Fahrtenyachten um 50 FußFünf Konzepte für große Törns

YACHT

 · 11.09.2026

Dufour 54: Überraschend agil und besonders wandelbar.
Foto: Nils Günter
​Bavaria C57, Beneteau Oceanis 52, Dufour 54, Hanse 510 und Jeanneau Yachts 55 gehören zur gehobenen Klasse großer Fahrtenyachten. Ihre Abmessungen ähneln sich, bei Segeleigenschaften, Cockpit und Innenausbau gehen die fünf Werften jedoch unterschiedliche Wege.

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Fahrtenyachten um 50 Fuß bieten reichlich Platz für lange Reisen, Gäste oder große Chartercrews. Die fünf hier vorgestellten Modelle zeigen, wie verschieden Werften diese Größenklasse interpretieren. Das Spektrum reicht vom variablen Großserienmodell über den agilen Cruiser bis zur konsequent auf Eigner zugeschnittenen Blauwasseryacht.

Die angegebenen Einstiegspreise sind Stand 2026. Wie die ausgewiesenen Preise definiert sind, lesen Sie hier.

Bavaria C57: Viel Platz und bis zu fünf Kabinen

Länge: 16,16 Meter; Breite: 5,28 Meter; Gewicht: 18,1 Tonnen; Preis: ab 641.290 Euro.Foto: Bavaria YachtbauLänge: 16,16 Meter; Breite: 5,28 Meter; Gewicht: 18,1 Tonnen; Preis: ab 641.290 Euro.

Die Bavaria C57 ist das Flaggschiff der gehobenen C-Linie aus Giebelstadt. Der Entwurf von Cossutti Yacht Design kombiniert einen 5,28 Meter breiten Rumpf mit Doppelruder, zwei Steuerständen und einem großen Cockpit. Zwei versenkbare Tische schaffen je nach Nutzung eine freie Fläche oder getrennte Sitzgruppen. Unter Deck reicht das Angebot von drei bis fünf Doppelkabinen. Im Standard befindet sich die Eignerkabine im Vorschiff, zwei weitere Kabinen liegen achtern. Die Vorschiffskabine kann geteilt werden. Zwischen Salon und achterlicher Steuerbordkabine ist außerdem eine Kammer mit Stockbetten möglich, die alternativ als Wirtschaftsraum genutzt werden kann. Der Rumpf wird per Vakuuminfusion gefertigt. Die Werft hebt außerdem die lange Wasserlinie und die große Badeplattform hervor.

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Beneteau Oceanis 52: Charter- und Eignerversion klar getrennt

Kolossale Formen, guter Zug: Bei Wind zeigt die große Oceanis viel Dynamik. Beim Testboot hilft dabei die Performance-Ausstattung.
Foto: Andreas Lindlahr
Länge: 15,31 Meter; Breite: 4,84 Meter; Gewicht: 14,5 Tonnen; Preis: ab 537.523 Euro.

Beneteau bietet für die Oceanis 52 zwei deutlich unterschiedliche Ausbaukonzepte an. Die Standardversion zielt mit fünf Kabinen, drei Nasszellen und pflegeleichten Oberflächen auf den Chartereinsatz. Die höherwertige Eignerversion hat drei geräumige Doppelkabinen und einen Innenausbau mit Echtholzfurnieren. Auch das Rigg lässt sich auf den gewünschten Einsatz abstimmen. Zur Wahl stehen unter anderem Rollmast und Selbstwendefock, ein klassisches Großsegel sowie ein vergrößertes Performance-Rigg. Das Testboot war mit dem leistungsstärksten Paket ausgerüstet.

Im Test der Beneteau Oceanis 52 erreichte die Yacht bei 18 bis 20 Knoten Wind und rund zwei Metern Welle 7,8 Knoten auf der Kreuz. Sie segelte formstabil und ließ sich kontrolliert auf der Kante halten. Die Doppelruderanlage vermittelte am Rad allerdings nur wenig Rückmeldung. Fallen, Schoten und Trimmleinen erreichte die Yacht bei 18 bis 20 Knoten Wind und rund zwei Metern Welle 7,8 Knoten auf der Kreuz. Sie segelte formstabil und ließ sich kontrolliert auf der Kante halten. Die Doppelruderanlage vermittelte am Rad allerdings nur wenig Rückmeldung.a


Dufour 54: Überraschend agil und besonders wandelbar

Hülle mit Fülle. Das enorme Rumpfvolumen wird vor allem im Vorschiff deutlich. Die Rumpfaufkimmung ist bis ganz nach vorn zum Bug gezogen.
Foto: YACHT / Nils Günter
Länge: 15,90 Meter Rumpflänge, 16,84 Meter über alles; Breite: 5,25 Meter; Gewicht: 16,59 Tonnen; Preis: ab 600.950 Euro inklusive Easy-Paket.

​Die neue Dufour 54 ersetzt die Dufour 530 als Flaggschiff der Werft. Trotz komfortorientierter Testausstattung mit Rollmast, kurzem Kiel und Hardtop erreichte die Felci-Konstruktion im YACHT-Test bei acht bis zehn Knoten Wind bis zu 6,8 Knoten und hielt etwa 45 Grad zum wahren Wind. Das große Einzelruder vermittelte viel Kontrolle und eine gute Rückmeldung. Die schlecht erreichbaren Winschen und die tiefe Sitzposition am Rad schränken jedoch die Einhandtauglichkeit ein. Das optionale Hardtop schützt wirksam vor Sonne, erschwert aber den Blick in die Segel und wiegt mit dem erforderlichen Targabügel rund 280 Kilogramm.

Unter Deck bietet die Dufour 54 die größte Auswahl dieser fünf Yachten. Insgesamt sind 16 Layoutkombinationen mit drei, vier oder fünf Doppelkabinen möglich. Auch die Pantry kann quer am vorderen Hauptschott oder längs an der Salonseite eingebaut werden. Im Vorschiff stehen mehrere Eignerlösungen sowie eine Teilung in zwei Charterkabinen zur Wahl.Am Testschiff waren einige Bodenbretter allerdings ungleichmäßig verlegt und wiesen scharfkantige Überstände auf. Mit dem verpflichtenden Easy-Paket für 47.600 Euro steigt der Grundpreis von 553.350 auf 600.950 Euro.


Hanse 510: Großes Volumen und direkte Rückmeldung

Ein weißer Riese: Der hohe Freibord ist für die Optik prägend. Die großen Rumpffenster können die Linien aber strecken
Foto: YACHT/L. Fruchaud
Länge: 15,25 Meter; Breite: 4,91 Meter; Gewicht: 16,5 Tonnen; Preis: ab 562.750 Euro.

Die Hanse 510 ist das kürzeste Modell dieser Auswahl, wirkt mit 4,91 Meter Breite aber ausgesprochen voluminös. Die Konstrukteure von Berret-Racoupeau hielten den Rumpf knapp unter fünf Metern Breite. Das kann in einigen Mittelmeerhäfen bei der Berechnung des Liegeplatzes eine Rolle spielen.

Im Test der Hanse 510 setzte sich die 16,5 Tonnen schwere Yacht bereits bei acht bis zehn Knoten Wind lebendig in Bewegung. Mit der Selbstwendefock erreichte sie gut sechs Knoten am Wind. Unter dem rollbaren Reacher stieg das Tempo auf einem Halbwindkurs auf acht Knoten. Anders als die übrigen Modelle hat die Hanse 510 nur ein Ruderblatt. Die Steuerung arbeitete leichtgängig und ausgewogen. Der Rudergänger erhielt dabei deutlich mehr Rückmeldung als auf den getesteten Yachten mit Doppelruder. Selbstwendefock und Reacher lassen sich vom Steuerstand bedienen. Die hohen Lasten auf der Großschot sprechen jedoch auch hier für elektrische Winschen. Im Heck befindet sich eine Garage für ein 2,40 Meter langes Beiboot.

Unter Deck stehen Ausführungen mit drei, vier oder fünf Kabinen zur Wahl. Das Raumangebot und die Kojenmaße fielen im Test großzügig aus. Kritik gab es unter anderem am wuchtigen zentralen Möbelblock im Salon und an den schwer erreichbaren Backskisten im Cockpit.


Jeanneau Yachts 55: Privatsphäre für Eigner und Gäste

Die markante Haube über dem Cockpit ist für das ungewöhnliche Design prägend. Und auch die Position der Steuerstände weit vorn.
Foto: YACHT/L. Fruchaud
Länge: 16,15 Meter; Breite: 4,99 Meter; Gewicht: 18,5 Tonnen; Preis: ab 871.675 Euro.

Die Jeanneau Yachts 55 verfolgt das eigenständigste Wohnkonzept der Auswahl. Salon, Pantry, Eignerkabine und Bad bilden im Vorschiff einen zusammenhängenden Wohnbereich. Die beiden Achterkabinen haben eigene Nasszellen und separate Zugänge aus dem Cockpit. Gäste und Eigner leben damit weitgehend voneinander getrennt. Die beiden Steuerstände liegen weit vorn. Dahinter bleibt viel Platz für große Sitz- und Liegeflächen. Targabügel, Hardtop und Bimini bieten je nach Ausstattung weitreichenden Wetter- und Sonnenschutz. Fallen und Schoten lassen sich von den Steuerständen aus bedienen.

Im Test der Jeanneau Yachts 55 erreichte die Yacht bei acht bis zehn Knoten Wind mit der großen Genua 7,1 Knoten am Wind. Mit der Selbstwendefock waren es 6,2 Knoten. Die Doppelruder reagierten direkt, vermittelten am Rad aber wenig Druck. Unter Deck fallen vor allem die über die gesamte Schiffsbreite reichende Eignerkabine und die 3,40 Meter lange Pantry auf. Anders als bei Bavaria, Dufour und Hanse gibt es kaum alternative Grundrisse. Auch eine der Achterkabinen als Werkstatt oder begehbaren Stauraum auszubauen, war zum Zeitpunkt des Tests nicht vorgesehen. Eine Dingi-Garage fehlt. Weitere Kritikpunkte waren die schlecht erreichbaren Klampen, die Geräuschentwicklung des Motors in den Achterkabinen und der nicht besonders stabile zentrale Möbelkorpus im Salon.


Welche Fahrtenyacht passt zu welchem Einsatz?

Die Bavaria C57, Dufour 54 und Hanse 510 bieten den größten Spielraum bei der Zahl der Kabinen. Die Dufour 54 geht mit 16 Layoutkombinationen, zwei Pantrypositionen und vielen Ausstattungsmöglichkeiten noch einen Schritt weiter. Allerdings zeigte das Testschiff bei der handwerklichen Ausführung der Bodenbretter Nachbesserungsbedarf. Die Oceanis 52 trennt Eigner- und Chartermodell besonders deutlich. Wer ein privat genutztes Schiff sucht, erhält nicht nur weniger Kabinen, sondern auch einen höherwertigen Ausbau. Für Charterunternehmen steht eine robuste Version mit fünf Kabinen bereit.

Seglerisch hinterließen Hanse 510 und Dufour 54 vor allem am Ruder einen überzeugenden Eindruck. Die Hanse bietet außerdem eine Garage für das Beiboot. Bei der Dufour schränken die Anordnung der Winschen und die tiefe Sitzposition am Rad die Einhandtauglichkeit ein. Am stärksten auf ein bestimmtes Nutzungsprofil zugeschnitten ist die Jeanneau Yachts 55. Sie eignet sich für Eigner, die überwiegend mit kleiner Crew segeln und gelegentliche Gäste räumlich klar vom eigenen Wohnbereich trennen möchten. Ihr Ausbau lässt sich dafür weniger flexibel verändern.


Buchtipps

Blauwassersegeln kompakt ergänzt den Modellüberblick um die Vorbereitung einer Langfahrt. Sönke und Judith Roever behandeln Schiffswahl, Rigg, Segel, Energieversorgung, Kommunikation, Navigation, Sicherheit und Kosten. Das hilft bei der Einordnung, welche Ausstattungsmerkmale einer großen Fahrtenyacht für längere Reisen tatsächlich gebraucht werden.

Die Seemannschaft deckt ein breiteres Spektrum ab. Die aktuelle Auflage behandelt Konstruktion und Ausrüstung von Yachten, Hafenmanöver, Navigation, Schwerwettersegeln, Wartung und Schifffahrtsrecht. Das Nachschlagewerk richtet sich damit an Skipper, die neben der Auswahl einer Yacht auch Bootsführung und Technik vertiefen möchten.


Maximale Variabilität oder ein konsequent auf Eigner zugeschnittenes Layout: Welches Konzept würden Sie wählen? Diskutieren Sie mit.

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