Dufour 54 im TestEin Komfort-Paket mit erstaulich guter Performance

Michael Good

 · 28.08.2026

Hülle mit Fülle. Das enorme Rumpfvolumen wird vor allem im Vorschiff deutlich. Die Rumpfaufkimmung ist bis ganz nach vorn zum Bug gezogen.
Foto: YACHT / Nils Günter
​Das neue Flaggschiff von Dufour setzt Akzente – bei der Optik, dem Konzept und beim Komfort an Bord. Obendrein überrascht die neue Dufour 54 beim Test unter Segeln. Ein stimmiges Paket.

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​Ein Flaggschiff ist mehr als nur das größte Modell einer Baureihe. Es ist das Aushängeschild der Werft, Technologieträger und Repräsentant der Markenwerte zugleich. An ihm muss sich zeigen, wofür eine Werft steht, welche Schwerpunkte sie setzt und wie überzeugend sich ihre Ideen auch in einem größeren Format umsetzen lassen. Entsprechend hoch sind die Erwartungen an das Spitzenmodell.


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Diese anspruchsvolle Rolle übernimmt bei Dufour jetzt die neue 54er. Sie löst die bisherige Dufour 530 an der Spitze des Programms ab und führt die ambitionierte Modellreihe konsequent in die nächstgrößere Längenklasse. Allerdings markiert die neue Dufour 54 keineswegs das größte Schiff der Marke. Mit der Dufour 61 und zuvor der Dufour 63 Exclusive hatten die Yachtbauer in Périgny bei La Rochelle bereits deutlich größere Yachten im Programm; beide Modelle werden aber inzwischen nicht mehr gebaut.

Dufour Yachts hat sein Angebot am oberen Ende also bewusst verkleinert und sich vermehrt auf die volumenorientierten Größenklassen konzentriert. Umso bemerkenswerter ist die intensive Modellpflege der vergangenen Jahre. In ungewöhnlich kurzer Folge hat die Werft in Zusammenarbeit mit den Konstrukteuren von Felci Yacht Design in Italien das gesamte Programm erneuert. Kaum eine andere Großserienwerft hat jüngst so viele neu entwickelte Fahrtenyachten vorgestellt wie Dufour.

Komfortausstattung, aber gute Leistungen

​Beim Test vor La Rochelle lässt die Konfiguration des Testschiffs auf den ersten Blick keine ausgesprochen sportlichen Ambitionen erkennen. Die Baunummer neun aus der Serie ist mit einem schweren Rollmast, der kurzen Kielvariante mit nur 2,00 Meter Tiefgang und dem optionalen Hardtop ausgestattet – Ausrüstungsmerkmale, die eher auf Komfort und einfache Handhabung als auf maximale Leistung zielen. Hinzu kommt ein Rollgroß ohne Latten, das ausgesprochen flach steht und kaum ein wirksames Profil entwickelt. Immerhin trägt das Testschiff anstelle der serienmäßigen Selbstwendefock die optional erhältliche, größere Genua.

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Messwerte der Dufour 54

Bild 1
Foto: YACHT

Umso mehr überraschen die Leistungen im Test. Bei 8 bis 10 Knoten Wind beschleunigt die Dufour 54 auf bis zu 6,8 Knoten Fahrt und hält dabei einen wahren Windwinkel von rund 45 Grad. Angesichts der klar komfortorientierten Ausstattung sind das bemerkenswert gute Daten. Das neue Flaggschiff setzt sich willig in Bewegung, hält sein Tempo konstant und vermittelt den Eindruck, dass in Rumpf und Rigg deutlich mehr Leistungspotenzial steckt, als die Konfiguration des Testboots zunächst vermuten lässt. Mit dem serienmäßigen Drei-Saling-Rigg, einem optionalen Segel-Upgrade und dem Standard-Tiefkiel mit 2,40 Meter Tiefgang wären sicher noch deutlich bessere Leistungswerte zu erwarten.

Hardtop mit Licht und Schatten

Auch das Hardtop ist der Performance unter Segeln nicht zuträglich. Die im RTM-Injektionsverfahren gebaute Konstruktion setzt den optionalen Targabügel voraus, der auch einzeln bestellt werden kann. Mit rund 130 Kilogramm für den Bügel und weiteren 150 Kilogramm für das Dach wandert jedoch einiges an Gewicht an Bord und nach oben. Umso bemerkenswerter ist, wie steif die Dufour 54 im Test segelt – ein deutlicher Hinweis auf die hohe Formstabilität der Felci-Konstruktion.

​Dufour bietet das Hardtop mittlerweile für die gesamte Modellreihe an. Nach Aussage der Werft bestellen Charterunternehmen ihre Boote bei Dufour inzwischen fast ausschließlich mit der festen Cockpitüberdachung. Auch bei Eignern gewinnt die Lösung zunehmend an Beliebtheit. Weshalb, zeigt sich während des Tests bei Temperaturen von bis zu 40 Grad: Das Hardtop spendet zuverlässig Schatten, schützt wirksam vor der Sonne und sorgt in der Bucht für einen angenehmen Luftzug darunter. Auch die Bewegungsfreiheit an Deck wird durch das feste Dach kaum beeinträchtigt.

Als Nachteil bleibt nur die eingeschränkte Sicht in die Segel. Zudem wirkt die Konstruktion nicht übermäßig robust. Laut Werft soll das Dach zwar begehbar sein, darauf stehen sollte man jedoch nur unmittelbar über dem Targabügel. Damit ist das Hardtop zwar eine attraktive Option, es funktioniert allerdings am besten in Kombination mit einem Rollmast wie beim Testschiff.

Steuergefühl überzeugt, Cockpit nicht ganz

Wie schon bei den kleineren Modellen Dufour 44 und 48 hat die Werft zwischen den Steuerständen und den Sitzduchten mehr Platz sowie eine Stufe eingeplant, damit man leichter aus dem Cockpit auf das Laufdeck gelangt. Dabei ist der Süllrand kürzer und die Lücke bis zum Ruderstand größer geworden. Der Steuermann kann aus seiner Position am Rad die hinteren der beiden Winschen nur schlecht erreichen und muss den Steuerstand verlassen, um die Segel zu trimmen. Das entzieht dem Boot ein Stück weit die Einhandtauglichkeit.

Außerdem sitzt der Steuermann seitlich am Rad auf dem hinteren Laufdeck ungewöhnlich tief, was auf Dauer wenig komfortabel und sogar anstrengend ist. Entschädigt wird der Rudergänger dafür mit einem exzellenten Steuergefühl. Das relativ große und flächige Einzelruder sorgt für beste Kontrolle mit einem angenehm leichten, aber trotzdem gut spürbaren Ruderdruck.

​Das Ocean-Paket für aktive Segler

Im Standard wird die Dufour 54 lediglich mit zwei Winschen am Niedergang ausgestattet. Das reicht für den anspruchslosen Umgang mit der Selbstwendefock und der einfachen Großschotführung, zum Beispiel im Chartereinsatz.

Für Eigner, die gerne aktiver und sportlicher segeln, hat die Werft das Ausstattungspaket Ocean geschnürt. Es umfasst verstellbare Holepunkte für eine überlappende Genua, einen Traveller auf dem Cockpitboden für die beidseitig geführte Großschot (German Cupper), Decksbeschläge für den Einsatz von Code Zero oder Gennaker sowie zwei zusätzliche 60er-Winschen für die Schoten.


​Die Dufour 54 lässt sich nicht nur bei Rigg und Cockpit vielseitig ausstatten. Im zweiten Teil geht es um 16 Layoutvarianten mit drei bis fünf Doppelkabinen und unterschiedlichen Lösungen für die Pantry. Es geht auch um Materialien, Qualitäten, Details und nicht zuletzt um die Preise.


​Die Dufour 54 im Detail

Die Selbstwendefock ist der Standard. Eine größere Genua mit 107 Prozent Überlappung ist als Option erhältlich. Der Großbaum ist vorne am Standard-Mast sehr tief angeschlagen. Das erleichtert das Auftuchen in die Lazy-Bags. Trotz des breiten Hecks bleibt es bei nur einem Ruderblatt. Es ist recht weit unter das Boot gebaut. Der Gusseisenkiel in 
L-Form mit überstehender Ballastbombe ist in zwei Tiefgängen erhältlich.Foto: YACHTDie Selbstwendefock ist der Standard. Eine größere Genua mit 107 Prozent Überlappung ist als Option erhältlich. Der Großbaum ist vorne am Standard-Mast sehr tief angeschlagen. Das erleichtert das Auftuchen in die Lazy-Bags. Trotz des breiten Hecks bleibt es bei nur einem Ruderblatt. Es ist recht weit unter das Boot gebaut. Der Gusseisenkiel in L-Form mit überstehender Ballastbombe ist in zwei Tiefgängen erhältlich.

Technische Daten der Dufour 54

  • ​Konstrukteur: Felci Yacht Design
  • CE-Entwurfskategorie: A
  • Rumpflänge: 15,90m
  • Gesamtlänge: 16,84 m
  • Wasserlinienlänge: 14,85 m
  • Breite: 5,25 m
  • Tiefgang/alternativ: 2,40/2,00 m
  • Masthöhe über WL: 24,00 m
  • Theor. Rumpfgeschwindigk.: 9,3 kn
  • Gewicht: 16,6 t
  • Ballast/-anteil: 4,9 t/30 %
  • Großsegel: 77,0 m²
  • Selbstwendefock (Std.): 56,0 m²
  • Maschine (Yanmar): 59 kW/80 PS
  • Kraftstofftank (Rotomold): 430 l
  • Frischwassertank (Rotomold): 430 l
  • Fäkalientank (je Nasszelle): 50 l
  • Batterien: 1 x 94 AH + 4 x 140 AH

​Rumpf- und Decks­bauweise

GFK-Sandwich, laminiert mit Vakuuminfusion mit Schaumkern und PET-Schaum (Deck).


​Classic oder Rollmast

Das hohe Rigg von Z-Spars mit drei Salingen ist die Basis. Der Rollmast kostet rund 7.000 Euro zusätzlich.


Leistung nach Wahl

Standard ist der Einbaudiesel von Yanmar (4JH80) mit 80 PS Leistung, Saildrive-Antrieb und Drei-Blatt-­Festpropeller. Das Upgrade mit 110 PS Leistung und Vier-Blatt-Faltpropeller kostet 21.450 Euro.

OdSea+ als Alternative

Der Elektro-Hybrid-Antrieb kommt mit E-Motor, Generator, Lithium- Batterie und Steuerung. Der Preis für das System ist noch nicht bekannt.


Die Dufour 54 segelt trotz klarer Komfortausrichtung überraschend gut. Würden Sie bei einem solchen Boot eher in bessere Segel investieren oder den Komfort an Bord priorisieren? Schreiben Sie Ihre Meinung in die Kommentare.

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Michael Good

Michael Good

Redakteur Test & Technik

Michael Good ist Testredakteur bei der YACHT und kümmert sich in der Funktion in erster Linie um neue Boote, deren Vorstellung sowie um die Produktion von Testberichten. Michael Good lebt und arbeitet in der Schweiz am unteren Bodensee. Er segelt seit Kindertagen und ist neben seiner beruflichen Tätigkeit auch seit vielen Jahren als aktiver Regattasegler unterwegs, derzeit vor allem in den Klassen Finn Dinghi und Melges 24. Zudem ist er Miteigner von einem 45er Nationalen Kreuzer mit Baujahr 1917. Michael Good arbeitet seit Januar 2005 für die YACHT-Redaktion und hat in der Zeit gegen 500 Yachten, Katamarane und Jollen getestet.

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