Baggenfjärden, der Schärenbereich zwischen Värmdö, Ingarö und dem vornehmen Saltsjöbaden, ist Stockholms natürliche Regattaarena. Von zum Teil hohen und bewaldeten Inseln umgeben, gilt er unter den Einheimischen als verzwicktes Revier und zugleich die Heimat der Arcona 385. Wir segeln das Boot dagegen auf der Flensburger Förde bei mäßigem Ost- und später bisweilen recht zügigem Südwestwind. waldreiche Ufer sorgen auch hier für wechselhafte und böige Bedingungen.
Die Arcona 385 segelt sichtlich steif und schiebt generell wenig Krängung. Böen scheint sie leichter in Geschwindigkeit umzusetzen als ihre Wettbewerberinnen, welche die plötzlichen Drücker eher mit mehr Lage quittieren. Auch liegt die Schwedin sehr ausgewogen auf dem Ruder und kann mit wenig Druck auf den doppelten Rädern leicht an der Windkante gehalten werden. Das macht es für den Rudergänger einfach, das Boot optimal zu dirigieren. Allerdings wird die Steuerung beim Testboot vonseiten der Arcona-Werft absichtlich mit wenig Spannung eingestellt. Das Spiel auf dem Rad ist unangenehm und gewöhnungsbedürftig, und das System fühlt sich schwammig an.
Kiel und Ruder der Arcona wurden zusammen mit der Universität in Göteborg auf minimalen Widerstand optimiert. Mit spürbarem Erfolg. Mit der Schwedin zu kreuzen ist abgehen von der nicht optimal eingestellten Ruderanlage ein Traum, sie läuft willig Höhe und loggt gute Geschwindigkeiten. Zudem beschleunigt sie in den Böen enorm agil. Selbst kräftige Drücker, zwingen das Boot nicht aus der Bahn. Kommt doch mal etwas zu viel Last aufs Rad, genügt es, den über die gesamte Cockpitbreite laufenden und gut dimensionierten Traveller einige Zentimeter nach Lee zu entlassen, um Druck abzubauen.
Erfreulich auch, dass die Schweden bei der Beschlagswahl auf Details achten. So laufen die hochbelasteten Fallen von Groß und Genua durch kräftigere Fallenstopper und werden über walzengelagerte Blöcke umgelenkt. Zudem ist das Vorsegel mit einem Beiholer-System versehen und wird serienmäßig über eine leichtgängige Unter-Deck-Rollanlage gerefft.
Im Vergleich zum Vorgängermodell Arcona 380 gab es optischen Anpassungen an und unter Deck. zudem hat das Schiff mit dem Upgrade auch ein offenes Heck erhalten. Staufächer für die Fallen und Schwalbennester sorgen für Ordnung im Cockpit. Eine Besonderheit ist der Cockpittisch. Er wird in einem flachen Fach im Boden gestaut und bei Bedarf auf einem Sockel verankert – eine Lösung, wie man sie von der XP-38 kennt. Der Sockel dient zugleich als Fußstütze und gewährt bei Lage Halt, denn das Cockpit ist sehr breit.
Ein Grund für das gute Ansprechen der 385er liegt im Leichtbau. Rumpf und Deck werden in Estland gefertigt, und zwar im Vakuum-Infusionsverfahren als Sandwich mit 20-Millimeter-Divinycell-Kern.
Rund um die Kielaufhängung, den Ruderkoker, alle Borddurchlässe und die Beschläge kommt massives Material zum Einsatz. Die Kräfte von Mast und Kiel werden von einen Rahmen aus verzinktem Stahl aufgenommen, der mit Rumpf und Schotten verschraubt ist. Eine durable und bei den größeren Arconas bewährte Bauweise.
Die Püttinge sind direkt in der Bordwand verankert. Das Fehlen überlappender Vorsegel gleicht das 19,50 Meter hohe Rigg aus. Bei Leichtwind kann zusätzlich ein Code Zero gesetzt werden.
Unter Deck gibt sich die Arcona typisch skandinavisch und für eine derartig sportliche Yacht geradezu luxuriös. Sowohl bei der Holzauswahl als auch in Bezug auf die Verarbeitung im Detail liefern die estnischen Bootsbauer locker die vielgerühmte Orust-Qualität à la Hallberg-Rassy. Dass es trotz des üppigen Einsatzes von Khaya-Mahagoni nicht zu dunkel wird, liegt zum einen an der angenehmen hellrötlichen Färbung des Holzes, zum anderen an den großen, Fenstern. Lediglich die inzwischen wie die bündig eingesetzten und ebenfalls vergleichsweise großen Decksluken abgetönt sind.
Dank der großen Breite sind die Platzverhältnisse sehr gut. Selbst die Vorschiffskoje bietet eine deutlich bessere Liegefläche als die der Wettbewerber von Dehler oder X-Yachts. Lediglich in puncto Stehhöhe zahlt man den Preis der Schönheit, sprich des gemäßigten Freibords. Mit 1,76 Metern müssen die meisten im Vorschiff wohl den Kopf einziehen. In Salon, Pantry und Achterkammer beträgt die Stehhöhe dann aber wieder durchgängig über 1,90 Meter. Im Bad lässt es sich bei 1,87 Metern duschen.
Punkten kann die Arcona bei den Stauräumen. Sie sind vor allem im Vorschiff großzügig und in Form belüfteter Schränke und Schubfächer praxisgerecht erreichbar. Der Raum unter den Salonkojen ist weitestgehend von Diesel- und Frischwassertank belegt. Vorräte und Kochutensilien lassen sich aber in den Oberschränken und der Pantry unterbringen. Diese wird auf den Serienbooten sogar noch etwas größer ausfallen als beim getesteten Prototypen.
Gut gelöst hat die Werft die Belüftung: Zum Kochen lässt sich das Fenster über dem Herd öffnen. Außerdem sorgen zwei Lufthutzen vor dem Schiebeluk für regengeschützte Dauerbeatmung.
Neben dem von uns gesegelten Standardboot mit zwei fast gleichgroßen Achterkammern und verschiebbarem Navitisch wird eine Variante mit Stehpult zum Navigieren angeboten, wodurch der Stauraum wächst. Darüber hinaus ist eine Einzelkammer im Heck zu haben. Dann entsteht an Steuerbord eine große, durch das Bad erreichbare Backskiste mit Notkoje. Der Duschraum nimmt in dieser Konfiguration ebenfalls zu und ist durch eine eigene Tür zugänglich.
Die Liegeflächen der Achterkammern unterscheiden sich bei den Layout-Varianten. Mit einer Breite von jeweils 1,63 Metern fallen sie für ein Dreikammernboot dieser Klasse komfortabel aus. Da der Motorkasten kaum in die Koje ragt und auch die Steuermechanik nicht stört, reicht der Platz für zwei Erwachsene. Mit einem Doppelschrank pro Kammer ist der Stauraum bei voller Belegung etwas knapp. Die Boote der Konkurrenz bieten in dieser Hinsicht aber auch nicht mehr. In der Ausführung mit nur einer Kabine hinten fällt die Koje sogar noch deutlich größer aus, weil in dem Fall das Längsschott achtern seitlich verschoben eingebaut wird.
Apropos Konkurrenz: Im Segment um 38 Fuß treten mit der Dehler 38, der J-112 und der X-40 gleich drei sehr ähnliche Schiffe an. Allerdings mit einer gewaltigen Preisspanne.
Gemessen an der Dehler erscheint die Arcona sehr teuer. Doch Vakuuminfusion und ein derart gediegener Holzausbau sind nicht nur höher zu bewerten als das Standardboot aus Deutschland, sie treiben auch den Preis. Für einen fairen Vergleich muss daher eher die Regattavariante von Dehler herangezogen werden. Und damit schrumpft auch deren Preisvorteil.
Stand 2025, wie die ausgewiesenen Preise definiert sind, finden Sie hier!
Hohe Varianz
Gute Cockpiteinteilung
Ermüdende Arbeitspositionen
Steif und schnell am Wind
Sehr ausgewogene Steuerung
Schnelle Reaktionen
Abgetrennte Dusche möglich
Hochwertiger Innenausbau
Querbelüftung kaum möglich
Sehr sauber installierte Bordtechnik
Elektroantrieb als Alternative
Steuerung schwer erreichbar
Arcona Yachts AG, 13440 Gustavsberg (Schweden); www.arconayachts.se