Nils Schildt ist fast 80 Jahre alt, war 1972 im Olympiakader, und segelt heute einen klassischen Zwölf-Fuß-Dinghy – ein Boot, das seit über 100 Jahren nach nahezu denselben Regeln gebaut und gesegelt wird. Im Interview am Rande der Hamburger Summer Classics erzählt er, was ihn an dieser olympischen Klasse fasziniert und warum er sich mit fast 80 noch so sehr für die vorwiegend aus Holz gebauten Boote begeistern kann.
Mir hat die Szene der 12-Fuß Dinghys schon lange gefallen. Ich bin früher viel Drachen und Dickschiff gesegelt, doch ich habe schon länger mit diesen Booten geliebäugelt. Ich werde jetzt in Kürze 80. Da habe ich mir gesagt: Ich kauf mir noch mal eines, restauriere es und guck mal, ob ich das noch kann - und wie lange.
Man ist sehr eng mit der Natur verbunden – mit einem so kleinen, gerade mal 3,66 Meter langen 12-Fuß-Dinghy, das fast zehn Quadratmeter Segelfläche hat. Außerdem wird es mit einem Luggersegel gesegelt, wo man wie bei einem Jugendkutter bei jeder Wende die Spiere auf die andere Seite shiftet.
Man ist nah an der Natur, ohne große technische Dinge. So gibt es gerade mal drei Leinen, die ins Cockpit dürfen: das Schwertfall, der Baumniederholer und der Strecker, der den Baum nach unten zieht, um das Vorliek zu spannen. Weitere Leinen sind nicht erlaubt.
Man hat zwar weniger, auf das man achten muss. Doch schnell zu segeln, ist gar nicht so leicht. Das ist wie beim Drachen: der ist groß, schwer und sieht schnell aus. Doch gehört schon einiges an Erfahrung zu.
Die liegt darin, dass man am Wind das Luggersegel richtig eingestellt bekommt. Das ist mit modernen Segeln viel leichter, weil dort das Profil des Segels bereits eingearbeitet ist. Hier muss man das individuell einstellen: sowohl Vor-, Unter und Achterliek als auch die Gaffel. Alles muss optimiert werden. Das macht eben den Reiz aus.
Das hat mit der Klinkernietung der Planken zu tun. Das ist so eng mit einer vorgegeben Anzahl an Nieten vernietet. Dadurch wird das Holz, genauer die Planken, so dicht aneinandergehalten, dass es wirklich dicht ist und keinerlei Wasser reingeht.
Das stimmt. Hintergrund dessen ist, dass es als Segel- oder Ruderboot für große Yachten konzipiert wurde. Da musste man für die Dollen der Ruder an der Seite Platz freihalten. Insofern gibt es nur ein kleines Deck vorne, was aber hauptsächlich der Versteifung dient.
Ja, schon. Das 12-Fuß-Dinghy ist nicht dafür konzipiert, bei viel Wind zu segeln. Die Segelfläche ist einfach zu groß, sodass schnell die Gefahr besteht, dass man Wasser übernimmt. Halsen gehen dann auch nicht mehr, sodass man nur noch Q-Wenden fahren kann. Das Schiff ist so rank, dass sie schnell drohen, umzukippen. Deshalb werden Regatten für 12-Fuß-Dinghys normalerweise nur bis maximal vier Windstärken gestartet. Das ist europaweit der Fall.
Die 12-Fuß-Dinghys waren 1920 und 1928, in Amsterdam, olympisch. Später ist es abgelöst worden. 1936 von der Olympiajolle und später vom Finn-Dinghy. Doch seitdem gibt es diese Schiffe. Als olympische Klasse unterliegen sie sehr strengen Regeln.
Heute gibt es gerade in Europa große Flotten. Im Süden gibt es teilweise auch Boote aus Kunststoff. Ansonsten findet man sie in Holland, Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die Flotten sind klassisch und werden von den Beschlägen und Equipment so gesegelt, wie es 1920 noch der Fall war. Vor allem die Holländer legen großen Wert darauf, dass diese Regeln eingehalten werden.
Ein Tischler hat 2005 das Holz gekauft und mit seinen Schülern zwei Jahre lang dieses Boot gebaut. Er lehrte an einer Holzfachschule. Dieses Boot hat er mir schließlich aus Altersgründen verkauft. Doch ich bekam lediglich die Rechnung fürs Holz, aber nicht fürs fertige Boot. Das heißt: Baujahr ist 2005, aber original nach den Plänen und nach den Vorschriften von 1913.
Mehr Infos zur Bootsklasse der 12-Fuß-Dinghys finden Sie hier.

Redakteur News & Panorama
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