Performance-Cruiser Tide 36Schnelles Design mit klassischen Anleihen

Fridtjof Gunkel

 · 31.10.2022

Leicht, flach, schmal, etwas retro: Die Tide 36 vereint verschiedene Stilelemente
Foto: YACHT/N.Krauss
Erste Bilder der Tide 36, ein Performance-Cruiser mit klassischen Anleihen

Die von MFH in Emden gebaute Von-Ahlen-Konstruktion kombiniert schlanke Linien, Pinne, geschlossenes Yachtheck, ovale Fenster und moderne Anhänge zu einem leistungsstarken und seltenen Mix in einem Performance-Cruiser

Die Baunummer eins wurde bei Janssen & Renkhoff in Kappeln ausgebaut und stand der YACHT bereits für einen Test zur Verfügung. MFH steht für Maritime Faserverbundtechnik Haring, einen Betrieb, der mit der Tide 34 bereits 2012 einen schmalen, schicken Wattenkreuzer vorstellte. Der neue Performance-Cruiser ist ebenfalls recht schlank gehalten, jedoch mit einem geschweißten hohlen Edelstahl-Festkiel und Bleibombe ausgestattet. Retrospektive Elemente wie ein geschlossenes Yachtheck, ovale Fenster und geringes Rumpfvolumen statt maximal umbautem Raum sowie niedriger Freibord kennzeichnen das Schiff ebenso wie eine Pinnensteuerung und eine Hundekoje statt einer Achterkabine.

Verlagssonderveröffentlichung

Starke Leistung im Test

Der Prototyp des einzigartigen Performance-Cruisers entstand in Kooperation mit der Kappelner Werft Janssen & Renkhoff. Das hochwertig gebaute Boot mit einem Leergewicht von unter vier Tonnen segelt agil, schnell und hoch, wie sich beim YACHT-Test zeigte. Auch Böen von 16 Knoten scheinbarem Wind steckte das Boot gut weg und neigte auch bei größerer Krängung nicht zum Kontrollverlust. Der Ruderdruck ist bei den Bedingungen angemessen und hilft, die Spur am Wind gut zu finden und zu halten.

Tide 36: Performance-Cruiser geht auch hübsch

Das angenehm große Cockpit bietet genug Platz für drei Personen auch in Manövern, für mehr ist das Boot mit drei Schlafplätzen in Vorschiff und Hundekoje auch nicht konzipiert. Mit einem Leergewicht von unter vier Tonnen und großzügig bemessener Segelfläche kommt die Tide 36 auf eine hohe Segeltragezahl von 4,65, was üblicherweise recht performanten Yachten vorbehalten ist. Und dies bereits mit der Selbstwendefock. Eine kurz überlappende Genua ist ebenfalls möglich und erhöht die Segeltragezahl auf 4,85. Zur hohen Segelleistung trägt auch der hohle Edelstahlkiel mit Bleibombe bei, den guten Steuereigenschaften hilft das recht große Ruder. Das zeigte sich auf der Baunummer 1 noch als suboptimal; es neigte bei mittleren Geschwindigkeiten zum Vibrieren, was durch eine schmalere Achterkante noch geändert wird.

Etwas Retro auch unter Deck

Der Innenraum fällt insgesamt recht knapp und flach aus. Designer Marc-Oliver von Ahlen: “Statt maximal umbautem Raum punktet das Boot mit einer besonders hochwertigen Ausstattung.” Tatsächlich: Es gibt auf dem Performance-Cruiser ein großes WC und ein Porzellanwaschbecken in der Nasszelle, die auch eine Duschmöglichkeit bietet. Die hochwertigen Leuchten von Prebit lassen sich dimmen. Die Oberflächen sind natur und cremefarben gestaltet. Und an den Kielbolzen hat sich die Werft so richtig ausgetobt: Die großen Hutmuttern aus Edelstahl sind hochglanzpoliert und halten auch den Tisch. Selbst im Verborgenen geht der hohe Qualitätsanspruch weiter: Die Bodenwrangen sind aus massivem Holz gefertigt und eine Augenweide, man müsste eigentlich Plexiglasbodenbretter und eine Bilgenbeleuchtung installieren. Der hohe Qualitätsanspruch geht weiter. Die perfekt gefertigten Einbauten mit sauberen Kanten, versiegelten Flächen und schönen Abschlüssen überzeugen ebenso wie die hochwertige Beschlagsausstattung, die eine Nummer größer ausgeführt und somit langlebiger und leichtgängiger sein dürfte.


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