Am Samstag war die australische Yacht „Tai Tam“, eine Beneteau Oceanis 51.1, auf dem Weg von Fidschi nach Australien. Rund 400 Seemeilen nördlich von Neuseeland stieß sie mit einem Wal zusammen und schlug leck. Da die Segler den Wassereinbruch nicht unter Kontrolle bekamen, lösten sie eine Epirb aus und verließen das sinkende Schiff.
Die neuseeländische Seenotrettung fing den Notruf auf und setzte ein Suchflugzeug ein. Das fand die Schiffbrüchigen und stellte Funkkontakt zu ihnen her. Zugleich wurde ein Frachter zur Unglücksstelle umgeleitet.
Der erreichte am frühen Sonntagmorgen gegen 6 Uhr die Havaristen und nahm sie an Bord. Nach bisherigen Angaben blieb die Crew unversehrt. Die „Tai Tam“ hingegen sank kurz nach dem Auffinden der Crew.
Über die Walart und den Zustand des Tieres liegen keine gesicherten Informationen vor. Auch gibt es keine Hinweise darauf, dass der Wal die Yacht absichtlich gerammt hat. Der Vorfall wird als unbeabsichtigte Kollision auf offener See eingestuft.
Kollisionen mit Walen sind vergleichsweise selten, können aber schwere Folgen für Tier und Material haben haben. Für Yachten sind besonders Schäden unterhalb der Wasserlinie, etwa an Ruder, Skeg oder Propellerwelle gefährlich.
2023 ist die Fahrtenyacht „Raindancer“ nach einer Wal-Kollision im Pazifik innerhalb von 18 Minuten gesunken. Bei der deutschen Yacht „Findus“ beschädigte 2018 ein Buckelwal Ruder und Propeller so stark, dass das Boot beinahe manövrierunfähig wurde. Neben Segelbooten sind auch andere Wassersportler betroffen. In Südafrika kam im September 2025 ein Surfer nach einem Zusammenprall mit einem unbekannten Meeresbewohner ums Leben.
Bei schnellen Regattayachten kommt es auch immer wieder zu Kollisionen mit den Meeressäugern. Während des Ocean Race 2023 kollidierte der IMOCA „Mālama“ mit einem nicht näher bestimmten Meeressäuger oder einem anderen großen Meerestier. Zwei Crewmitglieder wurden verletzt. Und erst beim gerade zurück liegenden Ocean Race Atlantic wurde das Backbordfoil der „Malizia 4“ nach einem Zusammenstoß beschädigt. Das Team vermutet einen kleinen Wal oder einen großen Fisch.
Neben den versehentlichen Kollisionen mit Walen sind zudem die Orca-Angriffe weiterhin ein Problem für Segler.
So tragisch eine Walkollision für Bootsfahrer mitunter ist, die Hauptleidtragenden sind zuallererst die Wale selbst. Dabei geht die größte Gefahr von Containerschiffen aus. Eine Studie kam zu dem Ergebnis, dass in einem rund 39.900 Quadratkilometer großen Seegebiet vor Südkalifornien jährlich etwa 29 Blau-, Buckel- und Finnwale infolge von Kollisionen mit Schiffen getötet werden.
Bei der Studie handelt es sich um eine modellbasierte regionale Schätzung und nicht um erfasste oder direkt beobachtete Todesfälle. Sie macht aber auf das Problem aufmerksam und erlaubt einen generellen Einblick, wie groß die Gefahr für Wale ist, die von der Schifffahrt weltweit für sie ausgeht.
Habt ihr auf See schon einmal einen Wal in unmittelbarer Nähe eurer Yacht erlebt – und wie habt ihr reagiert?

Volontär
Diskutieren Sie mit – fair, sachlich und respektvoll. Es gilt unsere Netiquette.