Bei Nautitech Catamarans in Rochefort hat sich in der vergangenen Dekade viel getan. Bei einem früheren Besuch der YACHT-Redaktion präsentierte sich die Werft unweit von La Rochelle noch als kleiner, wenig strukturierter Betrieb. Anlässlich des Tests des neuen Nautitech 41 Type S zeigt sich nun ein völlig anderes Bild.
Seit Nautitech zur Bavaria Yachtbau Holding gehört, ist der Einfluss des deutschen Serienyachtbaus unübersehbar. Die Produktion ist heute sauber organisiert und präzise getaktet. Gefertigt wird teils am Band, teils in modularer Bauweise – mit klar abgestimmten Abläufen und einer Kapazität von bis zu 80 neuen Booten im Jahr. Bavaria-CEO Norbert Leifeld verantwortet die Marke Nautitech, operativ bleiben die Franzosen aber eigenständig und verfügen über eigene Teams für Entwicklung, Konstruktion, Einkauf und Vertrieb.
Der Nautitech 41 Type S folgt auf den 2013 vorgestellten 40 Open und bildet künftig den Einstieg in das bewusst kompakt gehaltene Programm, ergänzt durch den 44 Open und den 48 Open. Damit deckt die Werft das Segment zwischen 12 und 15 Metern Rumpflänge mit drei sauber abgestuften Modellen ab. Die Konstruktionen stammen von Marc Lombard Yacht Design und treten optisch unverkennbar als Familie mit einer starken Markenidentität auf.
Wie die beiden größeren Modelle ist auch der 41 Type S konsequent sportlich ausgerichtet. Der Katamaran entsteht in gewichtsreduzierter Bauweise und trägt ein vergleichsweise hohes, leistungsstarkes Rigg mit tief angeschlagenem Baum. Zwei Steuerstände weit achtern unterstreichen den temperamentvollen Anspruch. Auf aufholbare Schwerter, wie sie bei dezidierten Performance-Katamaranen beispielsweise von Outremer oder Catana üblich sind, verzichtet Nautitech. Stattdessen kommen feste Flossenkiele zum Einsatz.
Damit positioniert sich der 41 Type S nicht als kompromissloser Leichtbaukatamaran, sondern als sportliches Fahrtenboot – als Performance-Cruiser auf zwei Rümpfen. Diese bei Einrumpfbooten populäre Mischung aus Cruising und Sport besetzt im Katamaransegment nur eine kleine Nische.
Im europäischen Serienmarkt drängt sich vor allem der Excess 13 als möglicher Wettbewerber auf. Ausgezeichnet mit dem Titel als Europas Yacht des Jahres 2026 verfolgt der ebenfalls in Frankreich gebaute und bei Marc Lombard konstruierte Katamaran einen ähnlichen Ansatz und bietet bei vergleichbarer Grundausstattung ein mutmaßlich ähnliches Leistungspotenzial. Auch preislich liegen beide Modelle weitgehend auf Augenhöhe, wobei der Excess sowohl beim Basispreis als auch nach Ausstattungsbereinigung etwas teurer bleibt.
Konstruktiv unterscheidet sich der Nautitech 41 Type S deutlich von den größeren Modellen 44 Open und 48 Open. Als Novum verläuft die Kiellinie im hinteren Bereich der Rümpfe konkav: Der Kielsprung wird zum Heck hin negativ, während das Unterwasserschiff im mittleren Bereich als Ausgleich tiefer ausgeformt ist. Die konkave Form soll dynamischen Auftrieb erzeugen und die Rümpfe bei Fahrt achtern anheben. Besonders am weniger belasteten Luvrumpf kann sich das Wasser dadurch früher vom Heck lösen. Beim YACHT-Test vor La Rochelle ließ sich dieser Effekt ab etwa acht Knoten Fahrt gut beobachten.
Die widerstandsoptimierten Rumpfformen zeigen im Test spürbare Wirkung. Trotz lediglich acht bis zehn Knoten Wind kommt der Nautitech mit einer aufgewerteten Segelgarderobe gut in Fahrt. Hart am Wind zeigt die Logge 6,7 Knoten bei einem wahren Windwinkel von 50 Grad. Das sind beachtliche Werte für einen Fahrtenkatamaran dieser Größe und Ausrichtung. Mit dem optionalen Code Zero steigt die Geschwindigkeit auf halbem Wind auf über acht Knoten Speed.
Eindrücklicher als die reinen Messwerte ist das lebendige Verhalten des Katamarans. Der Nautitech reagiert zügig und präzise auf Bewegungen an den Rädern, dreht willig durch die Wende und verliert dabei nur wenig Fahrt. Anschließend beschleunigt er schnell wieder auf das vorherige Tempo.Dabei helfen vor allem das geringe Gewicht und die Konzentration schwerer Einbauten zur Schiffsmitte. Anders als bei vielen Katamaranen sitzen die beiden Dieselmotoren nicht in den Achterpiken, sondern weiter vorn unter den Kojen der Achterkabinen. Auch die Dieseltanks sind zentral in den Rümpfen unter den Bodenbrettern angeordnet. Die gebündelte Massenverteilung soll nicht nur die Drehfreudigkeit fördern, sondern zugleich das Stampfen in der Welle reduzieren.
Am Wind baut sich ein leichter, gut wahrnehmbarer Ruderdruck auf. Dadurch lässt sich der Katamaran gefühlvoll führen – eine für Katamarane generell eher seltene Eigenschaft. Dazu trägt auch die Steueranlage bei. Beide Räder sowie die weit hinten in den Rümpfen eingebauten Ruderquadranten sind über einen einzigen durchgehenden Drahtseilzug miteinander verbunden und nicht, wie bei Katamaranen häufig üblich, über eine lange Schubstange. Das System arbeitet äußerst leichtgängig, bietet bei einem Defekt allerdings keine echte Redundanz. Der Autopilot greift zwar direkt auf einen der beiden Ruderquadranten zu und könnte im Notfall die Steuerung übernehmen, jedoch nur auf einer Seite. Nautitech stattet die Boote deshalb auf Wunsch der Kunden nicht selten mit zwei synchronisierten Autopiloten aus.
Fallen, Schoten und Trimmleinen laufen über Kajütdach und Seitendecks bis vor den Ruderstand auf der Steuerbordseite. Dadurch lassen sich alle wesentlichen Funktionen zum Setzen und Trimmen der Segel auf kurzen Wegen vom Steuermann bedienen. Trotz der serienmäßigen Genua mit Holepunkten auf dem Kajütdach bleibt der Katamaran gut einhandtauglich. Großschot und Traveller auf dem achteren Beam sind ebenfalls gut erreichbar und auf ergonomisch sinnvoller Höhe über die Winschen zu bedienen. Bereits serienmäßig bestehen Schoten und Fallen aus dehnungsarmem Dyneema, was eine präzise Kraftübertragung und geringe Reckwerte gewährleistet.
Im zweiten Teil geht es um den Innenausbau: Wie Nautitech den Platz im Innern löst, warum ein Smart Room möglich ist und welche Gewichtsspar- und Materialentscheidungen dabei auffallen.
GFK-Sandwich mit Vinylesterharz (äußere Schicht) und Iso-Polyester (innen) und PVC-Schaumkern. Laminataufbau mit Vakuum-Infusion.
Standard ist das Alurigg von Sparcraft mit zwei Salingen, dazu ein einfacher Satz Dacron-Segel mit Genua und einem Lattengroß mit Square-Head. Das Paket „Boost your Sail“ mit Laminatsegeln, Textilwanten und der kompletten Gennaker-Ausstattung inklusive Bugspriet gibt es für 55.500 Euro zusätzlich.
Katamaran segeln setzt genau bei den Eigenheiten des Segelns auf zwei Rümpfen an: Katamaran-Typen, Aufbau und Pflege, Manöver sowie Segeltrimm werden ebenso behandelt wie Gennakersegeln und fortgeschrittene Techniken. Damit ergänzt der Titel den Test des Nautitech 41 Type S um die praktische Frage, wie sich Leistung, Wendigkeit und die besonderen Abläufe an Bord eines sportlich ausgerichteten Kats im Segelalltag nutzen lassen.
Praxisguide Fahrtensegeln richtet den Blick stärker auf die Reise- und Nutzungsperspektive. Das Buch behandelt die Auswahl des Bootes, Wetterprognosen, Windvorhersagen, Ausrüstung und typische Fragen vor dem Törn. Für Leser, die den Nautitech nicht nur als leistungsorientierte Konstruktion betrachten, sondern seine Eignung als Fahrtenyacht beurteilen wollen, liefert es nachvollziehbare Kriterien für Planung, Sicherheit und Bordalltag.
Wie wichtig ist Ihnen bei einem Fahrtenkatamaran die sportliche Segelleistung – und wo würden Sie dafür Abstriche bei Komfort oder Zuladung akzeptieren?

Redakteur Test & Technik
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