiefe von 9,50 Meter(!) ab. Das verbessert natürlich die Eigenschaften unter Segeln, die an der Kreuz 1.382 und 1.905 Quadratmeter Fläche vor dem Wind zwischen die Lieken bringen. Das Slup-Rigg ist klassisch und soll ohne Rollbaum auskommen. Prognosen gehen von zwölf Grad Krängung im Cruising- und 21 Grad Krängung im Regatta-Modus aus. Das ist wichtig, da sich jedwede Rollbewegung am erhöhten Steuerstand der Flybridge weitaus extremer anfühlt als ein Deck tiefer. Bei hydraulisch aufgeholtem Kiel soll der Tiefgang bei knapp unter vier Metern liegen, was etwa das Einlaufen in Saint-Tropez ermöglicht. Außerdem ragt die bei APM gefertigte Edelstahlfinne mit Bleizusatz nicht in das Interieur, wie es bei innenliegenden Schäften von Liftkielen der Fall ist.

Bleibt die Frage nach negativen Auswirkungen von Schwenkkielen an Superyachten. Der Entwicklungsaufwand ist hoch, da immer auch ein eventuelles Auflaufen strukturell berechnet werden muss. Nun gibt es keine Kielbombe, in die man eine Knautschzone integrieren könnte. Also wurden Juan K und sein Team erfinderisch. Ihre Lösung: eine kleine Sollbruchstelle für das automatische Lösen des Feststellmechanismus. An die Kolbenstange, die den Kiel aufholt, ist ein Schlitten angeflanscht, in dem vier Bolzen sitzen. Deren Mitten sind verjüngt und brechen bei der Berührung mit Grund oder einem Gegenstand. Der Kiel gibt nach und im Optimalfall keine Querkraft an den Rumpf weiter.

In zwei Jahren soll die „Argo“ segeln

Wie bei all seinen Entwürfen versah Juan K auch die 54 Meter mit einem optischen Detail, das es in der Form noch nicht zu sehen gab. So ziert das Heck in der Mitte eine Art Skeg, an dem kein Ruder hängt. Das gibt es in doppelter Ausführung weit außen. Nein, der V-Steg soll das Schlagen auf See und in der Marina bei Schwell reduzieren. Denn der „Argo“-Eigner entschied sich für ein Layout mit Achter-Suite, die wie alle Innenbereiche von Mark Whiteley gestaltet wird.

An dem ambitionierten Projekt arbeitet Omikron Yachts nun auf dem Gelände von Olympic Marine in Lavrio. Hier wurde bereits ein Mammutprojekt gestemmt, die zehn Jahre dauernde Konversion eines Kompaktkreuzfahrers in die 106 Meter lange „Dream“. Für die Fertigstellung von „Argo“ sollen zwei Jahre ausreichen. Ein weiterer Kunde aus Europa orderte bei Juan K Pläne für eine 44 Meter lange Version des Schwenkkielers, jedoch ohne Flybridge. Die Schweißarbeiten am Kasko erledigt wieder Gouwerok im niederländischen Aalsmeer, wo nach Abschluss ein zweiter 54-Meter-Rumpf für die griechische Omikron-Werft entstehen soll.


Mehr zum Thema Superyachten:

Meistgelesene Artikel