In Kiels Sporthäfen ging es nach der Ostsee-Sturmflut im Oktober 2023 vor allem darum, die beschädigten Anlagen schnell wieder nutzbar zu machen. Die Kieler Woche setzte dafür einen festen Termin. Nach Einschätzung von Philipp Mühlenhardt, Geschäftsführer der Sporthafen Kiel GmbH, gehörten die Kieler Häfen zu denjenigen, die besonders zügig wieder instand gesetzt wurden. Drei Jahre später ist der Wiederaufbau dennoch nicht vollständig abgeschlossen. Und die Reparaturen haben nicht alle Fragen zum Schutz vor der nächsten Sturmflut gelöst.
Die Schäden der Ostsee-Sturmflut betrafen zahlreiche Häfen. Welche Möglichkeiten ein grundlegender Neuaufbau eröffnet, sah Mühlenhardt bei einem Hafenanrainertreffen im dänischen Nykøbing. Zum Programm gehörte die Besichtigung von Hesnæs. Die Kommune hatte die Wiedereröffnung des Hafens Hesnæs für den Sommer 2026 angekündigt und dabei eine widerstandsfähigere Anlage vorgestellt. „Die haben da ordentlich was umgesetzt“, sagt Mühlenhardt.
In Schilksee konzentrierte sich die Sporthafen Kiel GmbH zunächst auf das Notwendigste. Die Steinmole wurde erhöht. Grundlegende Veränderungen, die bei einer weiteren Sturmflut mehr Sicherheit bieten könnten, stehen laut Mühlenhardt noch aus. Der Wiederaufbau des Hafens Damp zeigt einen anderen Ansatz.
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Einen vergleichbaren Umbau hält Mühlenhardt unter den damaligen Zeitvorgaben in Schilksee nicht für möglich.
Wie knapp größere Schäden an den Schwimmstegen verhindert wurden, beschreibt er anhand der Haltepfähle. Ein sogenanntes Pfahlschloss führt den Schwimmsteg am Pfahl. Steigt der Wasserstand über dessen nutzbare Höhe hinaus, kann der Steg seine Führung verlieren.
„Rückblickend hatten wir auch etwas Glück, dass das Hochwasser nicht zehn Zentimeter höher war“, sagt Mühlenhardt. Nach seiner Einschätzung fehlten lediglich fünf bis zehn Zentimeter, bis die Stege über die Pfähle hätten steigen können. Als mögliche Anpassung steht deshalb im Raum, die Haltepfähle mit angeschweißten Stücken zu verlängern. Auch Feststege wurden nach seinen Angaben bereits um 20 Zentimeter erhöht. Eine dauerhafte Lösung sieht er darin nicht: „Das reicht nicht ewig.“
Im Südhafen gibt es weiterhin feste Steganlagen. Ein Umbau auf Schwimmstege hätte nach Mühlenhardts Darstellung neue Haltepfähle und eine Kampfmittelräumung erfordert. Die Auswirkungen auf den Hafenbetrieb wären erheblich gewesen.
„Für neue Pfähle wäre eine Kampfmittelräumung notwendig gewesen. Das würde bedeuten, dass man drei bis vier Jahre Teile des Hafens nicht hätte benutzen können“, sagt er. Auch die Austragung der Kieler Woche wäre damit aus seiner Sicht infrage gestellt gewesen. Deshalb blieb es zunächst bei der Instandsetzung der vorhandenen Anlagen.
Neben den Bauarbeiten beschäftigt die Sporthafen Kiel GmbH die Abwicklung der Förderung. Nach Mühlenhardts Angaben erschien die Förderrichtlinie für die Reparaturmaßnahmen erst im März 2024. Da waren die Arbeiten in Schilksee bereits weit fortgeschritten.
„Allerdings gab es rückblickend Kriterien, die uns als privatem Unternehmen nicht bekannt waren“, sagt er. Die schnelle Instandsetzung müsse deshalb im Nachhinein aufwendig dokumentiert und förderrechtlich aufgearbeitet werden.
Noch nicht abgeschlossen ist auch die Schadensbeseitigung in Wellingdorf. Dort rutschte während der Sturmflut eine Böschung ab. Zum Projekt gehören eine Kampfmittelräumung und eine neue Spundwand. Mühlenhardt beziffert die Kosten auf 1,6 Millionen Euro. Nach seinen Angaben trägt die Sporthafen Kiel GmbH davon 25 Prozent, das Land Schleswig-Holstein übernimmt 75 Prozent.
Für weitere Investitionen in Schilksee spielt nach Mühlenhardts Darstellung auch die Olympia-Bewerbung eine Rolle. Ein neuer, höherer Wellenbrecher ist im Gespräch. Die Planung soll jedoch vermeiden, dass Bauwerke später für mögliche olympische Anforderungen erneut verändert werden müssen.
„Man will das nicht doppelt machen“, erklärt er. Die Aussicht auf zusätzliche Infrastrukturinvestitionen erschwert damit zugleich die Entscheidung, welche Maßnahmen bereits unabhängig davon umgesetzt werden sollen.
Im Wiking Yachthafen in Schleswig setzt Inhaber Björn Hansen auf zusätzliche bauliche Vorsorge. Im Gespräch mit YACHT erläutert er die geplante Verstärkung der bestehenden Mole mit mehr als 2.000 Tonnen Steinen. Sie soll dabei um rund einen halben Meter wachsen und den Welleneintrag in den Hafen verringern.
Hansen will außerdem die Wasserliegezeit zum Saisonende verkürzen. Als früheren Auskrantermin nennt er den ersten statt wie sonst üblich den 15. Oktober. Damit möchte er die Eigner stärker für das Sturmflutrisiko sensibilisieren. Bei der Sturmflut im Oktober 2023 hätten aus seiner Sicht noch zu viele Boote im Wasser gelegen.
Sein Ansatz betrifft damit sowohl den baulichen Schutz als auch die Organisation des Saisonendes. Einen vollständigen Schutz vor Schäden verspricht eine höhere Mole allein nämlich nicht.
In Schleimünde waren Stege und Stromversorgung nach Angaben von Marc Müller, erstem Vorsitzenden des Fördervereins Naturnaher Wasserwanderplatz Schleimünde, bereits 2024 wiederhergestellt. Neue Stromsäulen und reparierte Stege machten den Sportboothafen wieder nutzbar.
Die Stege gehören dem Förderverein. Ihre inzwischen schrittweise fortgesetzte Erneuerung dient laut Müller nicht mehr der Beseitigung von Sturmflutschäden, sondern der Behebung normalen Verschleißes. Finanziert werden die laufenden Arbeiten aus den Hafengeldern. Bei regelmäßigen Aktionstagen kümmert sich der Verein um die Anlage. Auch den Weg zum Leuchtturm machten die Helfer wieder begehbar.
Für die Ausflugsschifffahrt dauerte die Unterbrechung länger. Nach Müllers Angaben liefen die Schiffe Schleimünde 2024 nicht und 2025 erst ab August wieder an, nachdem der Steg der Stadt Kappeln fertiggestellt war. Der wiederhergestellte Sportboothafen und die spätere Rückkehr der Fahrgastschiffe waren somit unterschiedliche Schritte.
Offen bleibt die Instandsetzung der beschädigten Mole. Besonders stark seien die Schäden auf der Seite Richtung Olpenitz, sagt Müller. An der Steinmole Richtung Maasholm müssten zudem rund 50 Meter wieder aufgefüllt werden, um den Schutz vor Ausspülungen und Wellenschlag zu verbessern. Wegen der Kosten werde eine gemeinsame Umsetzung mit Damp oder Maasholm angestrebt. Wann die Arbeiten beginnen, ist nach seinen Angaben noch unklar.
Die ursprüngliche Giftbude wurde bei der Ostsee-Sturmflut schwer beschädigt. Nach Müllers Darstellung hat die Eigentümerin, die Lighthouse Foundation, das bisherige Projekt nicht weitergeführt. Der Förderverein hat das Hafenmeisterbüro und die Sanitäranlagen angemietet.
Die Verpflegung übernimmt inzwischen die „Lütte Giftbude“ im Hafenmeisterbüro. Dort gibt es unter anderem Flammkuchen, Pizza und Fischbrötchen. Damit besteht wieder ein gastronomisches Angebot, auch wenn die Zukunft der ursprünglichen Giftbude offen ist.

Redakteur News & Panorama
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