Domani S 32Neuer Daysailer aus Belgien

Alexander Worms

 · 22.12.2022

Domani S 32: Neuer Daysailer aus Belgien

Domani Yachts, eine junge Werft aus dem kleinen Land an der Nordsee, hat einen wunderhübschen Daysailer herausgebracht, der sehr fein segelt, aber auch liebenswerte Macken mitbringt

Farbschema konsequent, Linien hübsch: Daysailer Domani S 32
Foto: YACHT/B.Kolthof
Erste Fotos Domani S 32

Man kann nicht über einen Daysailer um die 32 Fuß sprechen, ohne ihn mit dem Platzhirsch schlechthin, der Saffier Se 33 Life, zu vergleichen. Immerhin ist die ein Verkaufsschlager und obendrein Europas Yacht des Jahres. Wären die Schiffe Autos, dann wäre die Saffier ein Audi. Technisch vollkommen ausgereift, hübsch anzusehen, wertstabil und schnell. Irgendwie fast schon zu perfekt. Die Domani hingegen wäre ein Alfa Romeo. Stylistisch ein Traum, wunderschön anzusehen, auch zweifelsohne schnell, aber eben mit diesen italienischen Momenten. Diesen Schrulligkeiten und der Sorglosigkeit, die einerseits nerven, aber ein Auto und ebenso ein Schiff zu einem liebenswerten Wesen erheben. Zu mehr als nur der Summe der perfekt zusammengefügten Teile. Die Domani S 32 ist die Weiterentwicklung der 30, sie ist schlicht zwei Fuß länger. Die Linien straken bis zu einem hübschen Hinterteil. Dass das vielleicht nicht ganz so bereitwillig immer gleich losgleitet wie ein breiterer Allerwertester – geschenkt. Charakter nennt man das wohl. Dafür zieht die Seitenlinie aus einem kräftig positiven Deckssprung achtern fast schon obszön weit nach unten. Stark!

Der Daysailer liegt etwas zickig auf dem Ruder

Beim Test auf der Oosterschelde weht es sehr böig zwischen 10 und 20 Knoten. Dabei ist die Domani hoch am Wind gut an der Windkante zu halten, aber auch sehr neutral. Vielleicht ein bisschen zickig. Der Steuermann sucht an einem der Räder nach Halt, denn die Krängung ist heftig. Hier ist man nahe am Wasser, in Böen droht das Süll in Lee abzutauchen. Das möchte man nicht. Mehr Dampf auf dem Achterstag wäre in Böen wünschenswert, die Übersetzung gibt das aber noch nicht her. Eine Umlenkung mehr soll Abhilfe schaffen. Fällt man ein wenig ab, rennt der Daysailer los. Auch ohne Gennaker wird es fast zweistellig in Böen auf halbem Wind. Das macht Laune. Plötzlich wird die Belgierin auch ganz handzahm, als hätte man sie mit einer Praline besänftigt. So zieht es gemütlich dahin.

Beim Blick unter Deck zeigt sich eleganter Pragmatismus. Sitz- und Schlafgelegenheiten, ein Chemie-WC und eine Mini-Pantry. Das war’s. Viel mehr braucht ein Daysailer auch ehrlich gesagt nicht. Auf Wunsch wäre eine Mini-Nasszelle möglich. Was fehlt? Etwas mehr Liebe beim Ausbau im Detail hätte geholfen. Der Prototyp sollte rechtzeitig fertig werden. Die Unansehnlichkeiten seien bis zur Messe in Düsseldorf behoben, so die Werft. Das schauen wir uns natürlich an. Rumpf und Deck werden aus Vinylesterharz über Schaum im Vakuum gebaut. Das ist wirklich eine feine Bauweise. Besonderheit 1: Der Kiel. Seine Bombe besteht aus Stahlplatten verschiedener Länge und Breite, die anschließend mit Epoxidharz gespachtelt werden. Es ist kein Blei, aber der Schwerpunkt liegt tief. Besonderheit 2: Die Backskistendeckel im Achterdeck sind klappbar und lassen sich in verschiedenen Winkeln arretieren. Sie taugen so vorzüglich als Rückenlehnen für den entspannten Sundowner. Der kommt dann aus der Kühlbox unter dem Niedergang. Dass es ausschließlich einen elektrischen Antrieb gibt, ist für solch ein Boot fast schon normal. Wer einen Daysailer sucht und obendrein das Besondere liebt, der mag sich in die Domani vergucken. Warum auch nicht? Bei knapp 180.000 Euro beginnt der Spaß.

Technische Daten Domani 32

  • Gesamtlänge 9,60 m
  • Rumpflänge 9,00 m
  • Länge Wasserlinie 7,96 m
  • Breite 2,50 m
  • Tiefgang Festkiel 1,80 m
  • Hubkiel 1,22 bis 2,00 m
  • Gewicht 2,0 t
  • Ballast 0,75 t
  • Mast Aluminium oder Carbon
  • Großsegel 240 m²
  • Selbstwendefock 15,6 m²
  • Gennaker 61,0 m²
  • Code Zero 28,6 m²
  • E-Motor 4 kW/48 V
  • Batteriekapazität 5 kWh oder 10 kWh

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