Mehrrumpfboote um 40 FußFünf Multihulls zwischen Raum und Tempo

YACHT

 · 15.09.2026

Dragonfly 40: Schnelles noch schneller.
Foto: YACHT/B. Kolthof
​Mehrrumpfboote um 40 Fuß können schnelle Reiseboote, schwimmende Apartments oder beides zugleich sein. Dragonfly 40, Excess 13, Neel 43, Vaan R4 und Nautitech 41 Type S zeigen fünf sehr unterschiedliche Lösungen.

Themen in diesem Artikel

​Mehrrumpfboote um 40 Fuß bieten viel Platz und bleiben dennoch in einer Größenklasse, die sich mit kleiner Crew beherrschen lässt. Die fünf vorgestellten Katamarane und Trimarane unterscheiden sich allerdings deutlich bei Gewicht, Segelleistung, Innenausbau und Hafenbreite.

Die angegebenen Einstiegspreise sind Stand 2026. Wie die ausgewiesenen Preise definiert sind, lesen Sie hier.

Dragonfly 40: Schnelles noch schneller

Die Segelleistung lässt sich einfach abrufen. Lediglich das Steuern erfordert Konzentration, sonst geht viel Speed verloren.
Foto: YACHT/K. Andrews
Länge: 12,40 Meter; Breite: 8,40 Meter, gefaltet 4,00 Meter; Gewicht: 5,8 Tonnen; Preis: ab 950.800 Euro.

Der Dragonfly 40 ist mit 5,8 Tonnen das mit Abstand leichteste Boot der Auswahl. Seine Seitenrümpfe lassen sich mit elektrischen Winschen in weniger als einer Minute einschwenken. Dadurch verringert sich die Breite von 8,40 auf hafentaugliche 4,00 Meter.

Im Test des Dragonfly 40 erreichte die stärker besegelte Ultimate-Version unter Code Zero wiederholt 17 bis 20 Knoten. Auf der Kreuz waren meist acht bis neun Knoten möglich. Die direkte Steuerung verlangt Aufmerksamkeit, weil ungenaue Kurskorrekturen schnell Geschwindigkeit kosten. Der schmale Mittelrumpf bietet weniger Wohnfläche als ein vergleichbar langer Fahrtenkatamaran, ist aber gut genutzt. Eine separate Achterkammer, viel Tageslicht und eine sehr saubere Verarbeitung machen den Trimaran auch für längere Törns interessant. Weniger praktisch ist der Travellerersatz mit einer zusätzlichen Talje, die vor einer Halse umgesetzt werden muss.

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Excess 13: der Kat für die Gen Z

Gute Leistungen im Fokus: Vor allem bei Wind gibt der Excess 13 eine eindrückliche Kostprobe seines Leistungsvermögens ab.
Foto: Andreas Lindlahr
Länge: 12,38 Meter; Breite: 7,25 Meter; Gewicht: 10,6 Tonnen Preis: ab 572.985 Euro.

Der Excess 13 gewann 2026 den Titel Europas Yacht des Jahres in der Kategorie Family Cruiser. Marc Lombard Yacht Design verbindet voluminöse Rümpfe mit einem leistungsstarken Rigg und zwei achterlichen Steuerständen.

Im Test des Excess 13 lief der Katamaran am Wind 6,8 Knoten bei einem Winkel von rund 45 Grad zum wahren Wind. Mit Code Zero waren raumschots etwa zwölf Knoten möglich, im Surf wurden kurzzeitig 16,6 Knoten gemessen. Auch in bis zu zwei Meter hohen Wellen blieb das Boot kontrollierbar und vergleichsweise ruhig. Die Eignerversion hat drei Kabinen und drei Nasszellen. Der gesamte Steuerbordrumpf bildet einen offenen Wohnbereich mit Schlafkammer, Büro, begehbarem Kleiderschrank und großem Bad. Kritik gab es an fehlenden Festhaltemöglichkeiten im Salon und einzelnen wenig robust wirkenden Beschlägen. Ab acht Knoten traten am Testschiff Vibrationen auf, deren Ursache nicht geklärt werden konnte.


Neel 43: Der Trimaran mit offenem Wohnkonzept

Flott unterwegs. Bei Wind spielt der Tri seine Stärken auf allen Kursen aus. Optisch prägnant ist das durchgehende Fensterband im Kajütaufbau.
Foto: YACHT/O. Blanchet
Länge: 12,90 Meter; Breite: 7,40 Meter; Gewicht: 9,0 Tonnen Preis: ab 522.230 Euro.

Der Neel 43 verbindet die sportlicheren Segeleigenschaften eines Trimarans mit einem weitgehend offenen Wohnbereich. Salon, Pantry und zwei Schlafbereiche liegen auf einer Ebene. Eine weitere Doppelkabine befindet sich im Vorschiff des Mittelrumpfs.

Bei 15 bis 18 Knoten Wind erreichte der Trimaran im Test des Neel 43 durchschnittlich acht Knoten am Wind. Mit Gennaker oder Code Zero stieg das Tempo in den zweistelligen Bereich. Das Einzelruder vermittelte viel Gefühl, zugleich bewegte sich die Yacht im Seegang eher wie ein Einrumpfboot als wie ein schwerer Fahrtenkatamaran. Beim Komfort müssen Eigner Kompromisse akzeptieren. Im Innenraum gibt es wenig festen Stauraum und für die gesamte Crew nur eine Nasszelle. Die überlappende Genua macht Wenden und andere Manöver für Einhandsegler anspruchsvoller. Dafür ist die Bordtechnik im Mittelrumpf übersichtlich installiert und gut erreichbar.


Vaan R4: Fahrtenkatamaran aus recyceltem Aluminium

Wuchtig, klar, aufgeräumt: Der Vaan R4 ist eine durchaus avantgardistische Erscheinung. Der Targabügel erinnert an Sportwagen aus Stuttgart
Foto: YACHT/B. Kolthoff
Länge: 12,80 Meter; Breite: 7,05 Meter; Gewicht: 10,9 Tonnen; Preis: ab 1.065.000 Euro.

Der Rumpf des niederländischen Vaan R4 besteht aus seewasserbeständigem Aluminium mit einem Recyclinganteil von 65 bis 80 Prozent. Auch bei Kork, Holz, Teppichen und Polsterstoffen setzt die Werft auf wiederverwendete oder nachwachsende Materialien.

Im Test des Vaan R4 beschleunigte der Kat bei 15 bis 18 Knoten Wind in den Böen spürbar. Am Wind waren bei etwa 35 Grad zum scheinbaren Wind rund sechs Knoten möglich. Die Steuerung reagierte direkt und neutral. Aussagen zum Verhalten in Wellen waren nicht möglich, weil am Testtag kein nennenswerter Seegang herrschte. Salon und offenes Cockpit liegen auf einer Ebene. Große Fenster schaffen fast freie Rundumsicht. Im Eignerlayout befinden sich in beiden Rümpfen 1,60 Meter breite Achterkojen, viel Schrankraum sowie getrennte Bereiche für Dusche und WC. Alternativ sind zusätzliche Kojen oder ein zweites Bad möglich. Elektrische Oceanvolt-Antriebe gehören zum Konzept. Mit optionalen Servoprops kann der Kat unter Segeln Strom erzeugen. Im Cockpit müssen die Leinenenden sorgfältig verstaut werden, damit sie nicht ins Wasser und damit in die Nähe der Ruder oder Propeller geraten.


Nautitech 41 Type S: Sportlicher Tourer mit Smart Room

Leistung und Sportlichkeit im Fokus. Die ausgeprägte Rumpfaufkimmungen  sind bis zu den Bugen durchgezogen und sorgen für eine stark eingezogene,  schlanke Wasserlinie.
Foto: YACHT / Nils Günter
Länge: 12,60 Meter; Breite: 7,30 Meter; Gewicht: 9,6 Tonnen; Preis: ab 539.070 Euro.

Der Nautitech 41 Type S sucht den Mittelweg zwischen Fahrtenkatamaran und Performance-Boot. Der Entwurf von Marc Lombard hat feste Flossenkiele, ein hohes Rigg und zwei weit achtern angeordnete Steuerstände. Trotz nur acht bis zehn Knoten Wind erreichte der Katamaran im ersten Teil des Tests des Nautitech 41 Type S am Wind 6,7 Knoten bei 50 Grad zum wahren Wind. Mit Code Zero lief er auf halbem Wind mehr als acht Knoten. Der Kat reagierte präzise auf Steuerbewegungen, wendete zügig und beschleunigte danach schnell wieder.

Das Standardlayout bietet drei Kabinen und zwei Bäder. Statt der vorderen Steuerbordkabine lässt sich ein modularer Smart Room einrichten, etwa als Werkstatt, Waschraum, Garderobe oder zusätzlicher Stauraum. Außerdem gibt es einen durchgehenden Eignerbereich im Backbordrumpf. Textile Taschen und Boxen ersetzen an vielen Stellen feste Schränke und sparen Gewicht. Bei intensiver Nutzung dürften sie jedoch schneller verschleißen als klassischer Möbelbau. Am neuen Testboot zeigten dünne Laminatkanten bereits einzelne Abplatzungen. Die Steueranlage arbeitet mit einem gemeinsamen Drahtseilzug und bietet damit keine vollständige Redundanz.


Welches Mehrrumpfboot passt zu welcher Crew?

Der Dragonfly 40 richtet sich an Segler, die Geschwindigkeit und direktes Handling höher gewichten als maximale Wohnfläche. Das Faltsystem löst zugleich das Liegeplatzproblem vieler Mehrrumpfboote. Allerdings liegt der Trimaran preislich weit über den meisten Serienkatamaranen dieser Größe. Excess 13 und Nautitech 41 Type S besetzen die sportliche Mitte. Beide verbinden gute Segelleistungen mit einem vollwertigen Fahrtenausbau. Der Excess bietet das größere Wohnangebot, während der Nautitech mit niedrigerem Gewicht, agilem Handling und dem modularen Smart Room punktet.

Der Neel 43 ist ein eigenständiger Kompromiss. Er segelt schneller und lebendiger als viele klassische Fahrtenkatamarane, verlangt beim Stauraum und bei der Zahl der Nasszellen aber Abstriche. Der Vaan R4 setzt den Schwerpunkt auf Materialwahl, elektrische Antriebe und einen hellen, großzügigen Ausbau. Er spricht Eigner an, die eine individuell gebaute Fahrtenyacht suchen und bereit sind, dafür den höchsten Einstiegspreis dieser Auswahl zu zahlen.


Buchtipps

Katamaran segeln erklärt die Besonderheiten des Segelns auf zwei Rümpfen. Tom und Brian Phipps behandeln Aufbau und Pflege, An- und Ablegen, Wende, Halse, Segeltrimm und den Umgang mit Gennakern. Das Buch richtet sich an Einrumpfsegler, die auf einen Katamaran wechseln möchten, und an erfahrene Katsegler, die ihre Manöver und Trimmtechnik verbessern wollen.

Blauwassersegeln kompakt hilft bei der Einschätzung, ob ein Mehrrumpfboot zur geplanten Langfahrt passt. Sönke und Judith Roever behandeln Schiffswahl, Rigg, Segel, Energieversorgung, Kommunikation, Navigation, Sicherheit, Proviantierung und Kosten. Damit ergänzt der Titel die Modellvorstellungen um die praktische Vorbereitung langer Reisen.


Maximales Tempo oder maximaler Wohnraum: Welches Mehrrumpfkonzept würden Sie wählen? Diskutieren Sie mit.

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